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Hund misshandelt Körperverletzung und Tierquälerei: Quickborner zu Geldstrafe verurteilt

Von Jann Roolfs | 28.01.2022, 18:00 Uhr

Als seine Freundin ihn verließ, verfolgte er sie, attackierte sie und ihren Begleiter und quälte schließlich auch noch einen zwölf Wochen alten Hundewelpen. Dafür hat das Amtsgericht einen Quickborner verurteilt.

„Wer tut einem kleinen Hundebaby so etwas an?“ Vor allem die Tierquälerei ließ Staatsanwältin Sandra Nehlep, in ihrer Itzehoer Behörde zuständig für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, engagiert plädieren. Mit einem zwölf Wochen alten Hundewelpen, an den Läufen und der Schnauze mit Klebeband stramm gefesselt, fing für Nehlep das Verfahren an, das sich zu einer Geschichte aus wechselseitigen Anzeigen, Körperverletzung und der Entführung eines Hundewelpen entwickelte, die vor Strafrichterin Willsch am Amtsgericht Pinneberg verhandelt wurde.

Am Donnerstag (27. Januar) fiel das Urteil gegen Timo H.: Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen bezahlen. Darin enthalten sind Sanktionen für zweifache Körperverletzung, die Tierquälerei und falsche Verdächtigungen in zwei Fällen.

Er wollte die Trennung offenbar nicht akzeptieren

Hinter den Ereignissen im August 2019 in Quickborn und Hamburg steckt eine gescheiterte Beziehung zwischen Timo H. und der rund zehn Jahre jüngeren Mona R., die heute 20 ist. Dass sie sich von ihm trennte, wollte Timo H. anscheinend nicht hinnehmen. Laut Aussage eines Zeugen verfolgte und beschimpfte er Mona R., als sie mit Freunden auf den Dom und über den Kiez zog. In einem Klub begegneten sie sich wieder, die Türsteher brachten ihn allerdings raus.

Ex-Freundin und ihren Begleiter geschlagen

Doch damit war die Nacht noch nicht vorbei: Timo H. erwartete Mona R. und ihren Begleiter vor ihrem Haus in Quickborn und schlug erst sie, dann ihn ins Gesicht und beging damit zweifache Körperverletzung. Die Polizei wurde gerufen, den Beamten erzählte Timo H., die beiden hätten ihn attackiert. Das wertete die Richterin als zweite falsche Verdächtigung, nachdem H. schon in Hamburg Anzeige gegen die beiden erstattet hatte, weil sie ihn im Klub angeblich geschlagen hätten.

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Wenige Tage später entführte Timo H. Mona R.s Schäferhundwelpen Rick von ihrem Grundstück. Fünf Tage behielt er das Tier und behauptete, er wisse nicht, wo der Hund sei. Schließlich stellte er seiner Ex-Partnerin per Chat ein Ultimatum: Bis Mitternacht solle sie zu ihm kommen, sonst „wirst du dir einen neuen Rick suchen müssen.“ Statt Mona R. erschienen allerdings Polizisten bei H. und fanden den Welpen schließlich gefesselt und geknebelt im Kofferraum seines Autos.

Staatsanwältin sieht erhebliche kriminelle Energie

Die Staatsanwältin attestierte Timo H. „Gefährlichkeit“ und erhebliche kriminelle Energie, die in seinem gezielten und taktischen Vorgehen zutage trete. Sie erkannte in seiner Vita das Muster, Beziehungen mit sehr jungen Frauen einzugehen und es nicht zu verkraften, wenn die sich von ihm trennen. Als Beispiel verwies sie auf ein Urteil aus Norderstedt: 2017 hatte H. mit dem Auto in Ellerau seine damalige Ex-Freundin, eine Schülerin, so bedrängt, dass sie mit dem Fahrrad stürzte und eine Schädelprellung davontrug. Dafür wurde Timo H. zu einer Geldstrafe verurteilt.

Ihr Resümee: Eine Geldstrafe reiche nicht mehr aus, Timo H. brauche einen „deutlichen Denkzettel“. Nehlep wollte Timo H. zu einem halben Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt sehen.

Anwalt: Aussage gegen Aussage

Verteidiger Sascha Böttner stellte in Abrede, dass der Hund Schmerzen erlitten habe. Timo H. sei nicht davon ausgegangen, dass der Hund erheblich leide. Bei der Körperverletzung stehe Aussage gegen Aussage, damit entfalle auch der Vorwurf der falschen Verdächtigungen. Der Staatsanwältin unterstellte er „einseitigen Verfolgungseifer“.

Entschuldigung erst am Ende des Verfahrens

Nachdem Staatsanwältin Nehlep Timo H vorgeworfen hatte, im Verfahren keine Reue gezeigt und sich nicht bei Mona R. oder ihrem Begleiter entschuldigt zu haben, holte der Angeklagte das vor Gericht in seinem sogenannten letzten Wort nach. Dem Hund habe er niemals Schaden zufügen wollen. Außerdem bemühe er sich, eine Verhaltenstherapie zu machen. „Vor allem möchte ich meinem Sohn ein gutes Vorbild sein.“

Im Zuschauerraum verfolgte die Mutter dieses fünfjährigen Sohnes das Verfahren. Sie war bei der Geburt 17. Dem wesentlich älteren Timo H. hat sie den Umgang mit dem Kind weitgehend verbieten lassen.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts kann binnen einer Woche Berufung eingelegt werden.