Zu viele Pflegebetten stehen leer

Ungewissheit für die Senioren: Insgesamt sind von der Insolvenz des Hamburger Caritasverbands 665 Heimplätze betroffen.
Ungewissheit für die Senioren: Insgesamt sind von der Insolvenz des Hamburger Caritasverbands 665 Heimplätze betroffen.

Hamburger Caritasverband will weiteren Betrieb seiner fünf insolventen Einrichtungen sicherstellen

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12. März 2014, 17:52 Uhr

Fünf Heime der katholischen Caritas Hamburg hat Insolvenz angemeldet. Der Grund: In der Hansestadt Hamburg gibt es ein Überangebot an Pflegebetten. Das macht den Betreibern vieler Pflegeeinrichtungen zu schaffen.

„Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, so Maria-Theresia Gräfin von Spee, Direktorin des Caritasverbandes für Hamburg. Trotz großer Anstrengungen im vergangenen Jahr, die Situation nachhaltig zu verbessern, hätte der Verdrängungswettbewerb im wirtschaftlichen Umfeld von Pflegeeinrichtungen nicht aufgefangen werden können. Zum Ende des Jahres 2013 habe sich die wirtschaftliche Situation derart zugespitzt, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte.

Insgesamt gebe es rund 17 800 stationäre Pflegeplätze in der Hansestadt, so Rico Schmidt, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Zehn Prozent davon seien derzeit nicht belegt. „Die Kosten, die durch freie Plätze für eine Pflegeeinrichtung anfallen, sind enorm“, erklärt Caritas-Sprecher Timo Spiewak. Eine Auslastung von 95 Prozent sei notwendig, um ein Heim wirtschaftlich zu führen.

„Dass es ein Überangebot an Pflegebetten gibt, ist keine neue Erkenntnis, sondern seit vielen Jahren bekannt. Ich habe bereits 2011 darauf hingewiesen“, erklärt dazu Kersten Artus, pflegepolitische Sprecherin der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Daher ist es unverständlich, dass die Caritas ihr stationäres Pflegeangebot so vor die Wand fahren lässt.“ Aufgrund der demografischen Entwicklung werde der Bedarf an Pflegebetten in den nächsten Jahren auch wieder steigen. „Es hilft uns aber jetzt nicht, wenn 2018 mehr Pflegeplätze gebraucht werden“, sagt Caritas-Sprecher Spiewak.

Die Linken-Pflegepolitikerin fordert nun jedoch den Senat auf, umgehend mit allen Anbietern von stationären Pflegeangeboten eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen und zukünftigen Bedarfe zu ermitteln und ein Konzept vorzulegen, das Beschäftigten und Pflegebedürftigen eine stabile Zukunft bietet. „Eine Möglichkeit wäre die Umwidmung der Pflegekapazitäten in Tagespflegeplätze“, so Artus.

Auch Plätze im betreuten Wohnen seien sehr gefragt. „Neben den 445 stationären haben wir auch 220 Plätze im Servicewohnen“, sagt Spiewak. „Hier sind wir immer ausgelastet.“ Von der Insolvenz sind jedoch nun alle 665 Plätze betroffen.

Von Spee sagt den betroffenen Mitarbeitern und Bewohnern der Pflegeeinrichtungen zu, alles für eine möglichst schnelle Sanierung zu tun: „Wir wollen nun zusammen mit dem Insolvenzverwalter eine umfassende Bestandsaufnahme vornehmen und daraus nachhaltige Sanierungsmaßnahmen ableiten. Wichtig ist jetzt vor allem, den weiteren Betrieb der Einrichtungen zunächst sicherzustellen.“

„Über die endgültige Schließung einzelner Einrichtungen ist nicht entschieden. Dies kann zuverlässig erst nach der Vorlage eines Sanierungskonzeptes beantwortet werden und ist Sache der Caritas“, so Generalvikar Ansgar Thim, Verwaltungsleiter und Stellvertreter des Erzbischofs Hamburg.

Betroffen sind 290 Mitarbeiter und insgesamt 640 Bewohner im Bischof-Ketteler-Haus (Schnelsen), Elisabeth-Haus (Farmsen), Haus Johannes XXIII. (Lohbrügge), Haus St. Hildegard (Rothenburgsort) und Haus St. Theresien (Altona). Zur GmbH zählen außerdem die Berufsschule für Pflege in Eimsbüttel und die Mutter-Kind-Klinik Westfalenhaus (Timmendorfer Strand).

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