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Quickborner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 11:46 Uhr

Unser Carlo wird 70 : Brachiale Fröhlichkeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sport ist das halbe Leben, seine Sabbelei die andere Hälfte: Der in Quickborn lebende NDR-Moderator Carlo von Tiedemann wird am Sonntag 70 Jahre alt.

Wer Carlo von Tiedemann nach dem Tod den Bart abrasiert, der muss ein mutiger Mann sein. „Dann kommt Rache von oben“, sagt der Kultmoderator, der in Quickborn zu Hause ist. 50 Jahre lang ist der Schnauzer schon das Markenzeichen des TV- und Radiomannes, „da bin ich eitel“. Im Kreißsaal, 1943 im pommerschen Stargard, hatte er einen Flaum, sagten ihm seine Eltern. Der Flaum ist morgen 70 Jahre her. Die Eltern wussten: Der Junge wird Bartträger. Die erste große Liebe fand’s gut, und weil Carlo von Tiedemann nach eigener Aussage sein Leben lang auf die Weiblichkeit hörte, wagte er keine Widerworte.

Und er ist „fit wie 69“, verkündete Tiedemann wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag. Tiedemann ist Sportler, kein professioneller Alsterläufer, wie er sagt, aber Sportler. „Das ist wichtig für die stabile Gesundheit.“ Heute ist er ständig unterwegs, im Fahrstuhl will er nicht anzutreffen sein. Bei Regen, Schnee und Eis geht er raus, morgens um sechs mit dicken Schuhen. „Intervallgehen“ heißt Tiedemanns Sport, seit er unter Arthrose im linken Knie leidet.

Beim Sport ist der Quickborner ein Getriebener: „Ich führe quasi die Hypochonder-Liga in Europa an.“ Tut er nicht. Aber er könnte. Einmal im Jahr geht Tiedemann für drei Tage ins Krankenhaus, lässt sich durchchecken. Neulich erst wieder. „Ich bin schweinemäßig gesund“, verkündete er danach.

Seine Vergangenheit – „Ende der Achtziger mit Kokain und Alkohol für zehn erwachsene Männer“ – da hat er sich gehen lassen. „Ist ja aktenkundig. Ich hasse das Internet.“ Heute sagt er, er trinke seit 13 Jahren keinen Alkohol mehr. Und er rauche, sagt er, genau anderthalb Zigaretten am Tag. Zwei Züge, dann kommt ein Kollege und nimmt sie ihm ab. „Medizinischer Nichtraucher“, hat ein Arzt das genannt.

Tiedemann überstand zwei Gehirntumore, mehr als zwanzig Jahre ist das nun her. Tiedemann war tot – eine gute Story bei Gartenpartys, sagt er. „Brachiale Fröhlichkeit“ ließ ihn überleben.

Vier Kinder von drei Frauen hat der Moderator. „Bei meinen beiden ersten war ich ein Riesenarschloch. Ich hab belogen und betrogen, gekokst und gesoffen.“ Als seine großen „kleinen Mädchen“ Theresa (33) und Lisa (21) jeweils sieben Jahre alt waren, verließ Tiedemann sie. Mit seiner neuen Frau Julia Laubrunn (45) hat er nun die Kinder Carl-Nikolas (13) und Viktoria (10). „Zum ersten Mal erlebe ich als Papa jeden Tag, wie es ist, wenn mein Sohn in die Pubertät kommt. Das ist so geil!“ Rotzfreche Antworten bekommt Tiedemann – ihm gefällt’s, er ist ja selbst nicht anders.

42 Jahre lang arbeitet Tiedemann nun schon für den NDR. Das war eigentlich nur Zufall. Für das „Hamburger Abendblatt“ sollte er als junger Journalist eine Reportage über das Verkehrsstudio schreiben, so sagt es die Legende. Er fand sich wieder in einem Raum voll von Mikrofonen, Kameras und Regietechnik. Tiedemann hatte seinen natürlichen Lebensraum gefunden. „Ich sabbel’ schon, wenn ich morgens aufwache.“

1971 fing er beim NDR Hörfunk als Reporter an, später moderierte er bei NDR 2, unter anderem für die „NDR 2 Plattenkiste“. 1976, sein bundesweiter Durchbruch: als Co-Moderator der „Aktuellen Schaubude“, gemeinsam mit Alida Gundlach. In fremde Rollen schlüpfte Tiedemann schon für den „Tatort“, das „Großstadtrevier“ und „Adelheid und ihre Mörder“. Als Sänger produzierte er zwei Alben. Für den HSV arbeitete er lange Jahre als Stadionsprecher.

„Große Freiheit“ heißt die Sendung, die er zurzeit für den Radiosender NDR 90,3 moderiert. Schon in den 1970er Jahren stand er für die „Aktuelle Schaubude“ vor der Kamera. „Originell und durch und durch norddeutsch“, nennt NDR-Intendant Lutz Marmor den Moderator. „Für unser Publikum gibt er immer alles, er ist ein Moderator mit Herzblut und Mutterwitz.“

Und der NDR lässt seine Kultfigur noch lange nicht gehen: „Ich wünsche mir, dass er noch lange vor NDR-Mikro und Kamera steht“, sagt Marmor. Eigentlich wollte Tiedemann nicht mehr regelmäßig vor die Kamera, das hat er mal gesagt. Anfang des Jahres gab er die „NDR Quizshow“ ab. Doch der NDR ließ nicht locker, erst kürzlich wurde Tiedemanns Vertrag bis Oktober 2016 verlängert. Und dann ist er auch wieder im Fernsehen zu sehen. Regelmäßig. Details verrät er nicht, aber er lässt es gern mit sich machen.

„Gehen lassen geht nicht“, hält Tiedemann fest. „Papa war preußischer General, das habe ich geerbt.“ Der Vater wurde 101. Worüber wird man wohl zu Tiedemanns 101. Geburtstag sprechen? „Dann sollte ich wieder anfangen zu trinken“, sagt er.

 

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