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Anbindung von Quickborn und Ellerau : „Als Familie haben wir Angst davor“

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

S 21-Ausbau: „Bürgerinitiative Bahnstraße“ befürchtet Enteignungen.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2015 | 13:00 Uhr

Markus Spiering wohnt im Hamburger Weg in Ellerau. Vom Dachgeschoss aus blickt er auf die Bahnlinie, auf der die AKN-Züge zwischen Kaltenkirchen und Eidelstedt rollen. In beiden Richtungen auf ein- und demselben Gleis. Wenn das aktuelle Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Strecke als Verlängerung der S  21 abgeschlossen ist, würde der Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Ellerau und Tanneneck jedoch um ein Gleis erweitert werden – und Markus Spierings Grundstück dann vielleicht nicht mehr sein eigenes sein. Oder zumindest kleiner.

Unter anderem deshalb hat sich Spiering gemeinsam mit einer Handvoll anderer Anwohner der Trasse zur „Bürgerinitiative Bahnstraße“ (BI) zusammengeschlossen. Die wohl schwerwiegendste Befürchtung lautet: „Über 30 Parteien müssten nach aktuellen Planungen enteignet werden, wenn von derzeit einem auf zwei Gleise erweitert wird.“

Dies schreibt die BI in einer Mitteilung, die sie gestern anlässlich ihrer Gründung verschickte. Spiering ist ihr Sprecher. „Wie eine Enteignung aussähe, darüber gehen die Meinungen auseinander“, erklärt er auf Nachfrage. „Hier ein Meter, woanders vielleicht fünf Meter – dann wäre das Haus unbewohnbar. Als Familie haben wir Angst davor, solche Gedanken macht man sich“, sagt Spiering. Er und seine Mitstreiter befürchten laut Mitteilung außerdem gesundheitliche Folgen, wenn der Lärm zunimmt, weil die Taktung der Züge erhöht wird. Und Elektrosmog durch die notwendige Elektrifizierung mit Oberleitungen. Und „erhebliche Auswirkungen auf den Autoverkehr, insbesondere am Bahnübergang Bahnstraße, dem Hauptverkehrsknoten zwischen Ellerau/Quickborn und der A  7“, heißt es in der Mitteilung.

Ob es tatsächlich so kommt, wie die BI Bahnstraße befürchtet, steht erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens – vorgesehen für 2017 – fest. „Es sind viele Fragen nicht geklärt“, sagt Spiering, der den Zeitpunkt begründet: „Bei so einem Verfahren laufen Fristen. Und irgendwann ist es zu spät, seine Argumente vorzubringen.“

Infoabend im Herbst vorgesehen

Das könnte laut Spiering allerdings auch schon der Fall sein, wenn im Herbst in Ellerau eine Informationsveranstaltung im Rahmen der Bürgerbeteiligung am Planfeststellungsverfahren stattfinden soll. Diese hatte Elleraus Bürgermeister Eckart Urban (SPD) für „Ende September, Anfang Oktober“ angekündigt. „Ich habe die Befürchtung, dass der Info-Abend dann kommt, wenn die Planung eigentlich durch ist“, erklärt Spiering. Noch ist die BI jung. Und zahlenmäßig überschaubar. „Wir sind drei bis vier Parteien“, berichtet Mitgründer Spiering. „Mir wäre es natürlich am liebsten, wenn wir alle Anwohner ins Boot holen.“

Deshalb arbeitet die BI fort an daran, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, wird „Flyer verteilen, die Webseite bekannt machen und Informationen sammeln“, wie Spiering erklärt. Blockieren wolle die BI das Projekt nicht, stellt er klar. „Es geht nicht darum, sich an Gleise zu ketten und mit Stoppschildern alles niederzubrüllen.“ Grundsätzlich sei die BI nicht gegen den Ausbau. „Es ist klar, dass etwas passieren muss mit der Infrastuktur, wenn die Metropolregion wachsen soll“, räumt Spiering ein. „Aber ob das durch Enteignungen passieren muss, ist fraglich. Es gibt sicher andere Alternativen.“ Welche, das will die BI herausfinden.

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