Ellerau : Zu Besuch bei Kühen und Ziegen

Ein Teppich auf der Weide? Richtig. Darauf können die Kinder Platz nehmen und sich vom Trecker über das Gras ziehen lassen. Auch das gehört zu einem Besuch auf dem Hof von Wulf Mette (Mitte), hier mit Bulldogge Johnny und Mischlingshündin Marie, dazu.
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Ein Teppich auf der Weide? Richtig. Darauf können die Kinder Platz nehmen und sich vom Trecker über das Gras ziehen lassen. Auch das gehört zu einem Besuch auf dem Hof von Wulf Mette (Mitte), hier mit Bulldogge Johnny und Mischlingshündin Marie, dazu.

Landwirtschaft: Wulf Mette öffnet seinen Ellerauer Hof regelmäßig für Gruppen und hatte gestern sehr junge Gäste

shz.de von
07. Juli 2017, 12:40 Uhr

Um mit Vorurteilen, falschen Darstellungen und Vorstellungen über die Landwirtschaft nachhaltig aufzuräumen, setzt der Ellerauer Milchviehbauer Wulf Mette auf Transparenz und sucht dafür den Kontakt zu Kindergärten und Schulen. Wer ihn besucht, erlebt einen gesunden und traditionell geführten landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem das Tierwohl im Mittelpunkt steht. Auch deshalb scheut der 40-Jährige die Öffentlichkeit nicht und hatte gestern eine Gruppe aus dem Ellerauer Kindergarten „Lilliput“ zu Gast.

„Kinder sind ein dankbares Publikum – offen und wissbegierig“, so Mette. Wer andere Menschen für seinen Beruf begeistern und Verständnis für die Arbeit wecken wolle, müsse möglichst früh beginnen. Riechen, hören, anfassen – der Landwirt setzt im Umgang mit den Kindern auf die Sinne. Auch gestern streifte er mit ihnen durch Ställe und Scheunen des mehr als 100 Jahre alten Hofs, immer begleitet von den beiden Hunden. Auch an seiner Seite: Mutter Heidrun, die die Kinder betreut.

Kälbchen bespaßen, Jungkühe füttern, mit den beiden jungen Ziegen und den sechs Wochen alten Hängebauchschweinen spielen – Mette ließ den Kindern freien Lauf. Inzwischen hat er den Kopf wieder frei für diese PR-Arbeit in eigener Sache. Anders als im vergangenen Jahr. Damals fiel der Milschpreis wegen des Embargos gegen Russland und dem Wegfall der Quotenregelung zeitweilig auf eine Marke um die 20 Cent. Seine Einnahmen brachen um 40 Prozent ein. „Wir konnten nur überleben, weil ich mir ein Polster zugelegt hatte.“ Davon lebte er und unterhielt seinen Hof.

Was ihn auch rettete: Der Hof mit den 100 Milchkühen verfügt über 113 Hektar Eigenland. Darauf baut er Mais für das Viehfutter an, aber auch Getreide und Raps. Mehr als die Hälfte nutzt Mette als Weideland für seine Tiere. Inzwischen hat sich die Situation wieder entspannt. „In diesem Monat liegt der Milchpreis bei 36  Cent.“ Auch in den finanziell schwierigen Monaten hat Mette an seinem Konzept festgehalten, verzichtete auf eine Reduzierung der Milchquote und sorgte für Nachwuchs im Kuhstall. Umgeben von den Tieren und einem gut funktionierenden Team – so will der Landwirt leben. Mut macht ihm auch, dass seine Öffentlichkeitsarbeit Früchte trägt. Familien aus der Nachbarschaft schauen regelmäßig auf seinem Hof vorbei, ebenso wie die Schulkinder, die schon mal mit ihrer Kindergartengruppe bei ihm zu Gast waren. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich auf dem Hof bewegen, freut ihn. Und auch der Umstand, dass so mancher Knirps geschickt im Umgang mit den Tieren ist.

Wulf Mette ist offen für Besuche von Schulklassen und Kitagruppen aus der gesamten Region. Aber auch Erwachsene sind willkommen. Wichtig ist eine Terminabsprache unter Telefon (01 72) 6 42 71 80.

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