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Quickborner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 06:51 Uhr

Bei den Kinderärzten staut es sich

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Vater erhält keinen Termin für Vorsorgeuntersuchung / Stadtentwicklungsausschuss berät über Parkplatznot an den Praxen

von
erstellt am 02.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Gibt es genügend Mediziner für Kinderheilkunde in Quickborn? Wo sollen die Patienten und Angestellten des Ärztezentrums am Ziegenweg parken?

Über die erste Frage diskutieren zurzeit viele Eltern in sozialen Netzwerken des Internets. Das zweite Thema wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 14. April, aufgreifen.

In Quickborn praktizieren zwei Kinderärzte in einer Gemeinschaftspraxis am Ziegenweg. Vielen Eltern reicht das nicht aus. Ein Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte, sprach gegenüber dieser Zeitung von „desaströsen Zuständen im Ziegenweg“. Er sehe keine Chance, sein Kind fristgemäß zur U  7-Vorsorge-Untersuchung zu schicken, weil er keinen Termin erhalte. „Wir für unseren Teil werden beim nächsten Krankheitsfall unserer Tochter unser Glück bei einer Quickborner Hausärztin versuchen, die früher einmal als Kinderärztin praktiziert hat“, kündigte er an. Seinen Namen möchte er nicht nennen, „da einem daraus eher Nachteile entstehen – und man dann vom Kinderarzt eventuell zusätzlich gegängelt wird, was Termine angeht“, wie er ausführte.

Dagegen bemerkte eine Mutter in einem sozialen Netzwerk, dass der nächste Kinderarzt in Barmstedt nicht weit entfernt sei. Eine Autofahrt ab Quickborn dauere nur etwa 15 Minuten.

Statistisch gesehen herrscht im Kreis Pinneberg eine Überversorgung. Niedergelassene und in Praxen angestellte Kinderärzte decken mit 20,5 Stellen den Bedarf zu 174,5 Prozent ab, teilte Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, mit. Neue Mediziner für Pädiatrie dürfen sich daher nicht ansiedeln, denn ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent herrscht ein Zulassungsstopp.

Nach Ansicht von Annabell Krämer, FDP-Bürgermeisterkandidatin und Vorsitzende des Sozialausschusses, sollte sich Quickborn trotzdem um einen weiteren Kinderarzt bemühen. „Wir als Stadt haben die Möglichkeit, bei den Ärzten zu werben“, sagt sie. Die Kommune könne ihre neuen Baugebieten und den zu erwartenden Zuzug von Familien anführen. Krämer regte an, eine werbende Anzeige im Ärzteblatt zu schalten.

Sollte ein Kinderarzt Interesse an der Eröffnung einer Praxis in Quickborn zeigen, könnte er Dethlefsen zufolge beim Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen eine Sonderbedarfszulassung beantragen. „Hierfür sind allerdings in der Bedarfsplanungsrichtlinie enge Kriterien definiert. Eine Sonderbedarfszulassung ist zum Beispiel möglich, wenn der Arzt sich auf bestimmte Leistungen spezialisiert hat, die andere niedergelassene Kollegen nicht in zumutbarer Entfernung erbringen können“, erläuterte Dethlefsen.

Möglich sei zudem, dass ein Arzt innerhalb des Kreises seine Praxis verlegt. Das kann aber nur er selbst, nicht die Kommune beim Zulassungsausschuss beantragen.

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) teilt die Sicht vieler Eltern. „Das Thema Kinderärzte ist wirklich eine Engstelle“, sagte er gestern gegenüber dieser Zeitung. Als ersten Schritt will er das Gespräch mit den Quickborner Medizinern für Pädiatrie suchen.

Konkrete Pläne gibt es zu der Parkplatznot am Ärztezentrum am Ziegenweg. Köppl (CDU) betonte gestern: „Die Parkplatzsituation ist superblöde.“ Nach Informationen dieser Zeitung sind die Angestellten angehalten, ihre Fahrzeuge nicht am Ärztezentrum, sondern aus Rücksicht auf die Patienten auf dem Parkplatz des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums abzustellen. Dort müssen sie aber seit Kurzem eine Parkscheibe verwenden und alle zwei Stunden den Wagen auf einen anderen Platz bewegen.

Köppl stellte nun in einer Beschlussvorlage für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag, 14. April, einen erheblichen Parkdruck und akuten Handlungsbedarf fest. „Die bestehende Stellplatzanlage ist nicht ausreichend dimensioniert“, schreibt er.

Theoretisch gäbe es Flächen für einen weiteren Parkplatz südlich des Ärztezentrums Richtung Ellerauer Straße. Das Grundstück gehört allerdings Privateigentümern. Nördlich dagegen besitzt die Stadt ein Areal, das 2010 für den Bau eines Leichtathletik-Sportplatzes vorgesehen war. Nun soll der Ausschuss es überplanen.

Das Ärztezentrum liegt im Außenbereich in einer gemischten Baufläche. Sie müsste Richtung Norden erweitert werden, um einen neuen Parkplatz anlegen zu können. Das Gremium tagt am Donnerstag, 14. April. Beginn in der Mensa der Comenius-Schule, Am Freibad 3-11, ist um 18.30 Uhr.

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