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Quickborner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 08:48 Uhr

Elmshorn : Bei Behinderung nicht verzweifeln

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Am 13. Februar wird Lutz Philippeit, langjähriger Schulleiter der Raboisenschule, in den Vorruhestand entlassen.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Er ist Elmshorner nicht nur von Geburt, sondern auch „durch und durch“. Nur hier möchte er leben, hier hat er Freunde und alles um sich herum, was nötig ist, um zufrieden zu sein. Lutz Philippeit sieht sich als „engagierten, positiv denkenden, aber auch beharrlich dranbleibenden“ Menschen – was perfekt zu dem Lehrerberuf passt, den er sich von Kindheit an erwünscht und 35 Jahre lang ausgeübt hat – 26 davon als Schulleiter. Am 13. Februar wird er in den Vorruhestand entlassen.

Am 25. Februar 1956 wird Lutz Philippeit als einziges Kind seiner Eltern – der Vater Konrektor der Paul-Dohrmann-Schule – im Alten Krankenhaus in Elmshorn geboren. Er besucht die Grundschule Koppeldamm und danach die Bismarckschule bis 1975. „Ich hatte vor allem bei Mathe und Physik ernsthafte Probleme, die Peilung zu behalten“, erinnert er sich und schmunzelt. Doch in anderen Fächern ist er gut, und so schafft er das Abitur mit einigem Schieben und gutem Zureden. „Schließlich wollte ich ja Lehrer werden“, meint er. Er studiert Lernbehinderten- und Sprachheilpädagogik und pendelt täglich mit dem Auto zur Uni nach Kiel. „Ich wollte lieber in Elmshorn wohnen, wo ich mich viele Jahre beim THW im Katastrophenschutz engagierte.“

Sein erstes Staatsexamen als Sonderschullehrer legt Lutz Philippeit 1979 ab. Er arbeitet ein Jahr mit Angestellten-Vertrag in Itzehoe, absolviert sein Referendariat und die ersten fünf Berufsjahre in Itzehoe und Glückstadt.

Mit nur 31 Jahren wird er Schulleiter an der kleinen Wilhelm-Busch-Förderschule in Tornesch. „Leider gibt es sie nicht mehr, denn es war meine ‚Jugendliebe‘, in der ich viele meiner Studienfreunde als Kollegen wiedertraf.“ Es seien zwölf wunderbare Jahre gewesen, in der er mit viel Herzblut seine Arbeit zu einer Hälfte mit Unterricht und zur anderen Hälfte mit administrativen Aufgaben verbringt. Meist ist Philippeit morgens als Erster da. „Ich musste mir Überblick verschaffen über Krankmeldungen, Vertretungsunterricht organisieren, dann mit Eltern sprechen oder Kollegen unterstützen. Abends fordern Sitzungen, Schulkonferenzen oder politische Gremien seine Gegenwart – und außerdem war der Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten.

2001 wird in Elmshorn die Schulleiterstelle an der Raboisenschule vakant. „In Elmshorn! Zuhause! Diese Chance musste ich nutzen.“ Philippeit bekommt die Stelle, wird Vorgesetzter von 25 Lehrern, Sozialpädagogen, Schulbusfahrern, Bufti und Sekretärin. Rund 60 Mitarbeiter sowie 136 Kinder, die in 15 Klassen unterrichtet werden, dazu die Herausforderung sich in einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung einzuarbeiten – ein schwerer Job, den man nur mit viel Liebe zum Beruf und zu Menschen ausüben kann. „Das darf kein Kreuz für einen sein, wenn man täglich viele Stunden mit Konferenzen und am Schreibtisch verbringt. Es ist aber ein klasse Beruf. Zu sehen, wie die Kinder sich entwickeln, wie aus kleinen unsicheren Erstklässlern gestandene junge Leute werden, die wir mit allem ausgestattet haben, was sie fürs Leben brauchen – das ist einfach toll. “

2003 erkrankt Lutz Philippeit an Multipler Sklerose (MS). Langsam und beständig verschlechtert sich seine Motorik. Zuerst bei Bewegungen mit linkem Arm und Bein beeinträchtigt, kann er sich noch auf Krücken fortbewegen. Seit einiger Zeit ist er auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen. Doch Lutz Philippeit wäre nicht Lutz Philippeit, wenn er nicht versuchen würde, aus dieser nicht beneidenswerten Position heraus, noch Gutes abzuleiten: „Der Himmel bleibt trotz Erkrankung blau, das Meer rauscht weiter“ – doch er baut keine Luftschlösser mehr für die Zukunft. Als man ihm anbietet, die Stundenzahl an der Schule zu reduzieren, entscheidet er sich lieber ganz aufzuhören. Seine Wohnung hat er sich „vorplanerisch behindertengerecht“ mit Handläufen, Griffen zum Hochziehen und Hilfsmitteln ausgestattet. Morgens versorgt ihn ein Pflegedienst, die 84-jährige Mutter kocht und bringt warmes Essen und Lebensgefährtin Kirstin Petersen steht ihm liebevoll und aufmerksam unterstützend zur Seite. Sein VW-Bus ist mit Hebebühne für den Rollstuhl und behindertengerecht ausgestattet. Damit reist er gern durch die Gegend; oft begleitet von Freunden, die seine körperlichen Defizite ausgleichen. „Ich komme an keinem Museum vorbei, finde Kunst schön und bin historisch interessiert“, erklärt er. „Aber ich mag nicht weit weg – ich kann nicht lange ohne Elmshorn sein.“

Spielte er früher in Bands Gitarre und viele Tasteninstrumente, ist er jetzt auf das Musik hören angewiesen. „Ich mag alles – bis auf Zillertaler Marschmusik“, grinst er. Außerdem liebt Lutz Philippeit die Vogelwelt auf der Terrasse, seine Blumen und Pflanzen im kleinen Gärtchen. Für ihn hat jeder Tag Highlights. „Ich bin kontaktfreudig, mag gern Spaß machen, liebe es bunt und fröhlich und mag Menschen gerne – egal wie sie sind“, beschreibt er sich selbst. „Von Behinderung nicht verzweifeln lassen“ ist sein Lebensmotto. Die Welt von Lutz Philippeit bleibt trotzdem bunt und schön.

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