zur Navigation springen

Robbenschutz auf Helgoland : Zoff zwischen Insulanern und Naturschützern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Verein Jordsand übernimmt den Robbenschutz auf der Helgoländer Düne. Die Bewohner fühlen sich übergangen.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 12:15 Uhr

Helgoland | Nachdem das Umweltministerium in Kiel angekündigt hat, dass sich der Verein Jordsand in Zukunft um den Robbenschutz auf der Helgoländer Düne kümmern wird, schlagen die Wellen auf der Insel hoch. Die Helgoländer fürchten Bevormundung vom Festland. „Die Wut muss raus. Warum erfolgte eine Übertragung der Aufgabe an den Verein Jordsand? Eine Insellösung wäre sinnvoller gewesen“, schreibt Frank Botter, ehemaliger Bürgermeister der Insel.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR), eine Behörde des Umweltministeriums, hatte mit Jordsand einen Vertrag geschlossen und dem Verein damit die naturschutzfachliche Betreuung der Düne übertragen. Der Vertrag gilt für drei Jahre und kann um jeweils sechs Jahre verlängert werden. Die Naturschützer sollen sich vor allem um die Robben kümmern.

Botter ist in Rage: „Wir sind es leid, immer mehr fremdbestimmt zu werden und wir werden es nicht hinnehmen, von Dritten Weisungen entgegenzunehmen, wie wir mit unserer Düne umzugehen haben.“ Das Landesamt habe ohne Rücksprache mit der Gemeinde Helgoland, aber unter Einbeziehung des Kreises Pinneberg eine vertragliche Vereinbarung getroffen, die den vitalen Interessen der Inselbewohner zuwiderlaufe.

Tourismusdirektor Klaus Furtmeier nimmt stellvertretend für Bürgermeister Jörg Singer, welcher im Urlaub ist, Stellung. Die geharnischte Wortmeldung Botters sei keine Einzelmeinung, sondern gebe die Stimmung vieler Insulaner wieder. „Wir arbeiten wirklich gut mit dem Verein Jordsand zusammen. Aber diesmal ist ihm ein dicker Kommunikationsfehler unterlaufen“, sagt Furtmeier. Auch die Naturschutzbehörde des Kreises hätte die Helgoländer informieren müssen. Für Furtmeier besonders bitter: Vier Tage vor der Unterzeichnung seien zwei Jordsand-Vertreter auf Helgoland gewesen. Von dem Betreuungsvertrag sei keine Silbe gesprochen worden. Die Jordsand-Leute hätten die Idee eines „Nationalparks Helgoland“ präsentiert. Dieser Vorschlag sei jedoch nicht Grund für das Zerwürfnis, sagt Furtmeier. Zwei Workshops mit dem Verein seien nun abgesagt worden.

Das LLUR versteht den Ärger nicht. „Es stimmt, wir haben die Gemeinde nicht informiert. Aber es geht um einen völlig normalen Betreuungsvertrag für ein Naturschutzgebiet. Jordsand kann nun Fördergeld beantragen. In der Praxis ändert sich auf der Düne nichts“, sagt Martin Schmidt, Sprecher der Behörde. „Keiner hat vor, die Touristen von der Düne zu holen.“

Furtmeier ist trotzdem besorgt: „Niemand will Jordsand von der Insel werfen. Aber im Landesnaturschutzgesetz ist davon die Rede, ,Maßnahmen des Naturschutzes nach Genehmigung durch die Naturschutzbehörde auszuführen’. Das ist meines Erachtens eine Exekutivklausel und ermöglicht unter Umständen auch einen Eingriff in die kommunale Selbstbestimmung.“

Die Kreisverwaltung als Naturschutzbehörde will sich raushalten. „Herr des Verfahrens ist das Land. Wir wurden zwar beteiligt, aber es war nicht unsere Aufgabe, darüber zu informieren“, sagt Oliver Carstens, Sprecher der Verwaltung. Die Zusammenarbeit mit Jordsand sei bisher ohne Probleme gewesen.

Der Verein scheint von dem Sturm, der von der Insel herüberbläst, überrascht zu sein. Er will kein Öl ins Feuer gießen. „Es hat bereits erste Gespräche mit Herrn Furtmeier gegeben. Wir wollen nun weiter mit der Gemeinde reden. Bis dahin geben wir keinen Kommentar ab“, sagt Jordsand-Geschäftsführer Thorsten Harder.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen