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Absage : Zoff um AfD-Veranstaltung in Haselau

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Wirtin des geplanten Veranstaltungsortes storniert den Termin wegen Sicherheitsbedenken. Aus Sicht der Partei ein Scheinargument.

Haselau | Wenn die Alternative für Deutschland (AfD) einlädt, gibt es oft heftige Proteste. Gegen den AfD-Neujahrsempfang in Münster liefen laut „Westfälische Nachrichten“ jüngst 8000 Demonstranten auf, die Maritim-Hotelkette stellt nach Berichten von „MDR Aktuell“ keine Räume mehr zur Verfügung. Für heute Abend hatte der AfD-Kreisverband Pinneberg einen Bürgerdialog im Jägerkrug Hohenhorst in Haselau geplant. Doch der wird nicht stattfinden. Der Grund: Gastwirtin Ulrike Wulff hat die Veranstaltung abgesagt. Sie fühlt sich vom Veranstalter getäuscht und hat Angst vor gewaltsamen Protesten.

Bis Mittwoch, 20.45 Uhr, war die Welt der Gastwirtin noch in Ordnung: Der gemeindliche Bau-, Wege- und Planungsausschuss tagte in dem Traditionshaus der malerischen Marschgemeinde. „Plötzlich kamen zwei Polizisten und fragten mich, ob hier eine unangemeldete AfD-Wahlkampfveranstaltung stattfinden soll“, berichtet die 48-Jährige. Sie verneinte. „Wir waren wie vor den Kopf gestoßen“, gesteht Wulff. Der Blick in das Reservierungsbuch habe verraten, dass der Saal am Freitag für Noack reserviert ist. „Wir haben gedacht, dass es eine Veranstaltung anderer Art ist und wurden erst durch die Nachfrage aufmerksam.“

Die Buchung sei vor knapp drei Wochen telefonisch erfolgt. Sie habe lange mit Bernhard Noack gesprochen, erinnert sich Wulff. Noack habe gesagt, er plane eine Veranstaltung für den Obstbauberatungsring und wolle einen Vortrag über Landwirtschaft halten. Er kenne die Örtlichkeiten von früher – er war Leiter im Obstbauberatungsring – und fragte nach, ob sich die Gaststätte verändert habe. Dass der Diplom-Ingenieur inzwischen unter anderem AfD-Direktkandidat zur Landtageswahl für den Wahlkreis 23 Pinneberg Elbmarschen ist, habe Wulff nicht gewusst.

Noch am Mittwochabend hat Wulff Noack die Absage telefonisch erteilt. „Ich sage die Veranstaltung nicht ab, weil es die AfD ist, sondern weil ich einfach Angst um die Sicherheit habe“, sagt die Gastwirtin. „Er hat gedroht, uns zu verklagen, weil die Veranstaltung so kurzfristig abgesagt werde, das tue man nicht“, berichtet Wulff. Ihre Antwort für Noack: Wenn sie von einer AfD-Buchung gewusst hätte, hätte sie im Vorwege wohl anders entschieden. „Einfach weil man aus der Presse weiß, dass solche Veranstaltungen nicht immer glimpflich ablaufen“, argumentiert Wulff. Noack habe dann eingelenkt und zugesagt, dass er für den Parkplatz einen Sicherheitsdienst buchen würde. Wulff hatte aber weiterhin Bedenken und sagte die Veranstaltung ab.

„Das ist schon ein starkes Stück.“

Bernhard Noack sagt auf Nachfrage des Pinneberger Tageblattes, er sei sehr enttäuscht: „Das ist schon ein starkes Stück.“ Die Sicherheitsbedenken sind aus seiner Sicht nur ein vorgeschobenes Argument. „Ich vermute, dass von einer anderen Partei Druck auf die Wirtin ausgeübt wurde.“ Gegendemonstrationen seien vielleicht in Großstädten ein Problem. In Schleswig-Holstein seien die AfD-Parteiveranstaltungen bisher weitgehend friedlich verlaufen. Und für den Jägerkrug rechnete er erst recht nicht mit wütender Gegenwehr. „Die Typen von der Antifa wären doch eh’ zu faul, nach Haselau zu fahren“, sagt Noack. Und den Vorwurf, er habe den Abend nicht als AfD-Veranstaltung angemeldet, weist er von sich: „Das entspricht nicht den Tatsachen.“

Die Haselauerin trifft die Geschichte besonders deshalb, weil die Familie derzeit in Trauer ist. Ihr Schwiegervater Georg sei nach langer Krankheit am 13. Januar gestorben. Er war von der Familie gepflegt worden. Die Urnenbeisetzung steht noch an. Deshalb hat sie auch jüngst ihr Gemeinderatsmandat niedergelegt. Die Belastung als Zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters sei einfach zu viel geworden, so die Christdemokratin.

Die Türen des Jägerkrugs werden heute wohl geschlossen bleiben. Die örtliche Polizei habe versprochen, verstärkt Streife zu fahren, sagt Wulff. „Wenn was ist, soll ich sofort den Notruf wählen“, lautet die Bitte der Ordnungshüter. Die Gastwirtin hofft, dass es nach der Absage dazu nicht kommen wird.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 10:00 Uhr

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