Pinneberg : Zwischen Streik und Solidarität

Erzieher im Streik: Stephanie Eilken (von links), Olaf Gätjens, Birgit Petsch-Furkert und Stefanie Mädler kämpfen für eine bessere Bezahlung.
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Erzieher im Streik: Stephanie Eilken (von links), Olaf Gätjens, Birgit Petsch-Furkert und Stefanie Mädler kämpfen für eine bessere Bezahlung.

Während die Erzieherinnen aus Halstenbek für besseres Gehalt auf die Straße gehen, bleibt die städtische Kita in Uetersen geöffnet.

shz.de von
09. Mai 2015, 16:02 Uhr

Pinneberg | Bundesweit streiken ab heute Erzieher für ein besseres Gehalt. Auch die kommunalen Kitas in Halstenbek und Uetersen beteiligen sich laut Verdi daran. Während in der Kita Bickbargen in Halstenbek tatsächlich die Arbeit nieder gelegt wird, bleibt die städtische Einrichtung in Uetersen geöffnet. Der Grund: Nur drei von 18 Mitarbeitern sind gewerkschaftlich organisiert.

Das leuchtend rote Plakat mit der Aufschrift „Streik“ war am Bickbargen gestern Morgen schon von Weitem zu sehen. 16 von 25 Mitarbeitern der Einrichtung – der einzigen kommunalen Kita in Halstenbek – traten in den Ausstand. „Wir fordern eine höhere tarifliche Eingruppierung. In ihren ersten drei Ausbildungsjahren erhalten junge Erzieher keinerlei Vergütung. Das darf nicht sein“, sagte Birgit Petsch-Furkert, die gemeinsam mit ihren Kollegen Olaf Gätjens, Stefanie Mädler und Stephanie Eilken gegen acht Uhr zur Kundgebung nach Elmshorn aufbrach.

Bei den meisten Eltern ernteten die Streikenden Verständnis. „Es ist im Grunde eher ein Wunder, dass die Erzieherinnen so lange still gehalten haben“, sagte Mutter Anke Möller-Meier. Sowohl ihr Kind als auch das von Frank Hoppe, der den Streik ebenfalls „voll und ganz nachvollziehen“ kann, kamen in einer von mehreren Notgruppen unter, die von den verbliebenen Erzieherinnen geleitet wurden.

Auf Druck von Eltern, die die bisherige Organisation der Notgruppen durch die Kita als mangelhaft kritisierten, hatte Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) das Thema zur Chefsache erklärt (wir berichteten). Im Laufe der Woche schrieb die Verwaltung alle Eltern an, um deren Betreuungsbedarf bis Ende kommender Woche zu erfragen. Ergebnis: Für 50 von 140 Kindern musste eine Betreuung gewährleistet werden. „Das haben wir geschafft. Auch, weil sich einige Erzieherinnen kurzfristig bereit erklärt hatten, ihre Stunden aufzustocken“, sagte Kita-Leiterin Angela Schuchardt. In der kommenden Woche will die Verwaltung die Umfrage wiederholen – für die Woche vor Pfingsten. Weil zahlreiche Eltern in Hamburg wohnen und in der Hansestadt dann keine Ferien mehr sind, dürfte sich der Betreuungsbedarf erhöhen. Darin, sowie in dem nicht absehbaren Streik-Ende sieht Schuchardt durchaus eine Gefahr. „Es ist schon möglich, dass die bis jetzt gute Stimmung irgendwann umschlägt“, sagte sie.

In Uetersen konnten die Eltern gestern hingegen aufatmen: Es wurde nicht gestreikt. Fröhlich rannten die Mädchen und Jungen am Morgen in Richtung Haupteingang des Städtischen Kindergartens. An der Tür hing ein Plakat, auf dem bekundet wurde, dass sich die Mitarbeiter mit den streikenden Erzieherinnen solidarisch erklärten. Selbst streiken dürfen sie nicht – zu wenige von ihnen gehören der zuständigen Gewerkschaft an, so Leiterin Ingrid Rudloff. Sie findet die Aktion aber dennoch richtig: Es gebe mehr auffällige Kinder als früher, der bürokratische Aufwand sei enorm, politische Forderungen wie Inklusion von Mädchen und Jungen mit Behinderung und die Integration von Kindern mit Migrationshintergund seien mit dem derzeitigen Personalschlüssel schwer zu leisten. „Außerdem wünsche ich mir, dass unsere Arbeit durch eine bessere Bezahlung mehr honoriert wird“, sagt sie. Mutter Fatima Zaffino ist dennoch froh, dass die Kita geöffnet bleibt. „Ich weiß nicht, wie ich das sonst gemacht hätte.“ Jennifer Dames hätte ein Streik nicht allzu sehr getroffen. „Wir hätten auch eine andere Betreuungsmöglichkeit gehabt. Dann hätte die Uroma oder der Opa aufgepasst.“ Ab Montag wird auch in Pinneberg in der städtischen Kita gestreikt.
 

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