Zwangsarbeit: Es hat sie gegeben

Hildegard Lunau blickt auf ihre Dokumentation über Zwangsarbeit in Halstenbek. Das Heft kostet zehn Euro und ist ab Montag, 10. September, in der Buchhandlung Cremer erhältlich.
1 von 2
Hildegard Lunau blickt auf ihre Dokumentation über Zwangsarbeit in Halstenbek. Das Heft kostet zehn Euro und ist ab Montag, 10. September, in der Buchhandlung Cremer erhältlich.

Baumschulen: Hildegard Lunau, Leiterin der Halstenbeker Geschichtswerkatt, legt Dokumentation vor / Fundament für künftige Forschung

von
31. August 2018, 16:00 Uhr

Zufall oder nicht? Während am Sonntag, 9. September, kreisweit am „Tag des offenen Denkmals“ Institutionen zu diversen Veranstaltungen und Aktionen einladen, erinnert auch die Geschichtswerkstatt Halstenbek an ihre Geburtsstunde vor einem Vierteljahrhundert. Gründungsmitglied und Vorsitzende Hildegard Lunau hat sich und der Nachwelt für das Jubiläum ein besonderes Geschenk gemacht: Nach etwa zehn Jahren Recherche stellt die 82-Jährige an diesem Tag ihre neue Dokumentation „Zwangsarbeit in Halstenbek. 1940 bis 1945“ vor.

Es sei ein „Versuch einer Dokumentation“. Darauf pocht die Amateur-Historikerin vehement. Doch nach der Lektüre der Broschüre mit einem Umfang von 63 Seiten dürfte eines feststehen: Der 1936 geborenen Tochter aus der Halstenbeker Baumschulendynastie Helms ist ein großer Wurf gelungen.

Lunau war sich von Anfang an bewusst, dass sie während ihrer Recherchen große Hürden überwinden musste. Sie musste erschlossene oder vernichtete Archivbestände, gerade aus der NS-Zeit akzeptieren. Das große Vergessen, das Schweigen der Zeitzeugen und Verantwortlichen ertragen.

Doch Lunau ist nach Abschluss ihrer Arbeit überzeugt: „Es kann keiner mehr sagen, bei uns war nichts.“ Dafür hat sie – unsere Zeitung durfte exklusiv einen Blick auf die „gelüfteten“ Dokumente werfen – so überzeugende Beweise gesammelt, dass ein Leugnen nicht mehr möglich ist. Ein nicht vernichteter Ordner aus Lunaus Familienarchiv lieferte letztendlich unbestechliche Beweise: Dokumente der „Gruppe Reichsverband der Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe“ bestätigen, dass der Verband für den Einsatz von Zwangsarbeitern in den Baumschulen zuständig war.

Mehr als 1000 von ihnen – zumeist junge Frauen aus Polen – fristeten in Halstenbek ein beschwerliches Leben. Lunau konnte mit Hilfe des Suchdienstes in Bad Arolsen etwa 100 mit Namen benennen. Drei junge Frauen waren von 1941 bis 1945 auch für ihre Familie tätig. Henryka Wyrzykowska hieß eine von ihnen. Mit der Tochter Jadwiga Michalska hat Hildegard Lunau später Kontakt gehabt.

Das Programm am „Tag des offenen Denkmals“ in Halstenbek: Villa Halstenbek, Am Lüdemannschen Park 2, geöffnet von 11 bis 13 Uhr Empfang der Geschichtswerkstatt, Vortrag zur Geschichte der Gemeinde; Vorstellung der Dokumentation über Zwangsarbeit.

kreis-pinneberg.de

hamburg.de/offenes-denkmal

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen