Arbeitsgruppe erstellt erste Dorfchronik : 700 Jahre Tangstedter Geschichte für 20 Euro

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Sie haben allen Grund zur Freude: Jürgen Behrmann (von links), Helga Müller, Alexander Schmohl, Bernd Laackmann und Angela Kunstmann ist es gelungen, die erste umfassende Chronik der Gemeinde Tangstedt zusammenzustellen.
Sie haben allen Grund zur Freude: Jürgen Behrmann (von links), Helga Müller, Alexander Schmohl, Bernd Laackmann und Angela Kunstmann ist es gelungen, die erste umfassende Chronik der Gemeinde Tangstedt zusammenzustellen.

Eigeninitiative und Engagement machen das erste Buch über Tangstedt im Kreis Pinneberg möglich.

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ellersiek-claudia-75R_7379.jpg von
22. August 2019, 16:00 Uhr

Tangstedt | Erstmals ist die mehr als sieben Jahrhunderte währende Geschichte des Dorfes Tangstedt (Kreis Pinneberg) in einem Buch zusammengefasst worden. Helga Müller, Angela Kunstmann, Alexander Schmohl, Jürgen Behrmann und Bernd Laackmann haben die umfassende Chronik in zwei Jahren akribischer Recherche erarbeitet, klopften während dieser Zeit an unzählige Türen und gingen sogar in die Luft. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung, an der alle, die sich mit dem Dorf verbunden fühlen, ihren Spaß haben werden.

104 Hochglanzseiten

„Das ist ja mehr ein Nachschlagewerk als eine Abendlektüre.“ Laackmann bleibt bescheiden, aber der Stolz auf das Werk ist ihm anzumerken. Und auf das, was sie im Team geschafft haben, denn so verschieden die Autoren sind, „wir haben uns super ergänzt und passen gut zusammen“, so Laackmann. In der Tat ist das Buch ansprechend und wertig gestaltet. Auf 104 Seiten wird an Menschen erinnert, die die Gemeinde geprägt haben, oder die Entwicklung von Häusern aufgezeigt, von denen manche heute als grundsanierte Schmuckstücke das Ortsbild prägen, andere aber für Neubauten weichen mussten.

Es geht um wichtige Ereignisse

Es geht um Traditionen in den 20 Kapiteln, um herausragende Ereignisse wie die Schneekatastrophe in den 1970er Jahren, um steigende Bevölkerungszahlen nach dem Krieg und eine im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer mehr ausgedünnten Infrastruktur. Schlachter und Kaufmann? Heute längste Geschichte. Geblieben sind der Friseur und selbstverständlich Sellhorns Gasthof:

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Bibi Maaß
 

Vor allem Müller kann unzählige Geschichten erzählen, weiß, welcher Vater oder Sohn in welcher Familie an der Front gefallen ist, welches Gebäude mit welchem Familiennamen zumeist über Generationen verbunden ist oder war. „Das schüttelt sie alles so aus dem Ärmel“, sagt Laackmann, und es klingt, als könnte er diese Leistung noch immer nicht fassen. Für Müller ist das Buch eine Herzensangelegenheit.

Zur 750-Jahr-Feier hätte unser damaliger Bürgermeister schon gern eine vollständige Chronik gehabt. Damals hat es aber aus Zeitgründen nur für eine Festschrift gereicht. Helga Müller, Heimatforscherin
 

Tatsächlich trägt das Buch maßgeblich ihre Handschrift, zumindest inhaltlich. Sie lieferte zu, stöberte in ihrem Bilderchiv, schaute in ihre Unterlagen und fand historische Urkunden. Kunstmann, Behrmann und Laackmann koordinierten, schrieben die Texte, brachten Ideen ein. Schmohl, der Jüngste im Bunde, verfügt über Wissen und Software, um so ein Projekt technisch umzusetzen.

Es hat ihnen Spaß gemacht, etwas für die Nachwelt zu schaffen, dem Dorf, das ihnen Heimat und eng mit ihrer eigenen Geschichte verbunden ist, ein Denkmal zu setzen. Und das ist wunderbar gelungen. Besonders beeindruckend: Das Team charterte sogar ein Flugzeug, um dem Buch auch Luftaufnahmen hinzufügen zu können. Die Kosten dafür trugen sie selbst.

„Das haben wir auch für uns getan. Aber ansonsten hat die Gemeinde alle Kosten übernommen“, sagt Behrmann. Nun hoffen sie, dass das Buch mit dem Titel „1242 -2019: 777 Jahre Tangstedt, ein Dorf im Wandel der Zeit“ ein Erfolg wird und den Bürgern gefällt. 250 Exemplare wurden zunächst gedruckt, 20 Euro kostet es. „Das Geld geht an die Gemeinde“, erklärt Laackmann.

Festmeile als Plattform

Verkaufsstart ist am Sonnabend, 24. August. Die Autoren möchten die Festmeile als Plattform nutzen, das Buch bekannt zu machen. Im Anschluss ist es im Friseursalon Teufel, Dorfstraße 33, in Sellhorns Gasthof, Dorfstraße 118, und jeweils am Donnerstag von 16 bis 18 Uhr in der Gemeindebücherei zu haben.

Zusammenschnitt von zwei Filmen

Für Laackmann und Schmohl ist es übrigens nicht das einzige Projekt, das sie rechtzeitig zum Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten fertiggestellt haben. Sie haben sich außerdem zwei Filme über die Feierlichkeiten zum 750. Geburtstag der Gemeinde vorgenommen und daraus einen eineinhalbstündigen Film gemacht. Als Grundlage dienten unter anderem Aufnahmen des ehemaligen NDR-Redakteurs Günther Ahrens. Die DVD ist ebenfalls während des dreitägigen Dorffestes erhältlich. Preis: 5 Euro. „Der Überschuss aus dem Verkauf ist für das Jugendhaus gedacht“, sagt Laackmann.

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