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Pinneberger Tageblatt

24. August 2017 | 12:50 Uhr

Zu viel Transparenz im Café Pino?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Papierstreifen auf den Tischen machen sichtbar, wer im Pinneberger Sozialcafé den vollen Preis zahlt / Anweisung des Jobcenters

Der Stein des Anstoßes ist ein unscheinbarer laminierter Papierstreifen. Wer ihn senkrecht auf den Tisch stellt, macht im Sozialcafé Pino an der Pinneberger Bahnhofstraße deutlich, dass er den vollen Preis für das warme Mittagessen zahlen kann. Eine Besucherin fühlt sich dadurch diskriminiert. Sie beziehe Arbeitslosengeld II. Jeder könne im Café sofort erkennen, dass sie den Sozialpreis in Anspruch nimmt, nur die Hälfte für ihr Essen hinlegt. Die Frau spricht von einer Zweiklassengesellschaft. Dabei stand das Pino immer für Integration. Die Bürgermeisterin sowie Ärzte und Anwälte aus der Umgebung speisten dort gemeinsam mit Menschen ohne festen Job.

Maren von der Heyde, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Hamburg-West/Südholstein, betont, das Pino handle auf eine Anweisung des Jobcenters hin. Der Grund: Das Café beschäftigt derzeit zehn sogenannte Ein-Euro-Jobber im Service. Die Langzeitarbeitslosen sollen durch die Tätigkeit im Café wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Damit das Jobcenter diese Menschen an das Pino vermittle, müssten gesetzliche Vorgaben eingehalten werden, so von der Heyde. „Wir müssen jedem Besucher klarmachen, dass es sich beim Pino nicht um ein normales Restaurant handelt, sondern um ein soziales Projekt.“

Gerold Mellem, Geschäftsführer des Jobcenters Pinneberg, bestätigt: „Die Ein-Euro-Jobber dürfen keine Arbeitsplätze vernichten.“
Darum müssten die Tätigkeiten gemeinnützig sein und nicht den Wettbewerb verzerren. Die Konsequenz ist für Mellem klar: „Die Ein-Euro-Jobber dürfen im Café Pino nur die Bedürftigen bedienen.“ Nur dann handle es sich um eine gemeinnützige Tätigkeit. Die genaue Umsetzung bleibe dem Café überlassen. Der Geschäftsführer des Jobcenters stellt klar: „Unser Ziel ist es nicht, ein soziales Projekt zu fördern. Wir wollen unsere Kunden – die Arbeitssuchenden – für den Arbeitsmarkt fit machen.“ Der Pressesprecher des Jobcenters, Jörg Kregel, sagt: „Wir wussten von Anfang an um den integrativen Charakter des Projekts.“ Allerdings habe man nicht damit gerechnet, dass so viele Normalzahler das Café besuchen. Ob die derzeitige Lösung diskriminierend sei? Kregel betont: „Wir wollen natürlich auch keine negative Kennzeichnung – aber eine Trennung der Aufgaben muss erfolgen.“

„Ohne die die Ein-Euro-Kräfte könnten wir den Betrieb nicht aufrechterhalten“, sagt von der Heyde. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Langzeitarbeitslosen nur Bedürftige im Café bedienen dürften. Um die Vollpreiszahler sollen sich die zwei Hauswirtschafterinnen in Festanstellung kümmern. Jahrelang versuchte man im Pino, diese Unterscheidung möglichst diskret zu handhaben. „Viele Gäste kannten wir ja sowieso“, erzählt von der Heyde. Bei neuen Besuchern habe man meist abgewartet, welcher Preis am Ende bezahlt wurden. „Wenn jemand, der den Sozialpreis zahlt ein zweites Mal zu uns kam, haben wir dann darauf geachtet, dass er von den Ein-Euro-Kräften bedient wurde.“ Die Vereinbarung über die Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern muss jedes Jahr neu verhandelt werden. Bei den Gesprächen für 2014 habe ein Mitarbeiter des Jobcenters Pinneberg darauf hingewiesen, dass in Zukunft eine schärfere Unterscheidung erfolgen müsse. „Diese Lösung ist noch nicht optimal“, räumt die Geschäftsführerin der Diakonie ein. Für Verbesserungsvorschläge sei man offen. „Es ist ein Kompromiss – aber wir wollen weiter alle Menschen in einem Raum sitzen haben“, so von der Heyde. Beschwerden vor Ort habe es noch nicht gegeben.

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erstellt am 28.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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