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Marktplatz Bönningstedt : Bienen-Umzug mit dem Staubsauger

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Der Bönningstedter Bienenschwarm wurde „zwangsgeräumt“. Nach vier Stunden waren alle „im Kasten“.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Bönningstedt | Für Imker Rolf Schreur war dies ein ungewöhnlicher Einsatz: Stundenlang saugte er mit einem speziellen Staubsauger den Bönningstedter Bienenschwarm ein, der sich seit Mittwochnachmittag in einem Mehrfamilienhaus am Bönningstedter Markt eingenistet hatte. „Die Leistung des Geräts ist so gedrosselt, dass die Tiere keinen Schaden nehmen“, erklärte der Imker.

Gemeinsam mit Dachdecker Jürgen Luber stand er, umschwärmt von Bienen, im Korb eines Steigers in acht Metern Höhe. „Das Volk hatte sich über vier Dachpfannen verteilt, einige waren allerdings auch im Fallrohr der Dachrinne“, berichtete Schreur. Also saugte er auch dort. „Ob wir alle erwischt haben, weiß ich nicht – es kann sein, dass sich dort ein neues Volk bildet“, sagt der Imker. Zahlreiche Passanten blieben stehen und beobachteten das Geschehen. Unter ihnen auch Hausmeister Rinhard Hastingsputh von der Völkel Company. „Gestern Morgen bekam ich den Anruf von einer Mitarbeiterin der Bäckerei“, erzählt er.

Daraufhin habe er als erstes bei einer Schädlingsbekämpfungsfirma angerufen, die sofort abgewunken habe. „Die dürfen das nicht, weil Bienen unter Naturschutz stehen“, sagt Hastingsputh. Um nach dem Rechten zu sehen, sei er am frühen Nachmittag nach Bönningstedt gefahren. „Als Erstes sprach ich mit der Verkäuferin in der Bäckerei“, so Hastingsputh weiter. Der Zufall wollte es, dass just zu diesem Zeitpunkt ein Paar im Café saß, das nicht umhin kam, das Gespräch über den Bienenschwarm zu hören. Und aufhorchte. „Ich bin beim Naturschutzbund und Landschaftswächter in Niedersachsen“, stellte sich Reimer Mertens vor. Mit seiner Frau Anke, die aus Ellerbek stammt, sei er derzeit zu Besuch im Norden.

Mertens schaltete sofort, bot seine Hilfe an und zückte sein Handy. „Wir brauchen einen Imker“, erklärte er Hastingsputh und googelte nach dem nächstgelegenen Imkerverein. Sofort fand er den „Imkerverein Pinneberg und Umgebung“ und damit Ralf Schreur. Der war sofort zum Einsatz bereit. Im folgenden organisierte Hastingsputh einen Steiger und eine Dachdeckerfirma, als Termin wurde Freitagmorgen 10 Uhr vereinbart.

Gespannt beobachteten Mertens und Hastingsputh die Vorbereitungen auf den Einsatz. „Es kann sein, dass gleich der ganze Schwarm aufsteigt“, warnte Schreur. Er vermutete zudem, dass die Tiere agrressiv seien, da sie schon längere Zeit keine Nahrung mehr zu sich genommen hätten. „Sie haben auch noch keine Gelegenheit gehabt, Nahrung in Waben einzuspeichern“, erläuterte der Fachmann weiter. Deshalb sei es sinnlos, mit Qualm zu arbeiten. „Bei Rauch reagieren Bienen wie bei einem Waldbrand: Sie schlagen sich den Bauch voll, um im Fall einer Flucht ausreichend gestärkt zu sein“, so Schreurs Erklärung.

Der volle Bauch bewirke jedoch auch, dass die Bienen ruhiger würden. In diesem Fall war das nicht nötig. „Ich habe selten so ein friedliches, fast handzahmes Volk erlebt“, staunte der Imker. Weder er noch der Dachdecker seien gestochen worden.

Nach vier Stunden waren die Bienen „im Kasten“. Schreur brachte sie an einen Platz im Grünen und stellte ihnen dort ein neues Zuhause, die so genannte Bienenbeute, zur Verfügung. „Ich hoffe, dass Sie dort jetzt ein neues Volk bilden“, so Schreur nach dem Umzug.

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