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Quickborn : Ausstellung im Dana-Pflegeheim Buchenhof

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

„Das müssen wir einfach erhalten“ - Einträge aus alten Poesiealben werden gezeigt. Gedächtnistraining und Stärkung des Selbstwertgefühls.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Quickborn | Sie sind mehr als 100 Jahre alt: An einer der Wände des Dana-Pflegeheims Buchenhof in Quickborn hängen Lebensweisheiten, Wünsche und Gedichte aus Poesiealben. Sie wurden zwischen Ende des 19. und den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für Freunde, Bekannte und Verwandte hinterlassen. Was heute Facebook ist, war früher das Poesiealbum. Seit Kurzem sind diese besonderen Erinnerungsstücke im Rahmen einer Ausstellung in den Räumen der Einrichtung an der Kieler Straße 111 zu sehen. Die Originale sind in Sütterlinschrift verfasst, daneben hängen Übersetzungen.

Ein Jahr lang haben Diplom-Heilpädagogin Stefanie Lauermann und Bewohner des Pflegeheims an diesem Projekt gearbeitet. „Uns kam die Idee, weil viele Menschen damals Poesiealben besaßen und diese auch pflegten“, sagt die 32-Jährige, die einmal in der Woche ein Gedächtnistraining für Bewohner mit Demenz leitet. Die persönlichen Stücke wecken Erinnerungen. „Es macht Klick und dann ist Leben in den Augen der Bewohner.“ Menschen mit Demenz vergessen laut Lauermann von vorne nach hinten. Das heißt: Alte Erinnerungen sind präsenter. „Gerade bei Demenz ist es wichtig, an das anzusetzen, was früher war“, sagt Lauermann.

Aber die Poesiealben dienen nicht nur dem Gedächtnistraining. Gleichzeitig stärkt der spezielle Blick in die Vergangenheit auch das Selbstwertgefühl der Bewohner. „Gerade demenziell Veränderte sind ständig mit ihren Defiziten konfrontiert“, sagt Lauermann. Aber die Fähigkeit, die alte deutsche Schrift zu lesen und das Wiedererkennen früherer Sprüche sind Erfolgsmomente. Lauermann und Einrichtungsleiterin Andrea Heumann fragten bei Angehörigen und Ehrenamtlichen, etwa bei der Geschichtswerkstatt oder bei den Quickborner Zeitzeugen, nach alten Poesiealben. Lauermann nahm die Erinnerungsstücke anschließend mit in ihre Gruppe. „Wir haben die Einträge gemeinsam übersetzt, dabei wurde viel diskutiert“, sagt sie. Über Sprüche, Wünsche, Zitate, Reime und Fotos wurden Inhalte aus dem Langzeitgedächtnis aktiviert. „Bei der stationären Altenpflege ist die Biografiearbeit ebenso wie die Erinnerungspflege fester Bestandteil des täglichen Alltags“, sagt Heumann. Seit Kurzem ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit nun für alle sichtbar – Bewohner und Gäste. Gezeigt werden Kopien aus Poesiealben, darunter Datum und Unterschriften. Für Leiterin Heumann nicht nur Therapiearbeit, sondern auch Zeitdokumentation. „Diese Stücke müssen wir einfach erhalten“, sagt sie.

Die Ausstellung „Poesiealbum – Kreis Quickborn und Umgebung“ im Dana Pflegeheim Buchenhof, Kieler Straße 111, ist für alle Interessierten offen. Gezeigt wird ein Potpourri an unterschiedlichen Texten und Sprüchen, die bis auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen sind und von Menschen aus der Region stammen. Außer den Originalen, die alle in Sütterlinschrift verfasst sind, werden auch die Übersetzungen präsentiert.
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