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Quickborn : 50 Jahre Neutra-Siedlung an der Marienhöhe

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ausstellung in der Stadtbücherei. Motive jenseits der traditionellen Architekturfotografie.

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Quickborn | Es ist die Zeit der Petticoats, des Rock’n’ Rolls und von Roy Lichtenstein – eine Zeit des Um- und Aufbruchs. Auch architektonisch: Vor 50 Jahren entstand an der Marienhöhe in Quickborn die Neutra-Siedlung. Geplant vom österreichischer Architekten Richard Neutra (1892 - 1970), der international für seine naturverbundenen Wohnbauten gerühmt wurde und vor allem in Südkalifornien tätig war. Nun würdigen die Stadt Quickborn und die Richard J. Neutra-Gesellschaft das mit einer Fotoausstellung in der Stadtbücherei, die noch bis zum 24. Oktober zu sehen ist.

Der Frankfurter Fotograf Peter Löwy hat in den Jahren 2009 bis 2012 im Auftrag der Richard J. Neutra-Gesellschaft die beiden Siedlungen in Quickborn und Walldorf bei Frankfurt besucht und in insgesamt 18 Originalbauten Spuren der Aneignung in den Blick genommen. Es sind Bilder jenseits traditioneller Architekturfotografie. „Ein sympathischer Blick ins Private“, sagte Hilmer Goedeking, Vorsitzender der Neutra-Gesellschaft während der Eröffnung.

Die Ausstellung sei eine liebevolle Aufarbeitung, sagte Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) „Es ist ein Lichtspiel zwischen drinnen und draußen. Eine zeitlose Architektur, deren Reiz und Faszination sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren gehalten hat“, so Köppl.

Neutras Baustil sei eine Gegenposition zu Bauhaus, führte Goedeking aus. „Neutra hat den Raum nach außen, Bauhaus den Raum nach innen definiert“, so der Experte. Auf die Frage, wie er persönlich die Neutra-Häuser beschreiben würde, sagte Goedeking dieser Zeitung: „Sie sind wie ein guter Anzug, wie das Lieblingsstück im Kleiderschrank. Das passt auf Anhieb. Die Häuser sind absolut wohnlich.“

Das finden auch die Eigentümer: Vor 35 Jahren ist Hans-Ulrich Plaschke mit seiner Familie in einen Neutra-Bungalow gezogen: „Vom ersten Augenblick an waren wir verliebt in das Haus. Machst du die Tür auf, bist du im Garten. Wer Neutra ist, wussten wir damals allerdings noch nicht“, sagte er.

„Das Haus hat so eine Art Aura“, sagte Gabriele Degner. Sie wohnt mit ihrem Mann Dennis Neumann und den Kindern in einem Neutra- Bungalow. Die Familie ist extra von Kaltenkirchen nach Quickborn gezogen. Beide betonen die gute Beziehung zur Nachbarschaft. „Man hilft sich, verständigt sich“, so Neumann.

Schon in mehr als fünf Wohnungen und Häusern haben Heinz und Ingrid Wiedemann gelebt. Doch das Wohnen in einem Neutra-Haus sei der Höhepunkt. „Es entspricht unserer Philosophie“, sagte Heinz Wiedemann und erklärte, dass das Haus auch unter dem Aspekt des Denkmalschutzes gekauft wurde.

Die 22 Hektar große Siedlung in Quickborn umfasst 67 zumeist eingeschossige Gebäude, die seit 2005 unter Denkmalschutz stehen. Typisch für den Neutra-Stil sind Schiebefenster mit schmalen Rahmen, die das Drinnen und Draußen optisch ineinander übergehen lassen sowie eine Stützkonstruktion an der Außenwand – das „Spider-Leg“.
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