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Quickborner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 15:46 Uhr

Quickborn : Aus 1000 Bewerbern ausgewählt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Timo Brandt (21) aus Quickborn geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er schreibt Gedichte – ziemlich gute. Deswegen hat er auch beim bundesweiten Treffen junger Autoren in Berlin teilgenommen...

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erstellt am 01.Jan.2014 | 12:00 Uhr

„Gedichte schreiben ist eine brotlose Kunst in Deutschland“, sagt Timo Brandt (21). Da macht er sich keine Illusionen. Es hält den Quickborner aber auch nicht davon ab. „Ich schreibe jeden Tag mehr als eine Seite“, sagt er. Lyrik – das ist seine Passion. Auch wenn sich in den Programmen der großen Verlage derzeit kaum junge Lyriker finden, so sorgen doch einige wenige dafür, dass jungen Autoren eine Plattform geboten wird, ihre Werke einem Publikum vorzustellen.

Wie beim Treffen junger Autoren im Haus der Berliner Festspiele. Aus 1000 Bewerbern wurde Brandt ausgewählt. Die Wettbewerbsjury – darunter die Schriftstellerinnen Rabea Edel und Kirsten Fuchs sowie die Verlegerin Daniela Seel und der Dramatiker Thomas Freyer – hatte getagt und 20 Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt. Ein Ritterschlag für einen jungen Poeten. Im Rahmen dieses Wettbewerbs betraten Autoren wie Finn-Ole Heinrich („Räuberhände“) und Tamara Bach („Was vom Sommer übrig ist“) zum ersten Mal die literarische Bühne.

„Es war meine erste Lesung überhaupt“, sagt Brandt. Mit mehreren Gedichten zog er das Publikum in seinen Bann. Darunter auch „Knirschen“ – ein Naturgedicht, an dem auch Freunde der Verse von Sarah Kirsch ihre Freude haben. Im Lauf der Woche nahm Brandt an einem Campus-Programm teil: Mit den Autorinnen und Autoren wurde in Workshops über die Texte gesprochen. „Wir haben uns ausgetauscht. Es wurde aber keines meiner Gedichte verrissen. Man muss es sich wie einen Dialog über die Texte vorstellen. Ich habe es als sehr angenehm empfunden. “

Dass die Verlegerin Daniela Seel dabei gewesen sei, sei gut für Bewerbungen. Sicher ist, dass im Zuge des Treffens der jungen Autoren eine Jahrgangsanthologie im Februar erscheinen soll, in der auch einige Gedichte von Brandt abgedruckt sein werden. Es ist seine erste Veröffentlichung. Doch der junge Poet aus Quickborn mit der hohen Denkerstirn und dem Dreitagebart bleibt bescheiden: „Ich war sehr beeindruckt von den Leuten, die Prosa schreiben.“ Der Lyrik will er jedoch treu bleiben. Er fährt dabei zweigleisig: „Ich lese sehr gern und ebenso gern schreibe ich über Literatur und meine Leseerlebnisse.“ Das schlägt sich auch in Essays und Besprechungen von Lyrik anderer Autoren nieder. „Damit will ich einen Fuß in die Tür bekommen“, sagt Brandt, der kein Abitur hat, weil er wegen einer Erkrankung das Gymnasium verlassen musste.

Mit 12, 13 Jahren habe er angefangen zu schreiben, mit 17 mit Anspruch. Seine Vorbilder sind Ted Hughes, Joseph Brodsky und Anna Achmatova. Über die russische Dichterin hat der Quickborner ein Gedicht geschrieben mit dem Titel „Requiem auf Anna Achmatowa“. Warum schreibt er? „Mich fasziniert die Vielfalt der Ideen und Herangehensweisen, die nicht im Alphabet enthalten sind, aber sich im Schreiben niederschlagen – in dem, was passiert, wenn man die Buchstaben nach gedanklichen und intuitiven Gesichtspunkten als Begriffe kombiniert und diese Begriffe in ihrer Kombination dann wieder über sich hinauswachsen.“ Seiner Lyrik ein Etikett zu geben, findet er schwierig.

Auch wenn es banal klingt: Brandts Gedichte sprechen für sich. Wie das zum Tode von Lou Reed, dessen Musik er liebt. So wie die von Bob Dylan und der legendären englischen Band „The Clash“. Kein Wunder, dass „Für Lou Reed (died 27th October 2013)“ auch wie ein Songtext gelesen werden kann („The SoundHound bites/ and hope is bleeding/to death/or to life …The voice of Lou Reed“), obwohl das Poem ironisch endet: „Wer schreibt schon Gedichte/die Welt liebt Musik.“ Mag sein. Wenn aber einer so schreiben kann wie Brandt, hat Lyrik eine Zukunft. Vom Timo Brandt wird man noch viel hören – und lesen.

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