zur Navigation springen

Nest unterm Dach : Bönningstedter Bienen – gekommen, um zu bleiben

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ein riesiger Schwarm hat in Bönningstedt Panik ausgelöst. Samt Königin hat er sich unter einem Hausdach eingenistet. Doch er muss wieder ausziehen.

shz.de von
erstellt am 25.04.2014 | 11:30 Uhr

Bönningstedt | Auf dem Bönningstedter Marktplatz steht am heutigen Freitag ein Hubsteiger. In dessen Korb: Zwei Männer in weißer Schutzkleidung und ein spezieller Sauger. Damit sollen die Bienen samt Königin sanft eingefangen werden, die sich das Dach über der Bäckereifiliale am Mittwoch als neues Domizil ausgesucht haben. An einem bienengerechteren Ort sollen sie wieder ausgesetzt werden.

Mittwoch, 14.25 Uhr: Bei der Bönningstedter Polizei geht ein Anruf ein mit der Mitteilung, dass ein riesiger Bienenschwarm über dem Bönningstedter Marktplatz fliege und Passanten in panischer Angst seien. „Das war wirklich beeindruckend“, bestätigt Polizist Thomas Köllmann, der wenige Minuten später vor Ort war.

Zwischenzeitlich hatte sich der Schwarm an eine Hausecke verzogen und hing in etwa acht Metern Höhe zwischen Dach und Regenrinne. „Wir haben den Marktplatz dann abgesperrt, damit die Tiere zur Ruhe kommen können und einen Imker zur Hilfe gerufen“, so Köllmann weiter. Außerdem forderte der Beamte die Feuerwehr an, die kurz darauf mit neun Kameraden und einer Schiebeleiter eintraf.

„Eigentlich habe ich schon vor Jahren mit der Imkerei aufgehört“, erzählt Imker Peter Schneider aus Bilsen im Gespräch mit dieser Zeitung. Da jedoch seine Telefonnummer noch in der Kartei der Polizei als „Notfall-Nummer“ aufgelistet ist, holte der 81-Jährige ohne lang nachzudenken die „alten Plünnen“ aus dem Schrank und machte sich auf den Weg nach Bönningstedt.

Seine Versuche, in acht Metern Höhe die Königin des Schwarms einzufangen, scheiterten jedoch: „Sie hatte sich hinter die Dachpfannen verkrochen, dort ist sie auch jetzt noch“, berichtet Schneider. Genau das sei aber das Problem: So lange die Königin dort sei, flögen auch die Arbeiterbienen immer zu ihr zurück. „Der Schwarm wird dort bleiben, wo die Königin ist – die machen sich jetzt unter dem Dach ein neues Zuhause“, sagt der Fachmann.

Die alte Bleibe sei dem Bienenvolk offenbar zu klein geworden. „Durch das warme Wetter hat die Königin offenbar mehr Arbeiterbienen als gewöhnlich produziert“, vermutet Schneider. Mit denen, die bereits flugfähig waren, habe sich die Königin dann auf den Weg gemacht, um eine neue Unterkunft zu suchen. So landete der Schwarm unter dem Dach oberhalb einer Bäckerei, wo es ihm offenbar gut gefällt. Die Mitarbeiterin der Bäckerei indes findet so gar keinen Gefallen an dem Gedanken, ein Bienenvolk als Obermieter zu haben. „Die Kollegin, die gestern hier war, erzählte mir, dass die Fensterscheiben komplett schwarz waren, so viele Bienen waren das“, berichtet sie und schüttelt sich.

Verletzt wurde keiner der Passanten – nur der Imker bekam einige Stiche ab. „Der Imker-Anzug ist uralt, so manche Gummidichtung porös – da sind einige druntergekrabbelt und haben zugestochen“, erklärt Schneider.

Die Frage, wie der Eigentümer mit der Situation weiter verfährt, wollte die Hamburger Hausverwaltung „Völkel Company“ nicht beantworten: „Wir geben grundsätzlich keine Statemants an die Presse“, so eine Mitarbeiterin.

Als Schwarm verlassen urplötzlich Tausende von Bienen (10.000 und mehr) mit ihrer Königin in einer riesigen Wolke den Bienenstock. Sie sammeln sich nahe dem Muttervolk an einer Stelle als Schwarmtraube, beispielsweise in Baumzweigen. Dort legen sie eine Ruhepause ein, um sich weiter zu orientieren. Als Nächstes werden einige hundert Kundschafter, auch Spurbienen genannt, losgeschickt. Diese suchen in der weiteren Umgebung nach einer geeigneten neuen Nistgelegenheit, möglichst eine Baumhöhle. Sollte die Suche nicht erfolgreich sein, kann sich auch der ganze Schwarm geschlossen erheben und weiterfliegen.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen