zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 00:03 Uhr

Zuhören, begleiten und verstehen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ehrenamtliche Mitarbeiter des DRK kümmern sich um Senioren, die im Alltag Hilfe benötigen / Chemie muss von Beginn an stimmen

von
erstellt am 16.Jan.2014 | 15:46 Uhr

Wenn Heike Busemann (57) anruft, ist das größte Hindernis überwunden: die Scheu nach Zuwendung zu fragen. Seit mehr als drei Jahren betreut die langjährige Krankenschwester der Wedeler Regioklinik ehrenamtlich Holmer, die im Alter Unterstützung brauchen. Fünf Menschen hat sie mit ihrem „Besuchsdienst“ seitdem begleitet. „Durch meine Krankenhausarbeit liegen mir alte Leute am Herzen“, sagt Busemann.
Die Kinder waren aus dem Haus, Hund Terry verstorben und statt Nachtschichten zu schieben, arbeitet die gelernte Bürokauffrau, die vor 23 Jahren zur Krankenschwester umlernte, seitdem halbtags in der Krankenhausverwaltung.

Für die gebürtige Ostfriesin die seit 30 Jahren in Holm lebt, bedeutete das Zeit fürs Ehrenamt. Zuerst hatte sie das Rissener Kinderhospiz Sternenbrücke im Sinn. Doch: „Wenn man schon mal auf dem Dorf wohnt, sollte man auch da was tun“, dachte sich Busemann. Eigens dafür trat sie in das DRK ein.

Die Scheu, sich bei Busemann zu melden, ließ ihren neuen „Besuchsdienst“ zunächst schleppend anlaufen. „Ältere Herrschaften versuchen bis aufs Letzte alles selbst. Ich glaube, das ist eine Generationenfrage“, sagt Busemann. Sich einzugestehen, dass man nicht mehr vollständig allein zurecht kommt – das sei natürlich auch nicht einfach.

Bisher lief die Vermittlung stets über den DRK-Vorstand und dessen Vorsitzende Cornelia Frohnert. Wichtig ist Busemann: Die Chemie muss beim ersten Treffen stimmen. Das hat sie bisher immer. Busemann fragt nach den Wünschen und Bedürfnissen der Senioren und macht Vorschläge, was man gemeinsam tun kann.

Zwar ist die Holmerin eine erfahrene Krankenschwester, aber ihr Angebot ist kein Pflegedienst, sondern eine Möglichkeit menschliche Zuwendung gegen Einsamkeit zu spenden. „Dass jemand da ist“, sagt Busemann - darum gehe es. Sie begleitet die Senioren zum Arzt oder nimmt den schwer fallenden Weg in ein Pflegeheim oder betreutes Wohnen mit ihnen in Angriff. Oder Busemann geht mit den Senioren einfach spazieren und nimmt ihnen so die Furcht davor, den Rollator nicht aus dem Keller zu bekommen. „Es kann auch mal sein, dass ich jemanden ins Bett bringe“, sagt Busemann. Das Wichtigste sei aber vor allem, Zeit miteinander zu verbringen. „Ich kenne dann die ganze Lebensgeschichte und es wird über das vergangene Leben philosophiert“, sagt die DRKlerin.

Neben ihrem „Besuchsdienst“ ist Busemann auch tatkräftig bei den Holmer DRK-Veranstaltungen dabei: bei den monatlichen Kaffee- und Spielnachmittagen, den Blutspendeaktionen oder dem Erbsensuppenkochen zum Ernte-Dank-Fest. „Vor drei Jahren habe ich noch nicht so viel über Holmer Bürger gewusst“, sagt Busemann. Wenn jeder von sich aus ein bisschen Zeit abgeben würde, wäre die Welt etwas besser, findet sie. Die DRK-Frau vermutet weiteren Bedarf für ihren „Besuchsdienst“. Kapazitäten hat Busemann jedenfalls noch. ■ drkovholm.drkcms.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen