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Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 10:13 Uhr

Pinneberg : Zwei Jahre gemeinsamer Unterricht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Premiere in der Kreisstadt: An der Rübekampschule gibt es keine ersten und zweiten Klassen mehr.

Die Fächer mit Arbeitsmaterialien in dem Klassenzimmer der Rübekampschule sind mit aufgemalten Monden oder Sonnen markiert. „Sonnenkinder“ und „Mondkinder“, das wären einmal Erst- und Zweitklässler gewesen. Doch die Pinneberger Grundschule hat das altersgebundene Klassensystem in der so genannten „Eingangsphase“ abgeschafft – als erste Grundschule in Pinneberg. Frisch eingeschulte Abc-Schützen sitzen nun gemeinsam mit älteren Kindern in einem Raum.

Schulleiterin Margarethe Stalmann erklärt die Hintergründe: „Seit dem Schuljahr 2007 müssen alle Kinder im Alter von sechs Jahren eingeschult werden.“ Um dem unterschiedlichen Lerntempo der Kinder, gerade zu Beginn der Schulzeit, Rechnung zu tragen, gibt es nun dafür die Eingangsphase. „Alle Schüler haben zwei oder drei Jahre Zeit, um bestimmte Lernziele zu erreichen“, so die Rektorin. Klassisches „Sitzenbleiben“ gibt es nicht mehr, die Kinder sollen so lange wie möglich in einem vertrauten sozialen Umfeld bleiben. Das Land Schleswig-Holstein lässt den Schulen dabei die Wahl, wie sie dieses Prinzip genau umsetzen wollen. Die Rübekampschule hat sich nun für die wohl radikalste Lösung entschieden. Stalmann: „Am Anfang haben wir nur einzelne Stunden jahrgangsgemischt durchgeführt.“ Mit der Zeit wuchs aber im Kollegium der Wille zur radikalen Lösung. „Wichtig war es dabei, die Eltern von Anfang an mit ins Boot zu holen“, so Stalmann. So besuchten Pädagogen und Eltern gemeinsam den Unterricht in anderen Schulen im Land, in denen jahrgangsübergreifender Unterricht schon praktiziert wird. Seit dem Beginn des neuen Schuljahres steht nun nicht mehr „1a“ oder „1b“ auf den Zimmertüren, sondern „E1“ bis „E2“.

Hat ein Schüler die Eingangsphase abgeschlossen, wechselt er ganz normal in die Dritte Klasse. Regulär geschieht das nach zwei Jahren – langsamere Schüler bekommen drei Jahre Zeit. Dies bedeutet aber nicht, dass die Klasse mit völlig neuen Mitschülern wiederholt werden muss. Das Kind bleibt einfach ein Jahr länger in der Eingangsphase, wo es die Hälfte der Mitschüler bereits kennt. Eine Lerngruppe, in der die Hälfte der Kinder bereits ein Jahr weiter ist – funktioniert das denn? Lehrerin Petra Fischer: „Uns war vorher auch ein wenig mulmig.“ Bei konsequent kleiner Gruppengröße von weniger als 20 Kindern funktioniere der Unterrichtsablauf aber gut. Manche Übungen machen alle Schüler gemeinsam, dann gibt es wieder getrennte Aufträge für „Sonnen“- und „Mondkinder“. Ein weiterer Vorteil: Auf individuelle Schwächen und Stärken kann gezielt eingangen werden. Kann ein „Sonnenkind“ bereits lesen, nimmt es in diesem Bereich an fortgeschrittenen Aufgaben teil, wer nur in Mathematik hinterhinkt, muss auch nur in diesem Bereich „nachsitzen“. Die Stellvertretende Schulleiterin Inga Schlupp betont: „Die Älteren sind stolz, wenn sie den Kleinen zum Beispiel etwas vorlesen können.“ Die Bedenken waren groß, die Einarbeitungszeit mit großem Aufwand verbunden – doch für Schulleiterin Stalmann und ihre Kolleginnen hat sich der Aufwand gelohnt. Schlupp: „Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen – wir haben im Moment das Gefühl, individuell besser auf unsere Schüler eingehen zu können.“

 

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erstellt am 19.Sep.2013 | 16:00 Uhr

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