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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 08:09 Uhr

Pinneberg : Zu wenig Platz für Obdachlose

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Unterkünfte der Stadt sind überfüllt. Jetzt soll die Verwaltung ein Konzept zur Unterbringung von Wohnungslosen erstellen.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Die Botschaft der Politik war deutlich: Einstimmig forderten die Fraktionen im Sozialausschuss die Verwaltung auf, ein umfassendes Konzept zur Unterbringung von Obdachlosen in der Kreisstadt zu erstellen.

„Wir haben keine Ahnung, wo wir stehen“, begründete Dieter Tietz (SPD) den entsprechenden Antrag seiner Fraktion. Der Haushalt 2014 sieht momentan 790.000 Euro für die Sanierung von städtischen Unterkünften für Wohnungslose vor. Die Politik will diese Summe vorerst mit einem Sperrvermerk belegen. Die Parteien möchten vor allem wissen, ob neue städtische Unterkünfte gekauft oder gebaut werden müssen. Tietz: „Oder reicht es aus, zeitweilig zusätzliche Räume zu mieten?“

Im Gespräch mit Herrn Rose vom Ordnungsamt wurde den Politikern klar: Die Situation an der Pinnau ist ernst. 175 Obdachlose müsse die Stadt momentan beherbergen, so Rose. Mehr als die Hälfte davon sind Asylbewerber. Alle 14 Tage bekomme Pinneberg vier bis zehn neue Menschen zugewiesen, die in Deutschland Asyl suchen. „Wir sind vollkommen ausgelastet und müssen Menschen kurzfristig in Hotels unterbringen.“ Außerdem greife die Stadt auch auf private Vermieter zurück. Rose: „Die verlangen aber teilweise bis zu zwanzig Euro pro Person und Tag.“ Der Sanierungsbedarf an stadteigenen Objekten verschärfe die Situation. Die Häuser und Wohnungen befänden sich teils in einem schlechten Zustand, sagte Rose. „Wenn Zimmer verschimmelt sind, können wir aus gesundheitlichen Gründen ja keine Menschen dort wohnen lassen.“

Auch immer mehr junge Menschen klopfen bei der Stadt an. „Das sind oft junge Erwachsene, die von ihren Eltern rausgeworfen werden“, sagte Rose und betonte: „Wir können dann ja nicht einfach ein 18-jähriges Mädchen in einer großen Obdachlosenunterkunft wohnen lassen.“ Der Mitarbeiter des Ordnungsamts sagte: „Es ist ein schwieriges tägliches Geschäft.“ Mit Entlastung sei in nächster Zeit jedoch nicht zu rechnen.

Ein weiteres Problem: Die Stadt Pinneberg muss sich nur um eigene Bürger kümmern, die ihre Wohnung verlieren. Rose: „Wir nehmen niemanden aus den umliegenden Orten an – sind aber die einzigen, die sich an diese Regel halten.“ Die Umlandgemeinden würden regelmäßig Obdachlose und zugeteilte Asylbewerber in gemieteten Pinneberger Wohnungen und Hotels unterbringen. „Diese Plätze fehlen uns dann“, so Rose. Platz für Wohncontainer, wie es Wedel oder Halstenbek praktizieren, habe die Kreisstadt nicht.

Bernd Hinrichs (CDU) betonte: „Pinneberg geht hier regelmäßig an seine finanziellen Grenzen.“ Tietz beteuerte, die Politik sei bereit Geld in die Hand zu nehmen. „Dafür müssen aber erstmal alle Fakten auf den Tisch.“ Bürgermeisterin Urte Steinberg sagte, der Kommunale Servicebetrieb werde ein Sanierungskonzept für die städtischen Unterkünfte erstellen, die anderen Fachbereiche das Konzept ergänzen. „In der nächsten Sitzung des Sozialausschusses werden wir einen Statusbericht vorlegen“, versprach die Rathauschefin den Fraktionen am Dienstagabend.

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