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Quickborner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 02:22 Uhr

Quickborn : Alter Bauplan der Kirche gefunden

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Kunsthistorikerin entdeckt in einem Lübecker Museum erstmals eine historische Zeichnung des evangelischen Gotteshauses.

shz.de von
erstellt am 02.Mär.2016 | 12:15 Uhr

Lübeck/Quickborn | Sensationsfund: Erstmals sind historische Baupläne der St.-Marien-Kirche zu Quickborn aufgetaucht. In dem Lübecker Museum Behnhaus-Drägerhaus hat die Kunsthistorikerin, Archäologin und Literaturwissenschaftlerin Eva von Engelberg-Dockal Grund- und Aufrisse eines sakralen Gebäudes entdeckt und sie eindeutig dem Quickborner Gotteshaus zugeordnet. „Für uns ist das eine Sensation, weil es von der Kirche bisher keine Zeichnungen gab“, sagte gestern der Vorsitzende des Quickborner Kirchengemeinderats, Hartmut Ermes.

Von Engelberg-Dockal forscht an der Bauhaus-Universität Weimar. In dem jüngsten, 84. Band der wissenschaftlichen Reihe „Nordelbingen. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins“ berichtete sie, dass nicht nur der erste Entwurf der Kirche aus dem Jahr 1793 verloren gegangen war. Auch die 1804 als Ersatz angefertigten Pläne galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen.

Allerdings fiel der Wissenschaftlerin ein Blatt aus der Grafischen Sammlung des Museums Behnhaus-Drägerhaus in die Hände. Es wurde 1991 erfasst und zeigt Tusche- sowie Bleistiftzeichnungen von Grundriss und Seitenansichten der Kirche. Welches Gebäude abgebildet war, wusste bislang niemand. Doch von Engelberg-Dockal entdeckte zahlreiche Übereinstimmungen mit der Quickborner Kirche, sowohl in der Konzeption als auch in der Detailgestaltung.

Ermes ist begeistert: In den Sammlungen in Gottorf und Kiel hätten sich bisher keine Pläne gefunden. „Die Idee, dass in Lübeck etwas sein könnte, ist bisher niemandem gekommen“, sagte er. Wegen dieses Fundes muss die Geschichte der Kirche neu geschrieben werden. Der dänische Architekt Christian Frederik Hansen ließ das Gebäude während der Jahre 1807 bis 1809 errichten. Es stellte den ersten Sakralbau des einflussreichen Baubeamten dar.

Entstehung um 1800

Die Pläne sind weder datiert, noch signiert, doch Eva von Engelberg-Dockal geht davon aus, dass sie 1804 entstanden sind. Das Besondere: Sie zeigen bereits damals ein in die Flachdecke eingelassenes sogenanntes Spiegelgewölbe. Bisher war angenommen worden, dass es erst 1898 nachträglich eingebaut wurde und die Stelle eines sogenannten Dachreiters markiert. Doch dieser Aufbau mit Glocke ist auf der Zeichnung nicht in der Mitte des Kirchenschiffes bei dem Spiegelgewölbe , sondern an der Westseite zu sehen.

Die meisten Sakralbauten versah Hansen mit gemauerten Westtürmen. Er entsprach damit dem Wunsch der Gemeinden, die ihre Glocken darin aufhängen wollten und zudem nach einem prägnanten Zeichen verlangten. Doch der Architekt schlug im Sinne des klassizistischen Ideals eines christlichen Tempels mehrfach vor, stattdessen kleine Dachreiter zu errichten. In Quickborn setzte er diesen Plan um. In den 1860er-Jahren erwies sich der hölzerne Aufbau allerdings als baufällig und wich auch dort einem stabilen Westturm.

Ermes erinnert sich an die Sanierung der Kirche im Jahr 2006. „Wo der Dachreiter ursprünglich war und wie er ausgesehen hat, wussten wir damals noch nicht“, sagte er. Die Zeichnung deutet noch auf ein weiteres interessantes Detail hin: Offenbar besaß die Gemeinde damals zwei verschieden große Glocken. Von Engelberg-Dockal ist sich jedoch sicher, dass nur eine aufgehängt wurde.

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