Abschied vom Abitur?

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31. Januar 2013, 01:14 Uhr

Quickborn/Hamburg | War es am Ende doch eine Nummer zu groß? Laut Informationen unserer Zeitung specken die Johanniter die Neubaupläne für ihre geplante christliche Privatschule ab. Sie wollen auf die gymnasiale Oberstufe verzichten.

Offiziell gibt es noch keine Bestätigung, aber auch kein Dementi. Nur so viel: "Wir werden die Eltern nächste Woche intern über die aktuellen Baupläne informieren. Die Schule wird gebaut", sagte Johanniter-Pressesprecherin Susann Kunde auf Anfrage unserer Zeitung.

2011 standen die Zeichen noch auf Expansion: Der Regionalverband der Johanniter Hamburg hatte im Dezember 2011 das Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik gekauft. Mit an Bord: der Hamburger Investor Lorenz und Partner. Insgesamt wollten die Johanniter und Lorenz 34 Millionen Euro investieren - die Johanniter für eine Privatschule mit gymnasialer Oberstufe, in der nach der Montessori-Pädagogik unterrichtet wird, und Lorenz und Partner für Betreutes Wohnen.

Schon im Sommer 2012 sollte es mit dem Bau der Schule auf dem 33 000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Feldbehnstraße und Justus-von-Liebig-Ring losgehen, im ersten Bauabschnitt eine zweizügige Grundschule entstehen. Geplante Fertigstellung: 2014. Danach sollte der Bau des Oberstufentrakts erfolgen. Nun könnte in der zehnten Klasse Schluss sein. Schüler, die danach ihr Abitur in Quickborn machen wollen, müssten auf eines der beiden städtischen Gymnasien wechseln. Die Option, irgendwann mal doch eine Oberstufe anzubieten, wollten sich die Johanniter nach Informationen unserer Zeitung offen lassen. Über den Baubeginn üben die Johanniter Stillschweigen. Derzeit sind 72 Grundschüler in Containern gegenüber des Geländes der Schokoladenfabrik untergebracht.

Warum soll auf die Oberstufe verzichtet werden?Fakt ist, dass es einen Wechsel im Vorstand der Johanniter gegeben hat. Laut gut informierter Kreise wurde das Projekt noch einmal durchkalkuliert. Ergebnis: Das Angebot eines gymnasialen Zweigs, der ohne Fachräume und die entsprechende Ausstattung nicht auskommt, würde den finanziellen Rahmen sprengen.

Zu solch einer Schlussfolgerung kam bereits die katholische Kirchengemeinde, die ebenfalls in Quickborn eine Privatschule eröffnen wollte. Das Projekt wurde nicht mehr weiterverfolgt.

Die Johanniter schweigen, und die Gerüchteküche kocht. Eltern, die ihre Kinder auf der Privatschule anmelden wollten, zögern. Von mehreren Abmeldungen ist die Rede. "Viele Eltern in der Kindertagesstätte Wilde 13 fragen sich: Kriegen die das organisatorisch überhaupt noch hin?", berichtet Nadine Stritzke. Die junge Mutter möchte, dass ihre Tochter die geplante Johanniter-Privatschule besucht, äußert aber die Befürchtungen vieler Eltern: "Wir stellen es uns schwierig vor, wenn sich unsere Kinder mitten im Schulleben auf die Methoden der Regelschulen einstellen müssen. Das Montessori-Konzept bietet einen individuellen Unterricht an."

Jörn Kruse (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, der die Weichen für den Bau der Privatschule mitgestellt hat, bedauert die Entwicklungen: "Ich finde es schade, wenn man von der ursprünglichen Planung abweicht, aber letztendlich ist es eine unternehmerische Entscheidung."

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