„Zu Beginn standen wir ganz allein“

Ulrike Bues (Mitte) kümmert sich um die syrische Familie Sheiho.
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Ulrike Bues (Mitte) kümmert sich um die syrische Familie Sheiho.

Serie: Die Pinnebergerin Ulrike Bues engagiert sich für Geflüchtete / Aktuell betreut sie eine syrische Familie

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10. Januar 2018, 16:49 Uhr

Nach den großen Flüchtlingsströmen, der Registrierung und Unterbringung hat jetzt die Zeit der tatsächlichen Integration für die Geflüchteten begonnen, das Sprechen der deutschen Sprache, der Bezug einer eigenen Wohnung und der Arbeitsbeginn. Aber die Vorstellung, wie es laufen sollte, weicht manchmal von der Realität ab. Wie gelingt die Integration in Pinneberg? Heute spricht Ulrike Bues über ihre Erfahrungen bei der Integration von Geflüchteten.

Frage: Frau Bues, warum sind Sie so direkt auf die ersten Geflüchteten zugegangen und haben nicht, wie die meisten Helfer, in Kooperation mit Vereinen oder der Verwaltung agiert?
Ulrike Bues: Ende 2014 gab es noch keine Struktur der Geflüchtetenunterstützung, keinen Verein, dem wir uns hätten anschließen können. Ab Januar 2015 besuchten wir dann regelmäßig das neu eröffnete Café Pino.

Welche Erfahrungen haben Sie im Laufe der drei Jahre mit der Pinneberger
Verwaltung gemacht?
Meine Erfahrungen waren sehr unterschiedlich: Zu Beginn standen wir ganz allein da und erhielten keinerlei Unterstützung. Damals gab es in der Verwaltung keine spezielle Stelle, die sich der Geflüchteten annahm. In der Kommunalpolitik musste ich feststellen, dass sich der Unterstützungsprozess hinzog. Da wir nicht länger untätig warten wollten und ich durch meine Tätigkeit im Ausschuss Schule, Kultur und Sport von einer Unterkunft wusste, gingen mein Mann und ich dorthin und boten unsere Unterstützung an. 2015 kamen dann sowohl zahlreiche Geflüchtete als auch viele Ehrenamtliche dazu. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit mit den Vertretern der Verwaltung. Inzwischen gibt es außerdem die Stelle der Flüchtlingskoordinatorin. Mit Frau Kegel haben wir alle und ich persönlich, gute Erfahrungen gemacht.

Was fehlt in Pinneberg, damit die Integration optimal ablaufen kann?
Unbedingt Deutschkurse für alle. Ausreichend sozialer Wohnungsbau, der sowohl den Geflüchteten dient als auch anderen Menschen mit geringem Einkommen. Verständnis und Respekt von allen Beteiligten.

Welche Gesetze rund um Geflüchtete müssten verbessert oder neu etabliert werden, um die Integration optimal zu fördern?
Es müsste ein Gesetz geben, das Deutschkurse für Geflüchtete vom ersten Tag an verpflichtend macht, verbunden mit Möglichkeiten der Realisierung und Umsetzung.
Was hätte aus heutiger Sicht bezüglich der politischen Entscheidungen anders laufen müssen?
Kommunalpolitisch hätten erheblich schneller und früher Entscheidungen getroffen werden müssen, beispielsweise beim sozialen Wohnungsbau oder der Schaffung von Unterkünften. Uns allen ist viel Geld verlorengegangen, dadurch dass Geflüchtete in Hotels oder pensionsähnlichen Unterkünften für teures Geld untergebracht wurden.

Welcher Pinneberger Kommunalpolitiker hat sich, aus Ihrer Sicht, um die Integration der Geflüchteten am meisten verdient gemacht?
Joachim Dreher. Er hat sich in Redebeiträgen für Geflüchtete engagiert, bei der Verwaltung nachgefragt und WLAN in Wohnungen und an zentralen Orten installiert.

Wen betreuen Sie jetzt? Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Geflüchteten in Pinneberg?
Eine syrische Familie mit zwei Töchtern, die sechs und vier Jahre alt sind und einem 21-jährigen Neffen. Für die Zukunft der Geflüchteten wünsche ich mir Frieden im Heimatland. Außerdem neue Freiwillige und tatsächliche Integration. Das bedeutet Arbeit und Teilhabe an allen Facetten unserer Gesellschaft.

Glauben Sie, dass die Integration in Pinneberg gelingt?
Ich denke, dass dies in der zweiten oder dritten Generation gelingen kann.

Im nächsten Teil unserer Serie am Mittwoch, 17. Januar, kommen die Mitarbeiter der Stadtbücherei zu Wort. Die Einrichtung hat in den vergangenen zwei Jahren ihre Serviceleistungen und ihr Medienangebot für Menschen mit Migrationshintergrund erheblich erweitert.








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