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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 23:01 Uhr

Praxisschulen : Zum Unterricht in den Betrieb

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Gemeinschaftsschulen in Quickborn, Pinneberg und Rellingen richten Praxisklassen ein. Es gab bereits eine vierjährige Erprobungsphase an CSQ.

von
erstellt am 24.Mai.2014 | 14:30 Uhr

Quickborn | Auf welchem Weg kommen Lebensmittel in den Supermarkt. Wie funktioniert ein Auto-Motor? Oder welche Rolle spielt Mathematik in einer Bäckerei? Das sind Fragen, die nicht auf dem Lehrplan von Schulen stehen. Zum Unterricht in den Betrieb – dieses neues Bildungsangebot gibt es ab dem Schuljahr 2014/2015 in ganz Schleswig-Holstein für Schüler des 8. und 9. Jahrgangs an Gemeinschaftsschulen. Denn dann greift das neue Schulgesetz.

Gleich an drei Standorten von Gemeinschaftsschulen im Kreis Pinneberg werden sogenannte Praxisklassen zu finden sein. An jeder Schule eine. Mit dabei sind das Schulzentrum Nord in Pinneberg, die Caspar-Voght-Schule in Rellingen und die Comenius-Schule Quickborn (CSQ).

Letztere kann bereits eine vierjährige Erprobungsphase dieses Bildungsmodells vorweisen. Deswegen kamen Kollegen aus Pinneberg und Rellingen diese Woche zu einem Treffen nach Quickborn, um sich auszutauschen und Anregungen zu bekommen. „Bei uns ist das Modell unter dem Namen Produktives Lernen bekannt. Es freut uns, dass es jetzt landesweit übernommen wird“, sagte Birgit Schmalmack, Koordinatorin der Comenius-Schule. Als erste Bildungseinrichtung in Schleswig-Holstein hatte die Comenius-Schule das Projekt, auch kurz PL genannt, eingeführt, das landesweit Schlagzeilen machte.

Das Konzept des Produktiven Lernens hatte die Quickborner Regionalschule aus Berlin importiert, wo dies bereits seit Jahren gute Erfolge mit schwierigen Schülern erzielt. Das A und O des Projekts ist, dass Schüler der achten und neunten Klasse nur noch zwei Tage die Woche in die Schule kommen. Die anderen drei Tage sind sie im Betrieb – an „Praxis-Lernorten.

Im Wesentlichen wird das Modell von den Gemeinschaftsschulen jetzt eins zu eins übernommen. Einzige markante Änderung: „In den Praxisklassen sind die Schüler drei Tage in der Woche in der Schule und zwei im Betrieb. Das wurde so beschlossen“, erläuterte Schmalmack.

Alles andere ist gleich geblieben: Innerhalb von zwei Jahren besuchen die Schüler bis zu sechs Betriebe, in denen sie in der Regel jeweils bis zu drei Monate bleiben. „Die Schüler suchen sich den Betrieb selbst aus“, so Schmalmack. Außerdem werden sie vor Ort von Lehrern besucht, die Aufgaben mit ihnen direkt aus der Praxisumgebung suchen, sie mit ihnen besprechen und die Ergebnisse kontrollieren. Auch Mentoren sollen sich um die Jungen und Mädchen kümmern. „Die Mentoren sind Praktikumsbetreuer aus den Betrieben.“ Des Weiteren werden die Lehrkräfte von einem Coach für sozialpädagogische Arbeit unterstützt.

Schmalmacks Kollegen sind von der Wirksamkeit der Praxisklassen überzeugt: „Es richtet sich an die Schüler, die mit fünf Tagen Theorie überfordert sind und nicht genügend orientiert sind. Ihnen wird gezeigt, wie ein Betrieb funktioniert“, sagte Dirk Ziegenhagen, Koordinator an der Caspar-Voght-Schule. „Wenn ein Schüler beispielsweise in einem Betrieb etwas über den Satz des Pythagoras hört, kann er zum Mathelehrer gehen und ihn bitten: Können Sie mir das beibringen“, nannte er ein Beispiel.

In die Klasse sollen Schüler aufgenommen werden, deren Abschluss gefährdet ist, deren Leistungspotenzial aber erwarten lässt, dass sie ihre schulische Ausbildung bei einem stärkeren betrieblichen Praxisbezug zu einem erfolgreichen Abschluss führen können, ohne dass sich dabei die Schulzeit verlängert“, erläuterte Wolfgang Neumann, Kreiskoordinator für Berufsorientierung. Das wäre dann der Allgemeine Bildungsabschluss, der ehemalige Hauptschulabschluss.

„Unsere Erfahrungen an der CSQ sind sehr positiv: Bis zu 80 Prozent der Schüler einer Klasse schaffen den Übergang direkt in die Ausbildung“, resümierte Schmalmack.

Bewerbungen werden an der Comenius-Schule in Quickborn (www.csquickborn.de) und an der Caspar-Voght-Schule (www.caspar-voght-schule.de) bis zum 31. Mai und am Schulzentrum Nord (www.sznord.de) bis zum 12. Juni entgegengenommen. An der Caspar-Voght-Schule, Schulweg 2 - 4, gibt es am Montag, 26. Mai, ab 19 Uhr, und am Schulzentrum Nord, Schulenhörn 40, am Mittwoch, 4. Juni, ab 19 Uhr einen Infoabend zum Thema Praxisklassen. Die CSQ bietet in diesem Jahr keinen Infoabend an.
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