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Nach Sturz über Gehwegplatte : Anwohner oder Stadt: Streit um die Schuldfrage endbrannt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Bürger aus Quickborn setzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den zuständigen Wegewart auf und schickte sie ins Rathaus.

von
erstellt am 08.Jun.2016 | 11:00 Uhr

Quickborn | Peter Jacob hat nachgemessen. Um 32 Millimeter ragte eine Gehwegplatte vor seinem Haus in Quickborn an der Lindenstraße bis vor Kurzem nach oben – eine Stolperfalle. Etwa drei Jahre lang ging es gut. Damals habe ein Nachbar das Problem der Stadt erstmals gemeldet. „Die haben gesagt: ‚Es ist alles im Griff.‘ Passiert ist aber nichts“, klagt der 64-Jährige.

Am Donnerstag, 26. Mai, gegen 16.45 Uhr war es soweit: Ein Nachbar, der drei Häuser weiter wohnt, stolperte über den Absatz, stürzte zu Boden und verletzte sich. „Er klingelte bei mir an der Tür, hielt sich die linke Hand. Sie blutete stark“, erinnerte sich Jacob. Der Mann habe sich eine etwa fünf bis sechs Zentimeter lange Fleischwunde zugezogen. Zudem äußerte der Nachbar die Befürchtung, dass sein künstliches Kniegelenk einen Stoß abbekommen habe. Er forderte Jacob auf, die Gehwegplatte in Ordnung zu bringen.

Der aber sah die Stadt in der Verantwortung. Der Quickborner setzte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den zuständigen Wegewart auf und schickte sie ins Rathaus.

Jacob kennt sich aus. Vor seiner Pensionierung arbeitete er lange bei der Autobahnmeisterei in Quickborn. „Die Grenze sind 20 Millimeter. Aber das waren 32 Millimeter. Ab 20 Millimeter zahlt das die Stadt“, erläuterte er. Der Wegewart habe seine Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt und die Körperverletzung verursacht. „Wenn man uns das gemeldet hätte, wären wir spätestens in 20 Minuten mit Flatterband dagewesen und hätten es abgesperrt“, sagte Jacob im Blick auf seine frühere berufliche Tätigkeit. Er könne nicht verstehen, wie die Verwaltungsmitarbeiter solch einen Schaden übersehen konnten. „Das scheint hier so üblich zu sein. Aber sie laufen längs, wenn die Äste zu lang sind“, sagte er. Jacob ist sich sicher: „Die Stadt ist in der Pflicht.“

Eine Baumwurzel hat gedrückt

Als seine Beschwerde bei Uwe Scharpenberg, dem Leiter des Rathausfachbereichs Tiefbauten und Kommunalbetriebe, auf dem Schreibtisch landete, reagierte der umgehend. „Wir haben das sofort ausgeführt“, berichtete er im Gespräch mit dem Quickborner Tageblatt. Scharpenberg schickte einen Bauhoftrupp an die Schadensstelle. Die Mitarbeiter sollten die Gehwegplatte wieder richten. Doch als sie sie hochnahmen, stellten sie fest: „Die Platte wurde hochgedrückt von einer Baumwurzel.“ Der Gehweg ließ sich daher nicht ohne Weiteres wiederherstellen. „Runterdrücken ging nicht. Sie wollten auch nicht die Wurzeln abhacken“, berichtete Scharpenberg. Die Mitarbeiter hätten nicht risikieren wollen, dass der Baum dadurch eingeht oder umkippt. Um weitere Unfälle zu verhindern, verfüllten sie daher das Loch zunächst mit Schotter. Die problematische Kante sei dadurch eingeebnet worden.

Als die Bauhofbediensteten aber den Verlauf der Wurzel nachverfolgten, stellten sie fest, dass der dazugehörige Baum auf Jacobs Grundstück wächst. Für Scharpenberg steht fest: „Ursächlich verantwortlich ist er als Anwohner.“ Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sei zwar die Stadt zuständig, aber der Eigentümer des Baumes habe grundsätzlich dafür zu sorgen, dass von seinem Grundstück keine Beeinträchtigung für andere ausgeht.

Die Beschwerde landete bei Uwe Scharpenberg, dem Leiter des Rathausfachbereichs Tiefbauten und Kommunalbetriebe.

Die Beschwerde landete bei Uwe Scharpenberg, dem Leiter des Rathausfachbereichs Tiefbauten und Kommunalbetriebe.

Foto: QT
 

Zu Jacobs Beschwerden stellte Scharpenberg fest: „Wir haben keinen zuständigen Wegewart.“ Er selbst nahm seinen Dienst bei der Stadt erst im vergangenen Jahr auf. Deshalb habe er seine Mitarbeiter gefragt, ob jemand vor drei oder vier Jahren den Schaden aufgenommen habe – ohne Ergebnis. Es sei niemand angesprochen worden.

Der Geschädigte selbst habe sich weder bei der Stadt beschwert noch Schadensersatz gefordert. Als aber die Mitarbeiter den Weg einebneten, sei er vor die Tür getreten. „Er hat sich bedankt, dass es so schnell ging“, sagte Scharpenberg. Jacob werde eine schriftliche Aufforderung zur Beseitigung der Schadensursache erhalten.

Die Wurzel liege auf städtischem Gelände

„Einen Teufel werde ich tun“, sagte der jetzt. Die Wurzel liege auf städtischem Gelände. „Ich darf da nichts machen“, betonte Jacob. Wenn er auf öffentlichem Grund Arbeiten vornehmen wolle, müsste er sich vorher eine verkehrsrechtliche Anordnung besorgen, die etwa 60 bis 80 Euro koste. „Die hole ich nicht. Da denke ich nicht dran“, sagte Jacob.

Erstens hätte die Stadt ihn schon in der Vergangenheit auffordern müssen, den Schaden zu beseitigen. „Das gehört auch zu deren Verkehrssicherungspflicht“, so Jacob. Zweitens hätte er nichts dagegen, wenn die Verwaltung die Wurzel kappen oder den etwa 30 Jahre alten Baum einfach fällen würde.

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