zur Navigation springen

Missbrauchsprozess gegen Ex-Jugendtrainer : Anklägerin: Trainer soll für drei Jahre hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Prozess gegen einen Ex-Trainer des TuS Holstein Quickborn wurde fortgesetzt. Anwalt will Bewährungsstrafe.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Itzehoe/Quickborn | Im Prozess gegen einen ehemaligen Trainer des TuS Holstein Quickborn vor dem Landgericht Itzehoe haben Staatsanwaltschaft und Verteidiger gestern ihre Plädoyers gehalten. Für Staatsanwältin Dagmar Staack ist erwiesen, dass der 42-Jährige drei Jungen aus seiner Jugendfußballmannschaft in zusammen 16 Fällen missbraucht hat. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Rechtsanwalt Henry Brendel trug vor, das umfangreiche und frühe Geständnis seines Mandanten müsse strafmildernd berücksichtigt werden. Außerdem sei der Angeklagte bisher nicht vorbestraft und zu einer Therapie bereit. Der Angeklagte habe sich zudem mit zwei Familien der Missbrauchsopfer auf Schadenersatz in Höhe von insgesamt 8000 Euro geeinigt. Brendel beantragte eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Das Urteil will Richterin Isabel Hildebrand am kommenden Montag sprechen.

Während der Hauptverhandlung sagte auch einer der betroffenen Jungen aus. Die Öffentlichkeit war während der etwa einstündigen Vernehmung ausgeschlossen. „Die Ausführungen des Jungen sind glaubhaft. Sie decken sich mit den Angaben, die er bei der Polizei gemacht hat und bestätigen die Tatvorwürfe aus der Anklage“, fasste Staack in ihrem Plädoyer zusammen.

Als Zeugen waren auch die Eltern des Jungen geladen. Die Mutter sagte unter Tränen über den Ex-Trainer: „Er hat sich in unsere Familie eingeschlichen. Ich habe ihm blind vertraut.“ Ihr Sohn werde von Albträumen und Angstzuständen geplagt. Er habe die Schule wechseln müssen.

„Er hat sich als väterlicher Freund angeboten“

Immer wieder stockt ihre Stimme. Unter Tränen berichtet die Mutter eines heute Zehnjährigen vor dem Landgericht Itzehoe, wie der Junge ihr im vergangenen Sommer von Übergriffen seines Fußballtrainers erzählte. Der ehemalige Übungsleiter des TuS Holstein Quickborn hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zwischen Sommer 2013 und Sommer 2015 drei Kinder aus seiner damaligen Mannschaft sexuell missbraucht.

„Ich bin alleinerziehende Mutter und er hat ausgenutzt, dass ich Hilfe brauche. Ich habe ihm blind vertraut“, sagte die 32-Jährige. Der damalige Trainer habe angeboten, ihren Sohn zum Sportplatz zu fahren. Er habe sich um den Jungen gekümmert, ihn zu Ausflügen eingeladen. „Er wollte ihn sogar zu einem Bundesligaspiel nach München mitnehmen. Karten und Reisekosten hätte angeblich der Sportverband übernommen“, sagte die Mutter. „Er war auch zum Grillen da. Er hat sich in unsere Familie eingeschlichen.“

Dann habe ihr Sohn plötzlich Albträume bekommen und nicht mehr zum Training gehen wollen. Seine Leistungen in der Schule seien extrem schlecht geworden. „Er war in vielen Fächern ein Zweierkandidat. Plötzlich brachte er Fünfen und Sechsen mit nach Hause.“ Auf der Fahrt zu einem Turnier im Juli 2015 habe er dann von den sexuellen Übergriffen berichtet. Gemeinsam mit dem Vater ihres Sohnes sei sie sofort zur Polizei gefahren und habe Anzeige erstattet. Nach Angaben der Mutter fing ein Spießrutenlauf für den Jungen an. „Er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der beliebte Trainer weg war. Ihm wurde unterstellt, die Unwahrheit zu sagen.“ Inzwischen hat er Therapiestunden bekommen und die Schule gewechselt. „Es wird etwas besser“, sagte die Mutter.

Drohungen an die Kinder

Für Staatsanwältin Dagmar Staack ist die Sache klar. „Der Angeklagte hat sich des Kindesmissbrauchs in 16 Fällen schuldig gemacht. Es ist erschütternd, dass er die Jungen für seine sexuelle Befriedigung benutzt hat“, sagte sie. „Er hat seine Position als Trainer ausgenutzt.“ Obwohl er unter Beobachtung gestanden und es Gespräche gegeben habe, habe er zwei Jahre lang weitergemacht. Auch wenn die Kinder „Stopp“ sagten, ließ er demnach nicht von ihnen ab. Und er habe sie mit Drohungen gefügig gemacht. „Außerdem verdrängt er die sexuelle Komponente. Solange er das verleugnet, hat eine Therapie keine Aussicht auf Erfolg“, sagte die Anklägerin. Sie forderte drei Jahre Gefängnis.

Rechtsanwältin Claudia Hauck-Delhey, die als Nebenklagevertreterin die Interessen der betroffenen Jungen wahrnahm, schloss sich der Staatsanwältin an. „Er hat sich als väterlicher Freund angeboten. Und er hat das Vertrauen der Jungen und ihrer Familien auf perfide Art ausgenutzt“, sagte Hauck-Delhey. Der Angeklagte habe Drohungen und die eigene sexuelle Erregung abgestritten. Sein Geständnis sei nur ein Teilgeständnis. „Es fehlt an der nötigen Einsicht und Reue.“

Rechtsanwalt Henry Brendel sieht das anders: „Mein Mandant hat viel Schuld auf sich geladen. Aber ohne das frühe und umfangreiche Geständnis wäre es schwer geworden, den Beweis für etliche Anklagepunkte zu führen.“ Es sei Ziel gewesen, dem Jungen eine Aussage vor Gericht zu ersparen. „Seine Befragung war unnötig und das Geständnis muss beim Strafmaß deutlich berücksichtigt werden.“ Zudem sei der Angeklagte nicht vorbestraft. Auch habe er eine Entschädigung angeboten. Er lebe in stabilen Verhältnissen, sei zu einer Therapie bereit. Brendel beantragte eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

Das Urteil hätte bereits gestern fallen sollen. Doch eine Polizistin, die als Zeugin geladen war, fand das Gerichtsgebäude nicht, verspätete sich und sprengte so den Terminplan. Richterin Isabel Hildebrandt will das Urteil am Montag, 15. Februar, ab 11 Uhr verkünden.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert