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Quickborn : 20.000 Euro: Fahrer verhindert sogenannten Enkeltrick

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Taxi-Chauffeur bewahrt 89-Jährige Quickbornerin vor einem Betrugsversuch. Wie? Das berichtet Bernhard Brünig gegenüber shz.de.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2015 | 09:38 Uhr

Seit vier Jahrzehnten fährt Bernhard Brünig Taxi. „Mit Unterbrechungen“, fügt der 60-Jährige an. Eine Menge Zeit, um Kurioses zu erleben. Aber was ihm zu Wochenbeginn passiert sei, „das ist schon außergewöhnlich“, sagt der Quickborner. Denn eine Rentnerin vor dem berüchtigten Enkeltrick zu bewahren, das passiert nicht alle Tage. Der Betrugsversuch hätte die 89-jährige Eulenstädterin um 20.000 Euro ärmer gemacht.

Es ist 13.47 Uhr am Montag, als der Anruf eingeht bei dem seit vier Jahren in Quickborn ansässigen Taxiunternehmen, für das Brünig fährt. Die Fahrt soll aus Quickborn nach Norderstedt gehen und zurück. Fünf Minuten später ist Brünig vor Ort und klingelt an der Haustür. „Eine ältere Dame kommt raus und erzählt mir, sie müsse nach Norderstedt zur Bank, weil ihre Filiale in Quickborn zugemacht habe“, berichtet der Taxifahrer.

Die erste Verwunderung setzt ein. „Sie muss wohl etwas Größeres vorhaben“, denkt sich Brünig. Er fragt nach und bekommt folgende Antwort: Die Enkelin der Dame habe vom Notar aus angerufen und brauche 20.000 Euro für ein Immobiliengeschäft. „Da gingen die Alarmglocken an“, sagt Brünig. Zu Recht, wie Nico Möller von der Pressestelle der Polizeidirektion Bad Segeberg erklärt: „Immobilien, Unfall, Notfall, Tragödien – es sind immer wieder die gleichen Dinge, die vorgegaukelt werden, besonders zu Weihnachten.“

Brünig geht der Sache auf den Grund – und die Rentnerin erzählt ihm, dass ihre angebliche Enkelin ihren Namen erst auf Nachfrage der „Großmutter“ genannt habe. Da sei ihm alles klar gewesen, sagt der Taxifahrer. Er setzt die Dame an der Bank ab und ruft die Quickborner Polizei an. Dort richtet man ihm aus, erst kurz zuvor habe ein Anrufer einen Enkeltrick gemeldet. Die Kriminalpolizei sei bereits informiert.

Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt Möller, es habe an dem betreffenden Tag tatsächlich zwei Betrugsversuche in Quickborn gegeben. In beiden Fällen habe eine Anruferin um 20.000 Euro für den Kauf von Immobilien gebeten. Ein Mann, Jahrgang 1932, sei nicht darauf eingegangen, eine Dame, Jahrgang 1926, sei allerdings beinahe auf den Enkeltrick reingefallen. „Aber ein aufmerksamer Mitbürger hat es der Polizei gemeldet“, sagt Möller.

Brünig, der aufmerksame Mitbürger, bezieht sich auf die Polizei, als er der Rentnerin davon abrät, das Geld abzuheben. Sie lässt sich umstimmen. „Mit ein bisschen Abstand sagte die Dame, jetzt komme ihr der Anruf auch komisch vor“, berichtet der Taximann, der seinen Fahrgast anschließend zurück in die Eulenstadt bringt. An einer Tankstelle sei ein Zivilbeamter zugestiegen, um zu Ermittlungszwecken mit zum Haus der Rentnerin zu fahren, berichtet Brünig. „,Seien Sie froh, dass sie so einen aufmerksamen Taxifahrer hatten, der hat ihnen gerade 20.000 Euro gespart‘, hat der Beamte zu der Frau gesagt“, erzählt Brünig.

Die anschließende Ermittlung in Quickborn führte laut Polizei nicht zum erhofften Erfolg. Offenbar hätten der oder die Täter davon Wind bekommen, sagt Möller: „Aber besser so, als wenn die Täter Erfolg gehabt hätten.“ Für die betroffene Dame lohnte es sich allemal, auch für Brünig. Er tue sehr gern etwas für ältere Menschen, sagt er. „Wenn alle ein bisschen mehr Anteil nehmen würden, dann gäbe es weniger Ärger auf der Welt.“ Vielleicht auch mehr verhinderte Enkeltricks.

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