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Fernwärme: Bürger auf der Zinne : Bürgerinitiative will die Stadtwerke verklagen

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Quickborner schalten wegen neuem Fernwärmevertrag das Kartellamt ein. Jetzt äußern sich die Stadtwerke.

Quickborn | Eine neue Bürgerinitiative (BI) hat das Kartellamt in Kiel um Prüfung des neuen Fernwärmeversorgungsvertrags der Stadtwerke Quickborn gebeten. Sie will den öffentlichen Versorger außerdem wegen der Verbrauchsabrechnung nach dem alten Vertrag verklagen.  BI-Sprecher Holger Fehrmann sagte gegenüber unserer Zeitung: „Wir haben hier einen Monopolisten, der seine Marktmacht ausnutzt.“

Die etwa 30 BI-Mitglieder leben in der sogenannten Prophetensee-Siedlung. Die etwa 160 Wohneinheiten wurden 1997 und 1998 errichtet. Die Häuser lassen sich ausschließlich über das Fernwärme-System der Stadtwerke beheizen. Ende Oktober kündigte der Versorger sämtlichen Fernwärmekunden die Lieferungs- und Anschlussverträge zum Jahresende. Der neue Vertrag soll zustandekommen, sobald die Kunden ab 1. Januar Fernwärme nutzen. Die Anwohner der Prophetensee-Siedlung aber misstrauen dem Unternehmen.

Mit Blick auf den alten Vertrag hegt Fehrmann den Verdacht, dass die Stadtwerke den Preisverfall auf dem Gasmarkt nicht an die Kunden weitergegeben hätten. Zudem hat er den Eindruck, dass Kündigungsfristen nicht eingehalten wurden. In dem neuen Vertrag fiel ihm auf, dass die Stadtwerke zwar die Bestandsanlagen weiterhin kostenlos warten und ersetzen wollen. Ihm ist aber unklar, wer nach einem Geräteaustausch für die Wartung aufkommt. Zudem bestrafe die neue Aufteilung in einen Grund-  und einen Arbeitspreis energiesparendes Verhalten.

Vertragsumstellung

Holger Bennies von der neuen Bürgerinitiative (BI) in der Prophetensee-Siedlung in Quickborn ist sauer: „In den vergangenen Jahren sind die Gaspreise auf dem Markt deutlich gesunken, nur unsere Fernwärmepreise nicht“, teilte der Kunde der Stadtwerke Quickborn unserer Zeitung mit. BI-Sprecher Holger Fehrmann zufolge hat der alte Wärmelieferungsvertrag mittels einer Gleitklausel den Fernwärme- an den Gaspreis gekoppelt. Nach BI-Berechnungen hätten die Preise daher in den Jahren 2015 bis 2017 jährlich um etwa zehn Prozent sinken müssen. Bennies Verdacht: „Haben die Stadtwerke selber das Gas extrem teuer eingekauft?“

Die Preisgleitklausel im neuen Vertrag nützt nach Ansicht der BI-Mitglieder vor allem dem städtischen Unternehmen. Lutz Steinberg aus der Curt-Stegner-Straße sagte: „Die Gewichtung der einzelnen Faktoren wurde verändert, um den Stadtwerken mehr Kalkulationssicherheit und höhere Gewinne zu sichern.“ Fehrmann zufolge ist etwa der Preisanteil der Lohnkosten vom ein- in den zweistelligen Bereich angehoben worden.

Fehrmann ärgert sich zudem über eine weitere Änderung: Bisher rechneten die Stadtwerke den Verbrauch pro Megawattstunde ab. Mit dem neuen Vertrag führen sie eine Aufteilung der Gebühr in einen Grund- und einen Arbeitspreis ein. „Das bestraft energiesparendes Verhalten extrem“, klagte er. Die Grundkosten der Stadtwerke könnten sich seiner Auffassung nach durch eine Expansion bei der Fernwärme decken lassen. Nach Auskunft der Stadtwerke ist das aber nicht geplant.

Fernwärmepreis von vielen Faktoren abhängig

Die BI-Vermutung, dass die Stadtwerke die Verträge außerordentlich gekündigt habe, wies Ulrike Fölsch, Leiterin des Bereichs Energiewirtschaft und Unternehmensentwicklung, gestern zurück. „Richtig ist vielmehr, dass eine Umstellung der vertraglichen Grundlagen erfolgt, um diese den aktuellen und branchenüblichen Standards anzupassen.“ Die Verträge richteten sich an den Empfehlungen des Fernwärmeverbands aus und berücksichtigten die vom Gesetzgeber vorgegebenen Verbraucherrechte. Die Stadtwerke würden sie für sämtliche Fernwärmekunden in Quickborn umstellen.

Der Fernwärmepreis sei nicht nur an den Gaspreis gekoppelt, sondern auch von anderen Faktoren abhängig. Zudem bestrafe der neue Vertrag keineswegs die Energiesparer. „Das neue Preissystem ist kostengerechter geworden“, teilte Fölsch mit. Die Aufteilung in Grund- und Arbeitspreis sei branchenüblich.

Fehrmann bringt als Vorstand des Wohnungsvereins Hamburg von 1902 und ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats der Stadtwerke Quickborn Sachverstand mit. „Es geht nicht darum, ob wir 50 Euro mehr oder weniger zahlen, sondern dass das Verfahren intransparent ist“, sagte der 47-Jährige. Er wünscht sich ein klärendes Gespräch. Fölsch zufolge habe er Terminangebote aber nicht angenommen.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 16:00 Uhr

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