Diebstahl : Bienenvölker in Quickborn gestohlen

„Wo sind meine Bienen?“, fragt sich Andreas Thanhäuser. Zwei Völker wurden dem Quickborner Imker offenbar gestohlen.
„Wo sind meine Bienen?“, fragt sich Andreas Thanhäuser. Zwei Völker wurden dem Quickborner Imker offenbar gestohlen.

Imker Andreas Thanhäuser zeigt Diebstahl zweier Jungvölker an.

shz.de von
22. Juli 2015, 10:00 Uhr

Quickborn | Der Zugang zum Grundstück um das Regenrückhaltebecken an der Quickborner Elisenhofstraße ist verschlossen, ein Zaun samt Stacheldraht schützt das Areal zudem vor dem Zutritt Unbefugter. Dennoch traute Andreas Thanhäuser seinen Augen nicht, als er am vergangenen Sonnabend seine tägliche Routine-Kontrolle unternahm: Dort, wo seine Bienenvölker stehen, klafften zwei große Lücken. „Jemand muss sie über den Zaun getragen haben“, denkt der Hobby-Imker und Biologe.

Kein Spaziergang bei zwei Kästen – ein blauer, ein gelber – mit einer Grundfläche von 50 mal 50 Zentimetern und einer Höhe von 70 Zentimetern. „Ich vermute, sie sind mit einem Lieferwagen abtransportiert worden“, sagt Thanhäuser. Den vermeintlichen Diebstahl hat er sowohl bei der Polizei als auch bei der Stadt, Eigentümerin des Grundstücks, angezeigt. Thanhäuser, der gemeinsam mit dem Quickborner Andrej Sonnenfeld eine Imkerei betreibt, berichtet, bereits vor fünf Jahren habe es einen derartigen Diebstahl gegeben. „Das ist leider nicht aufgeklärt worden.“ Am vergangenen Wochenende müssen es in seinen Augen Profis gewesen sein. „In ein Volk ist offensichtlich reingeguckt worden, das machen keine Laien“, sagt er. Der oder die Täter wussten laut Thanhäuser offenbar genau, was sie taten. Denn gestohlen wurden keine schweren Kisten mit Bienen, die derzeit Honig produzieren, sondern leichtere mit Nachwuchstieren, die erst 2016 so weit sind.

Der finanzielle Schaden, den Thanhäuser auf 500 Euro beziffert, ist für den Imker zwar kein Pappenstiel, aber auch kein großes Problem. Viel gravierender ist die emotionale Komponente. „Ich fühle mich beschissen dabei. Es sind meine Tiere. Man päppelt sie auf, bringt sie über den Winter und jemand anders trägt sie dann einfach weg“, hadert Thanhäuser, auch wenn er weiß: „Es werden immer mal wieder Imker bestohlen.“

Bienendiebstahl passiert  „höchst selten“

Laut Polizei-Pressesprecherin Sandra Mohr, die die Anzeige auf Anfrage bestätigte, passiere das jedoch „höchst selten“. Auch wenn es nichts gebe, „was nicht geklaut wird“, so Mohr, gebe es im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Bad Segeberg „keine Häufung von Bienendiebstählen“. Margit Meinke, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Landesverbands Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker mit Sitz in Bad Segeberg, sagte: „Das passiert immer wieder, Bienenvölker werden jedes Jahr gestohlen. Imker klauen Völker, weil sie Bienen brauchen.“ Das sei bedauerlich, aber „gang und gäbe“. In diesem Jahr seien bisher zehn Fälle aus Schleswig-Holstein gemeldet worden, 2015 seien es insgesamt neun gewesen, erklärte Meinke.

Seit dem Vorfall vor fünf Jahren erfreute sich Thanhäuser ohne Sorgen an seinem Hobby, das der 51-Jährige vor fast vier Jahrzehnten von seinem Großvater übernahm. Bis jetzt. Nun aber fahre er nachts wieder kontrollieren, berichtet er. Noch 28 weitere Bienenvölker stehen auf dem Grundstück – und das soll auch so bleiben.

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