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Mensch Nachbar : Zwischen Livestream und Kaffeeklatsch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Elke Schreiber engagiert sich seit Jahren in der Quickborner Awo und möchte auch der neuen Generation von Senioren einen Treffpunkt bieten.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Auf dem Kopf eine rote Mütze mit „Sozi“-Aufnäher, am liebsten schaut sie den Sport-Livestream auf ihrem iPad: Elke Schreiber gehört trotz Rentnerdaseins noch längst nicht zum alten Eisen. Seit 14 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Quickborner Arbeiterwohlfahrt (Awo) und ist seit vier Jahren auch Ortsvorsitzende. „Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr ehrenamtlich aktiv zu sein“, gesteht die gebürtige Wilhelmshavenerin, die 1990 in die Eulenstadt zog.

Damals schon lange Jahre der SPD zugehörig, flatterte ihr eines Tages die Einladung zur Ehrung für 25 Jahre Mitgliedschaft ins Haus. „Ich hatte wirklich überlegt, gar nicht hinzugehen“, so Schreiber. Die Ehrung fand damals im Awo-Treff statt. „Die SPD hatte hier gar kein eigenes Gebäude“, erinnert sich Schreiber.

So kam sie mit der Arbeiterwohlfahrt in Berührung und war spontan angetan vom Engagement der Mitglieder. „Die musste ich einfach unterstützen“, erinnert sich die 68-Jährige und wurde wieder ehrenamtlich tätig. Trotzdem war sie zunächst skeptisch, als sie vor einigen Jahren gebeten wurde, die neue Ortsvorsitzende zu werden. „Ich war ja auch in der SPD aktiv – wenn man so viel macht, kann man es nicht mehr ordentlich tun“, so Schreiber. Doch die nahende Rente und ihr Entschluss, für die Awo-Arbeit in der SPD kürzer zu treten, überzeugten sie schließlich, den Posten zu übernehmen.

Seitdem versucht sie, frischen Wind in den Verein zu bringen. „Als erstes habe ich die ‚Altentagesstätte‘ in ‚Awo-Treff‘ umbenannt“, erinnert sich Schreiber, „denn Tagesstätte klang so sehr nach Aufbewahrung.“ Dass die Senioren von heute anders sind als noch eine Generation zuvor, dessen ist sie sich sicher. „Ich versuche, das Programm ein bisschen umzubauen – beispielsweise mit Lesungen an den Kaffeenachmittagen. Auch das neue Sonntagsfrühstück wird sehr gut angenommen“.

Die Gründe, zur Awo zu kommen, hätten sich aber nicht verändert. „Viele Menschen sind im Alter einsam, haben einen Partner verloren oder nicht genug Geld, um immer etwas zu unternehmen“, weiß die Quickbornerin. Sie selbst sei nach der Rente auch in ein kleines Loch gefallen. „Trotz des Ehrenamts fühlte ich mich eine Zeit lang gar nicht mehr gebraucht“, erinnert sich Schreiber, die nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit in eine kleine Sinnkrise geraten war. Die Arbeit bei der Awo habe sie aber wieder auf den richtigen Weg gebracht. „Das Ehrenamt hält fit und agil im Kopf“, so Schreiber, die anderen Senioren gern vorlebt, dass man auch im Alter nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen sein muss.

Stets gerüstet mit iPad und iPhone, erklärt sie anderen Awo-Mitgliedern gern die Vorzüge der modernen Technik und baut so eine Brücke zwischen traditionellem Kaffeeklatsch und Anschluss an die moderne Welt. Über Facebook und Twitter informiert sie über aktuelle Veranstaltungen und freut sich, etwas frischen Wind in die Awo bringen zu können. „Zugegeben, etwas Widerstand gibt es immer, wenn man etwas Neues versucht“, schmunzelt Schreiber, „aber wenn man es behutsam angeht, werden viele Aktionen auch ein Erfolg“.

Der alte Teppich im Lager des Treffs musste schon dran glauben, und auch das Mobiliar wurde von ihr erneuert. „Als nächstes lasse ich einen Techniker prüfen, ob bei uns Fernsehen und W-Lan möglich sind“, erklärt die Quickbornerin, die Computer-Kurse für Senioren plant. Der Jahreskalender der Awo sei gerade im Druck, und gerade an den Sonntagen werde im kommenden Jahr einiges angeboten. „Sonntags allein zu sein, ist für die meisten besonders schwer“, weiß Schreiber.

Gern möchte sie auch die nächsten vier Jahre aktiv für die Awo als Ortsvorsitzende wirken. „In den vergangenen Jahren habe ich mich erst einmal reingearbeitet“, lacht sie, „aber ich habe natürlich noch viel mehr Ideen“.

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