Bald in den Kinos: „Reiß aus“ : Zwei Hamburger reisen durch Westafrika und drehen einen Film

„Die Landschaften waren überall überwältigend“, erzählt Lena Wendt – hier in Guinea.
„Die Landschaften waren überall überwältigend“, erzählt Lena Wendt – hier in Guinea.

Mit der Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung riefen die zwei Hamburger die Filmproduktion ins Leben.

shz.de von
15. März 2019, 21:00 Uhr

Sechs Monate Reise waren geplant. Sie waren zwei Jahre unterwegs. Das Ziel war Südafrika. Sie haben es nie erreicht. Trotzdem haben Lena Wendt und Uli Stirnat aus Hamburg alles richtig gemacht. Sind 46.000 Kilometer durch 14 Länder gefahren. Haben gelacht und getanzt. Geschwitzt und gefiebert. Und am Ende ganz unverhofft einen Film über ihre Odyssee mitgebracht. „Reiß aus“ ist seit Donnerstag im Kino zu sehen.

Planung oder lieber dem Schicksal vertrauen

Als Lena und Uli sich im Herbst in einem alten Landrover mit Dachzelt auf dem Weg machen, sind die Voraussetzungen des Paares verschieden. Lena, die Journalistin, ist schon unzählige Male mit dem Rucksack durch Afrika gereist. Ihr Motto:

Bis jetzt ist immer alles gut gegangen. Lena Wendt, Journalistin auf Reisen
 

Sie sucht auf der Reise die Freiheit, das Abenteuer und sich selbst. Uli, der Medizintechnik-Ingenieur, kämpft noch mit den Folgen eines Burnouts. Er will vorausplanen, Risiken abwägen. „Meine bis dahin längste Reise meines Lebens war eine sechswöchige Wohnmobiltour mit meiner Familie durch die USA.“ Die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten prallen immer wieder aufeinander. Nerven sich abwechselnd mit Ängstlichkeit und Sorglosigkeit. Es ist nicht immer einfach, auf zwei Quadratmetern im Dachzelt des Geländewagens.

Autoreparatur direkt am Strand in Togo.
Foto: Lena Wendt/Ulrich Stirnat
Autoreparatur direkt am Strand in Togo.

Trotz Fieber und Parasitenbefall: Am Ende ist alles gut

Am Ende behält Lena Recht. Es geht alles gut. Auch wenn Uli zweimal von Parasiten befallen wird, das Fieber in wenigen Stunden auf über 40 Grad steigt. Auch wenn beide anfangs keine Ahnung haben, wie sie den klapprigen Landrover reparieren sollen. Am Ende sinkt das Fieber, das Auto lässt sich flicken, die Reise geht weiter.

Touareg Jamal (Mitte) fuhr in Marokko ein Stück mit.
Foto: Lena Wendt/Ulrich Stirnat
Touareg Jamal (Mitte) fuhr in Marokko ein Stück mit.
 

Auch weil die beiden Mittdreißiger unzählige hilfreiche Menschen auf ihrem Weg treffen. „Nie wollte uns jemand etwas wegnehmen – stattdessen wollten uns alle etwas geben“, sagt Lena. Deshalb sei es auch ein Ziel ihres Films, Vorurteile gegenüber Afrika abzubauen und Ängste zu zerstreuen.

Da leben ganz normale Menschen, die einen ganz normalen Alltag haben. Lena Wendt, Journalistin auf Reisen

Auf ihrem Weg durch Benin, Burkina Faso, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, die Elfenbeinküste, Liberia, Mali, Mauretanien, Marokko, Senegal, Sierra Leone und Togo dreht Filmprofi Lena eigentlich nur für private Zwecke. Das Paar führt ein Videotagebuch und schneidet kurze Youtube-Videos für die Freunde daheim.

Filme machen kostet

Lena: „Ich hatte überlegt, einen Fotoband zu machen oder ein Buch zu schreiben – an einen Film habe ich überhaupt nicht gedacht.“ Erst nach der Rückkehr nach Hamburg zeigen sie das Rohmaterial einem Regisseur. Der ist begeistert und drängt sie zur Filmproduktion. Das Paar trommelt ein Team zusammen und ruft eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung ins Leben.

Lena: „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir gemerkt haben, was Filmmachen kostet.“ Nach einem dreiviertel Jahr intensiver Arbeit flimmert das Ergebnis jetzt über die Leinwand. Und das Buch hat Lena am Ende auch noch geschrieben. Eine Liste der Kinos in denen „Reiß aus“ läuft, findet sich auf www.reissausderfilm.de

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