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Nach Verleihung : Protest gegen Lübecker Doktortitel für Schavan

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ex-Wissenschaftsministerin wurde am Freitagabend mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet. Ralf Stegner redete im Vorfeld von einer „peinlichen Provinzposse“.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Lübeck | Die Universität Lübeck hat sich über den bundesweiten Protest hinweggesetzt: Gestern Abend zeichnete Uni-Präsident Peter Dominiak die Ex-Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) mit der Ehrendoktorwürde seiner Hochschule aus. „Frau Schavan hat sich um die klinisch-medizinische Wissenschaft besonders verdient gemacht“, sagte er. Die Verleihung sei „keine Kompensation für den Verlust des wissenschaftlichen Doktorgrads“. Schavan war im Februar 2013 nach Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Dissertation von ihrem Amt zurückgetreten. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf sprach ihr vor drei Wochen den Doktortitel ab. Dominik betonte: „Der Ehrendoktortitel ist weder ein Geschenk noch eine Ohrfeige für das Gericht oder die Universität Düsseldorf.“

Im Vorfeld war in Wissenschaftskreisen Kritik an der Ehrung laut geworden. In Kiel gab es deshalb sogar handfesten politischen Wirbel. So sprach SPD-Landeschef Ralf Stegner von einer „peinlichen Provinzposse“ und „bitterem Beigeschmack“. Schavan werde nur ausgezeichnet, weil sie sich 2010 für den Erhalt des Uni-Standorts Lübeck eingesetzt habe. Mit ihrer Intervention habe sie nichts anderes versucht, „als der CDU in Schleswig-Holstein aus der Patsche zu helfen“, erklärte Stegner. Mit Ehre habe „das alles ganz gewiss nichts zu tun“.

Zuvor hatten schon Studentenvertreter (AStA) Bedenken angemeldet. „Wir halten es für hochproblematisch, dass sie den Ehrendoktortitel erhalten soll, obwohl das Gericht ihre Plagiate bestätigt hat“, sagte AStA-Chefin Maren Janotta. 2010 hätten Studenten, Professoren und Bürger gegen die Pläne der Landesregierung gekämpft, das Medizinerstudium an der Trave zu streichen. „Nicht Schavan hat die Uni gerettet, sondern die vielen Menschen, die damals auf die Straße gegangen sind.“

Schavan trug zur Rettung der Uni bei, indem sie dem Land aus Bundesmitteln 25 Millionen Euro Forschungsmittel zusätzlich zusagte. Ein Doktortitel als Dankeschön: „Das hat schon ein Geschmäckle“, meint der Münchner Jura-Professor und Plagiatsexperte Volker Rieble in der „Süddeutschen Zeitung“ unter Hinweis auf unerlaubte Vorteilsnahme. „Das dürfte kein Beamter“, sagt er. Er hält die Ehrung zumindest derzeit für falsch. Letztlich verkehre man die jüngste Entscheidung der Richter ins Gegenteil.

Das sieht die Opposition im Landtag anders. Schavan habe „den Titel verdient“, erklärte der CDU-Hochschulpolitiker Daniel Günther. Die FDP respektiert die Lübecker Entscheidung, „die nicht im Zusammenhang mit den akademischen Leistungen von Frau Schavan zu sehen ist“.

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