Eulenpopulation : Zuwachs bei den Eulen im Kreis Pinneberg

Dirk-Peter Meckel ist Experte für Steinkäuze (links) und Schleiereulen (rechts).
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Dirk-Peter Meckel ist Experte für Steinkäuze (links) und Schleiereulen (rechts).

Es gibt mehr Schleiereulen und Steinkäuze als noch 2016. Es werden Gebietsbetreuer gesucht.

shz.de von
10. Januar 2018, 14:30 Uhr

Kreis Pinneberg | Nachdem 2016 für die Schleiereule in Schleswig-Holstein ein ausgesprochen schlechtes Jahr war, zählten die Gebietsbetreuer landesweit 2017 immerhin wieder 258 Schleiereulen-Bruten (2016 waren es lediglich 157). Auch im Kreis Pinneberg gab es einen Anstieg – wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Nachdem 2016 nur sechs Bruten gezählt wurden, konnten 2017 sieben Brutpaare nachgewiesenen werden. Zwei in Raa, zwei in Neuendeich, jeweils eines in Groß-Offenseth, Bevern und Osterhorn. Die Höchstzahl mit fünf Eiern gab es in Neuendeich. Insgesamt wurden 2017 kreisweit 16 Jungeulen erfasst, vier mehr als im Vorjahr. 

„Aufgrund eines Mangels an Gebietsbetreuern, von Kontrollausfällen und nur relativ wenigen 88 betreuten Nistkastenstandorten ist der kontrollierte Schleiereulen-Bestand nicht als Realbestand des Kreises anzusehen“, sagt Dirk-Peter Meckel vom Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein, der als Projektleiter Schleiereule und Steinkauz betreut. „Der Kreis ist leider auf die Westküste bezogen unterrepräsentiert.“ Meckel weist außerdem auf die ergiebigen Regenfälle im Herbst und Winter mit „den durchnässten Böden und den stark eingeschränkten Jagdmöglichkeiten der Eulen mit Kleinsäugereinbußen“ hin.

Scheinen und Kirchtürme als Zuhause

Die taubengroße Eule mit ihrer charakteristischen herzförmigen Gesichtsmaske ist ein Kulturfolger, der sich eng an menschliche Siedlungen angeschlossen hat. Scheunen und Kirchtürme dienen ihr als Schlaf- und Nistplatz. Offenes Kulturland mit ganzjährig kurzer Vegetation ist ihr bevorzugtes Jagdgebiet. Durch den zunehmenden Grünlandumbruch verringert sich der Anteil der für die Nahrungssuche der Eulen so wichtigen Dauergrünlandflächen, auf denen sich Feldmäuse zu Hause fühlen.

Auch Steinkauz-Liebhaber müssen im Kreis Pinneberg schon sehr genau hinschauen, um einen der kleinen Vögel zu sichten. Immerhin stieg die Zahl der Steinkauz-Bruten von neun im Jahr 2016 auf zehn Brutpaare im Kreis. „Leider gab es vier Brutaufgaben, alle in Bokel“, so Meckel. Bokel ist der Steinkauz-Hotspot im Kreis Pinneberg. Sechs Brutpaare zählten hier die Eulenexperten, wovon allerdings nur zwei erfolgreich waren. Weitere Bruten gab es in Hohenfelde, zwei in Brande-Hörnerkirchen, und erstmalig auch eine in Lutzhorn.

Ruf- und Sichtbeobachtungen

Neue Ruf- und Sichtbeobachtungen gab es weiterhin in den Gemeinden Osterhorn, Lutzhorn, Bokel. „Die alten Steinkauz-Lebensräume der Pinnau- und Krückauniederungen sowie der Haseldorfer- und Wedelermarsch scheinen verwaist, von den alten langjährigen Brutstandorten Alveslohe, Quickborn, Sparrieshoop, Heede, Bevern, Nützen, Appen, Tornesch, Barmstedt, Hasloh und Bokholt-Hanredder gibt es momentan keine Nachweise mehr“, erklärt Meckel. Hier soll eine fachgerechte Erkundung neue Erkenntnisse bringen. „Aber es mangelt an kompetenten erfahrenen Gebietsbetreuern.“

Der Vogel mit dem bräunlichen, weiß gefleckten Gefieder, den gelben Augen und dem sich ständig wiederholendem „Guuuhk-Ruf“ ist kaum größer als eine Amsel und damit deutlich kleiner als Waldkauz und Schleiereule. Der Steinkauz liebt den Dorfrandbereich, benötigt geräumige Bruthöhlen, extensiv bewirtschaftete Flächen mit ganzjährig kurzer Vegetation, eingestreuten großen Bäumen und Viehbeweidung. Er ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern, Insekten und Regenwürmern.

Für die Kontrolle von Eulen-Nisthilfen sucht der Landesverband weitere Gebietsbetreuer. „Nistkästen und weiteres Material werden den Betreuern kostenlos zur Verfügung gestellt“, erklärt Dirk-Peter Meckel. Der Eulenexperte bietet Interessierten auch den Diavortrag „Heimische Eulenwelt – Faszination unserer Natur“ mit praktischem Anschauungsmaterial an. Zu erreichen ist Meckel unter der Telefonnummer 04892 – 85 94 06 (werktags ab 18 Uhr) oder per E-Mail unter Peter.Meckel@freenet.de.
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