Kein Denkmalschutz mehr : Zoff um Turnerheim in Rellingen

Das mehr als 270 Jahre alte mit Reet gedeckte Turnerheim (Hohle Straße) ist eines der letzten Zeugnisse Rellinger Baugeschichte.
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Das mehr als 270 Jahre alte mit Reet gedeckte Turnerheim (Hohle Straße) ist eines der letzten Zeugnisse Rellinger Baugeschichte.

Grüne beklagen den fehlenden Denkmalschutz für das Gebäude an der Hohlen Straße. Rellinger Turnverein weist Befürchtungen ab.

shz.de von
07. August 2018, 16:30 Uhr

Rellingen | Das Thema erhitzt die Gemüter: Ein mehr als 250 Jahre altes Gebäude wurde aus der Liste des Denkmalschutzes entfernt – und soll dort auch nicht mehr aufgenommen werden. Es handelt sich um das Turnerheim des Rellinger Turnvereins (RTV). Konrad Wolf (Grüne), bürgerliches Mitglied im Rellinger Bauausschuss, macht das wütend. Er sehe keinen vernünftigen Grund, warum das Gebäude nicht wieder in die Liste aufgenommen wird. „Ich verstehe nicht, warum ein solch historisches Haus nicht weiterhin geschützt wird“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Er habe die Befürchtung, dass an dem Reetdachhaus Maßnahmen durchgeführt werden könnten, die den Charakter des Gebäudes verändern würden oder, dass das Gebäude sogar abgerissen werden könnte.

RTV sieht keinen Bedarf

Doch der Eigentümer, der RTV, sieht keinen Bedarf für Denkmalschutz. „Ich verstehe auch die ganze Diskussion nicht“, sagt Sven Schubert, Vorsitzender des Vereins. „Das Thema wurde offenbar in Ausschüssen behandelt, ohne uns hinzuzuziehen.“ Zudem sei das Denkmalschutzgesetz vor einiger Zeit erneuert worden. „In dem Zuge wurde auch unser Turnerheim von der Liste gestrichen. Ich denke, das Ministerium hat sich schon etwas dabei gedacht“, urteilt der Vorsitzende. Zuvor habe es zwei Listen gegeben, das Vereinshaus habe auf der Liste mit eingeschränktem Schutz gestanden. „Nach der Reform ist nur noch der komplette Denkmalschutz möglich“, sagt Schubert. Mit diesem Schutz gingen strenge Auflagen einher – auch verbunden mit Kosten. „Wir dürften an dem Gebäude nichts mehr verändern – auch keine Instandhaltungsmaßnahmen durchführen – ohne Anträge zu stellen. Das geht ins Geld.“ Großartige Veränderungen wolle der Verein ohnehin nicht durchführen. „An so etwas oder gar an einem Abriss des Gebäudes haben wir kein Interesse“, stellt der Vereinsvorsitzende klar. Diesbezüglich seien auch Gespräche mit der Verwaltung geführt worden.

Keine Steine in den Weg legen

Laut Klaus Einfeldt habe die FDP dagegen nichts einzuwenden und möchte nicht in das Thema „reinreden.“ Der Vorsitzende der Partei, sagt dazu: „Wir möchten dem Verein keine Steine in den Weg legen und hohe Kosten, die anfallen würden, ersparen.“

Die Fraktion der SPD sieht die Sachlage ebenso. „Wir sind für den Erhalt des Turnerheims. Es ist ein wunderschönes Gebäude“, sagt Fraktionsvorsitzender Gunnar Koltzk. „Im Zuge der letzten Sitzung haben wir aber auch zugestimmt, das Ganze nicht weiter zu verfolgen, solange der RTV, also der Eigentümer, dagegen ist, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Wir möchten dem Turnverein keine Entscheidungen wegnehmen, ihn nicht bevormunden“, führt er weiter aus. „Wir schenken dem RTV den Glauben, dass sie das Gebäude nicht abreißen oder anderweitig großartig verändern wollen. Gegen den Verein zu arbeiten, das wäre wie das Pferd von hinten aufzuzäumen.“ Auch die CDU zieht mit. Dieter Beyrle, Chef der Fraktion, erklärt: „Wir haben vollstes Vertrauen, dass der RTV das Gespräch mit der Politik suchen wird, sofern Dinge anstehen, die das Gebäude in der Hohlen Straße betreffen. Natürlich liegt uns das Gebäude am Herzen.“

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