Vorwurf der Kriegsverherrlichung : Zoff um illuminiertes Kriegsdenkmal in Pinneberg

Die NS-Säule mit dem gen Himmel gerichteten Schwert wird seit kurzer Zeit beleuchtet – die Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ möchte „kein Licht für Kriegsverherrlichung“.
Die NS-Säule mit dem gen Himmel gerichteten Schwert wird seit kurzer Zeit beleuchtet – die Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ möchte „kein Licht für Kriegsverherrlichung“.

Eine Initiative will das umstrittene Bauwerk am Bahnhof Pinneberg am 30. Januar verhüllen. Nun reagiert die Stadt reagiert.

von
24. Januar 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Jochen Hilbert von der Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ ist auf der Zinne. Seit der vor kurzem beendeten Sanierung ist die unter Denkmalschutz stehende Stele mit dem Schwert in der Nähe des Pinneberger Bahnhofs beleuchtet. Eine Glorifizierung für das einst vom NS-Regime erbaute Kriegerdenkmal, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Pinneberg erinnern soll, kritisiert Hilbert. „Das riesige – neuerdings beleuchtete – mittelalterlich anmutende Schwert auf dem Denkmal betont die Kriegsverherrlichung“, sagt er. Die Initiative stellt die teure Sanierung des Denkmals inklusive der neuen Beleuchtung in Frage. „Bis heute ist unbekannt, wer über die Sanierung und Beleuchtung entschieden hat und was das Ganze gekostet hat“, sagt er.

Die Initiative, zu der Künstler, Politiker und Kirchenvertreter gehören, plant für Dienstag, 30. Januar, eine Aktion. Um 18 Uhr soll das Kriegerdenkmal am Bahnhof Pinneberg verhüllt und farbig beleuchtet werden. Sie fordert damit eine Ergänzung des Kriegerdenkmals, um es zu einem Mahnmal zu machen. „Die Ergänzung soll verhindern, dass das Denkmal je wieder – wie ursprünglich – Krieg verherrlicht und für militaristisches und nationalistisches Denken und Handeln in Anspruch genommen werden kann“, betont Hilbert. Der engagierte Bürger redet Klartext: Das Denkmal trage die kriegsverherrlichende Inschrift „In unwandelbarer Treue zum Vaterland in der Hoffnung auf den Sieg ließen 312 Helden dieser Stadt ihr teures Leben auf dem Felde der Ehre“. „Die Inschrift beschwört den angeblichen Geist der toten Soldaten, die jedoch in einem grauenhaften Krieg umkamen und noch als Tote instrumentalisiert worden sind“, führt Hilbert aus.

Der Grundstein des Denkmals wurde am 20. April 1934 gelegt – am Geburtstag von Adolf Hitler. Der Bahnhofsvorplatz hieß damals Adolf-Hitler-Platz, erinnert Hilbert. „Es ist das einzige Denkmal, das im Raum Pinneberg in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft für die im Ersten Weltkrieg umgekommenen Soldaten errichtet wurde. Die Soldaten wurden von den Erbauern für deren nationalsozialistische Ideologie vereinnahmt“, sagt er. Nach 1945 sei lediglich das Hakenkreuz aus den Klauen des Adlers entfernt und durch ein eisernes Kreuz ersetzt worden. „Ansonsten blieb das Denkmal unverändert und unkommentiert“, kritisiert er.

Das Kriegerkultmal, wie Hilbert es nennt, sorgte im vergangenen Jahr bereits für mächtig Diskussionsstoff. Eine Gruppe engagierter Bürger hatte die Debatte angestoßen. Am 20. Juli 2017 hatte die Ratsversammlung die Ziele der Initiative mehrheitlich unterstützt und die Bildung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die darüber diskussieren solle, wie und in welcher Form eine Kommentierung des Bauwerks umgesetzt werden könnte. Bislang habe aber noch kein Gespräch stattgefunden, was Hilbert bedauert.

Hilbert machte allerdings im Gespräch mit unserer Zeitung auch klar: „Wir wollen Geschichte nicht vergraben sehen. Wir wollen Denkmalschutz.“ Die Initiative spreche sich deshalb, was die Gestaltung eines Gegenmahnmals betrifft, für einen künstlerischen Wettbewerb aus. „Das wird von der offenen Denkmalschutzbehörde unterstützt“, sagt Hilbert.

Unterdessen hat die Stadt gestern reagiert: „Da die Beleuchtung am Kriegerdenkmal am Bahnhof für Irritationen gesorgt hat, haben wir entschieden, dass diese kurzfristig ausgestellt werden soll“, sagte Rathaussprecherin Maren Uschkurat. Die Entscheidung, ob und in welcher Form das Denkmal zukünftig beleuchtet werden soll, könne dann gegebenenfalls in der Arbeitsgruppe besprochen werden. „Ich möchte nochmals versichern, dass die erneute Beleuchtung nur vorgenommen wurde, weil es sich im Rahmen der Sanierung angeboten hat“, so Uschkurat. Strom habe es dort immer schon gegeben. Die Leitung sei im Zuge der Sanierung in Stand gesetzt worden.

„Es ist nicht beabsichtigt gewesen, das Denkmal besonders hervorzuheben“, so Uschkurat. Die Arbeitsgruppe werde voraussichtlich für den 27. Februar zu einer ersten AG-Sitzung im Ratssaal einladen. Der Stadtentwicklungsausschuss müsse am 13. Februar noch die Mitglieder der AG aus den Fraktionen bestimmen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert