Tangstedt : Aggressionen abbauen ist erlaubt

Kräfte messen nach Spielregeln: Die Schüler probierten mit viel Spaß die neuen Spielgeräte aus.
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Kräfte messen nach Spielregeln: Die Schüler probierten mit viel Spaß die neuen Spielgeräte aus.

Die SPD spendet Spielgeräte zur Gewaltprävention. Nutzung im Schulunterricht und im Kinder- und Jugendhaus.

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05. Juni 2014, 16:00 Uhr

Tangstedt | Die Situation ist jeden Tag dieselbe: „Die Kinder kommen nach einem anstrengenden Schultag in die Nachmittagsbetreuung und fangen an zu rangeln und zu raufen“, beschreibt der Tangstedter Jugendpfleger Boris Kaufmann. Das bringe viel Unruhe in die Gruppe, die inzwischen etwa 50 Kinder umfasse. „Also müssen wir das verbieten“, sagt Kaufmann weiter.

Seit kurzem stehen dem Jugendpfleger jedoch Spielgeräte zur Verfügung, die als Ventil für überschüssige Kräfte und Aggressionen dienen können. „Ich habe einen meiner Vertriebspartner gefragt, ob sie uns sponsern können“, berichtet Detlef Kuhn (SPD), der Geschäftsführer eine Vertriebsagentur für Markenspielwaren ist.

Die fränkische Firma „sunflex“ sagte zu und spendierte vier große und 24 kleine „Mashoongas“. „Das sind Sportgeräte aus Schaumstoff, mit denen spielerisch die Koordination, das Reaktionsvermögen und die Motorik geschult werden können“, erklärt Kuhn. „Ich habe diese Spielgeräte schon während meiner Ausbildung zum Gewaltpräventionstrainer in der Hand gehabt – aber danach nie wieder gesehen“, freute sich Kaufmann über die Spende.

Der erste Einsatz ließ nicht lang auf sich warten: Während des Präventionsunterrichts der vierten Klassen durften die Schüler die „Mashoongas“ einweihen. Zuvor jedoch erklärte Kaufmann den Kindern die Regeln: „Es ist verboten, auf den Kopf, das Gesicht oder die Weichteile zu schlagen“, erklärte er den Kindern. Sobald jemand „Stop“ rufe oder am Boden liege, müsse der Gegner aufhören. „Und wenn sich jemand umdreht, dürft ihr nicht von hinten auf den Rücken hauen“, mahnte Kaufmann.

Seiner Aufforderung, erst einmal auszuprobieren, wann der Schlag dem Gegner wehtut, kamen die Kinder zunächst nur zögerlich nach. Doch die anfängliche Scheu war schnell verflogen: Mit vollem Körpereinsatz versuchten die Kontrahenten, sich gegenseitig von der Bank zu schubsen. „Das Rangeln nach genauen Spielregeln, die von allen eingehalten werden müssen, trägt zum Abbau von Aggressionen bei und verhindert Gewalt“, ist Kaufmann überzeugt.

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