Quickborn : 83-jähriger radelt durch Europa

Quickborner können Magwald Pohl regelmäßig an der Kieler Straße entlang fahren sehen.
Quickborner können Magwald Pohl regelmäßig an der Kieler Straße entlang fahren sehen.

Magwald Pohl ist tausende Kilometer im Jahr auf seinem Fahrrad unterwegs. Derzeit ist er nach Tschechien unterwegs.

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23. Juli 2014, 10:00 Uhr

Quickborn | Kleine Schrammen sind hier und da auf dem Lack des roten Herrenfahrrads zu sehen. Am Gepäckträger sorgt Panzertape für den Halt der Gepäckträgertaschen. Dem Fahrrad des 83-jährigen Magwald Pohl sieht man an, dass es einige Kilometer auf dem Buckel hat. Der Hamburger fährt regelmäßig die Quickborner Kieler Straße entlang. „Meine Hausstrecke ist von Hamburg über Quickborn bis zur KZ-Gedenkstätte“, sagt Pohl. In den vergangen zehn Wochen habe er hier etwa 1800 Kilometer zurückgelegt – immer auf dem roten Drahtesel. Damit wolle er sich auf seine aktuelle Tour vorbereiten – bis nach Tschechien soll es dieser Tage gehen.

Während Altersgenossen des Rentners vielleicht Bingo spielen oder zum Kaffeekränzchen gehen, fährt Pohl Fahrrad. 2009 fuhr er bis zum Nordkap, vor zwei Jahren von Helsinki über St. Petersburg und Warschau und im vergangenen Jahr führte es ihn über die Niederlande und Belgien bishin zum Mittellandkanale. Jedes Jahr organisiert Pohl für sich eine große Radtour. „Ich glaube nicht, dass es noch jemanden gibt, der so verrückt ist“, sagt Pohl lachend. Die Suche nach Mitfahrern habe er daher aufgegeben. „Da gab es jemanden, der wollte auf einem Elektrofahrrad mitfahren“, so der Senior kopfschüttelnd. So etwas wolle er nicht, seine Touren werden komplett mit Muskelkraft absolviert. „Ich setze mich aufs Rad und los“, so einfach klingt das bei Pohl.

Ständiger Begleiter auf seinen Touren: der Fahrradhelm. „Stürze können immer passieren, man ist nicht immer selbst Schuld“, sagt er. Auf einer Tour rund um die Ostsee sei er allein dreimal gestürzt. Seine Abenteuerlust kann das nicht bremsen.

„Was man unterwegs erlebt ist meist unbeschreiblich“, schwärmt er. In Estland habe eine Frau ihn durch eine Stadt gelotst. „Die hat nach jeder Kreuzung wieder angehalten und mir gesagt, wie es weitergeht“, erzählt der Renter. Für ihn sei die Frau einen großen Umweg gefahren, „ich wünsche mir, dass es Menschen wie ihr bei uns auch so ergeht.“ Die Frau sprach Deutsch und so konnte eine Kommunikation ohne Probleme stattfinden. Pohl hat während seiner Schulzeit in Sachsen Russisch gelernt, viel davon ist sei aber nicht hängengeblieben. Weitere Fremdsprachen spricht er nicht. Aber auch mit Händen und Füßen schafft es der Radler mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. „Eigentlich findet man immer jemanden, der einem hilft.“ Manchmal kann das auch ein Cafe-Besitzer sein, der den Rentner spontan im Neubau über dem Geschäft übernachten lässt. Im Gepäck hat der 83-Jährige alles, was er braucht. Dazu gehören auch ein Schlafsack und eine Matratze um kurzerhand solche Angebote annehmen zu können.

Wenn Pohl nicht mit Gepäck auf Reisen ist, fährt er bei den Cyclassics in Hamburg mit. Laut eigener Aussage ist er der älteste Teilnehmer. Ans Aufhören mit dem Radfahren will er auf keinen Fall denken.

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