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Ein neues „Bündnis gegen Armut“ : Zusammenschluss von Gewerkschaften und Verbänden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Am Sonnabend, 29. April gibt es zu dem Thema einen Aktionstag in Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 12:20 Uhr

Elmshorn | 3022 Euro brutto pro Monat, so hoch lag der deutsche Durchschnittsverdienst 2016. Umgerechnet 18,40 Euro pro Stunde, das klingt vielleicht gar nicht mal schlecht. Wer mit diesem Einkommen nach 40 Jahren in Rente geht, erwartet wohl eine angemessene Rente – und irrt damit: Beim politisch angepeilten Rentenniveau von 43 Prozent des letzten Nettoeinkommens beträgt die gesetzliche Rente dann laut Rentenrechner der Gewerkschaft Verdi im Internet gerade mal 974 Euro. Das liegt gerade mal knapp über der heutigen Grundsicherung.

Mitglieder im Bündnis gegen Armut im Kreis Pinneberg sind: Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Pinneberg, der DGB Kreisverband Pinneberg, der Arbeitskreis Senioren in der IG Metall Unterelbe, der Ver.di Bezirk Pinneberg-Steinburg, der Sozialverband Deutschland Kreisverband Pinneberg und das Elmshorner Spendenparlament.

Armut und Altersarmut sind keine Randthemen, die nur wenige betreffen. Gerade beim Thema Rente wird es viele erwischen, die sich in Sicherheit wiegen, sagt Kai Trulsson, Geschäftsführer der IG Metall Unterelbe: „In Betrieben glauben viele, dass sie nicht betroffen sind.“

Trulsson will Menschen mobilisieren und beim Thema „Armut“ politischen Druck aufbauen. Das will Peter Brandt auch, der Vorsitzende des Pinneberger Kreisverbands des DGB. Die beiden haben sich mit weiteren Organisationen zusammengeschlossen und das „Bündnis gegen Armut“ im Kreis Pinneberg gegründet. Gewerkschaften, Sozialverbände, das Elmshorner Spendenparlament und im weiteren Kreis verschiedene Kirchengemeinden unterstützen das Anliegen.

Mit einem „Aktionstag gegen Armut und Altersarmut“ wird das Bündnis am Sonnabend, 29. April, erstmals an die Öffentlichkeit treten. Von 10 bis 13 Uhr wollen die Aktiven auf dem Alten Markt in Elmshorn informieren. Um 12 Uhr soll das „Denkmal des zufriedenen Rentners“ enthüllt werden. Die Organisatoren hoffen, dass sie mit Live Musik, Kurzfilmen und Aktionen vor allem junge Leute erreichen. Im Juni und im Vorfeld der Bundestagswahl im September sollen weitere öffentliche Veranstaltungen folgen.

Arm sein bedeutet in Deutschland nicht, dass jemand vom Verhungern bedroht ist. Offiziell ist darum von „relativer Armut“ die Rede. Trulsson erklärt, was das heißt: „Sozial ausgegrenzt zu sein, weil man nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann“. Brandt nennt Beispiele: „Wenn Kinder keine Geburtstage feiern oder nicht an Klassenreisen teilnehmen können.“ Statistisch lautet die Definition: In Deutschland ist armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des Einkommensmedians bekommt; diese Grenze liegt für einen Alleinstehenden bei 942 Euro verfügbarem Einkommen monatlich, erklärt Hans-Jürgen Damm, der Vorsitzende des Awo-Kreisverbands.

Kai Trulsson, Geschäftsführer IG Metall Unterelbe.
Kai Trulsson, Geschäftsführer IG Metall Unterelbe. Foto: Jann Roolfs
 

Die Awo macht im Bündnis gegen Armut mit. Damm kennt die Betroffenen aus der Beratungspraxis. Ein Beispiel ist die Teilhabe von Hartz-IV-Kinder: Für die gibt es extra Zuschüsse, damit sie an Bildungsangeboten zum Beispiel im Sportverein teilnehmen können; aber um diese Zuschüsse zu bekommen, muss ein umfangreicher Antrag ausgefüllt werden: „Gerade diese Eltern sind oft nicht dazu in der Lage.“

Bildung und Armut hängen zusammen, das zeigen verschiedene Untersuchungen. Kinder armer Eltern machen schlechtere Schulabschlüsse. Als geringer Qualifizierte sind sie später selbst besonders gefährdet, in Armut abzurutschen. Kai Trulsson verweist auf Untersuchungen der OECD, denen zufolge es in keinem anderen westlichen Industrieland so schwierig sei, aus dieser Spirale herauszukommen.

Die Forderungen des „Bündnisses gegen Armut“, wie die Politik gegensteuern soll, sind nicht neu: mehr Sozialwohnungen, bessere Bildungsangebote vor allem für sozial Schwache und eine Rentenreform, bei der mehr Menschen in die Kassen einzahlen und mehr Einkommen und Vermögen angerechnet werden. Als Vorbilder nennt Kai Trulsson die Nachbarländer Österreich und Schweiz.

Damit etwas in Bewegung kommt, ist allerdings entscheidend, dass das Thema Armut breiter diskutiert wird und mehr Menschen sich darum kümmern. Denn es geht viele an, erklärt der Gewerkschafter: „Zwischen gutem Job und Hartz IV
liegen manchmal nur zwölf Monate“.

Den Renten-Rechner finden Sie unter: rente-staerken.verdi.de

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