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Rellingen atmet auf : Zivilfahnder verhaften den mutmaßlichen Feuerteufel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein 26-Jähriger ist auf frischer Tat ertappt worden. Bei dem Festgenommenen soll es sich um den „Apfelfest-Bomber“ André M. handeln.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Rellingen | Es war ruhig geworden in Rellingen. Gespenstische Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Warten darauf, dass der Feuerteufel, der seit dem 28. Juli in Rellingen sein Unwesen getrieben hat, wieder zuschlägt. „Rellingen muss erstmal ruhiger werden, dann geht es weiter“, hatte auf der Facebookseite dieser Zeitung ein Nutzer, der sich in Anlehnung an einen General der Waffen-SS „Felix Steiner“ nannte, geschrieben. Am 4. August brannten bislang zum letzten Mal Fahrzeuge in Rellingen. In der Nacht zu gestern sollte es mit der Ruhe zuende sein. Der Feuerteufel begab sich im Schutz der Dunkelheit wieder auf die Straße. Wieder sollten Autos brennen. Doch diesmal hat er die Polizei unterschätzt.

Beamte in Zivil lagen auf der Lauer, warteten nur darauf, den Feuerteufel auf frischer Tat zu ertappen. In der Nacht zu gestern, so berichtete Polizeisprecherin Sandra Mohr, war es dann soweit. Der Brandstifter hatte gerade begonnen, zwei Fahrzeuge anzuzünden, als die Falle zuschnappte. Um 23.30 Uhr nahmen Zivilfahnder einen 26 Jahre alten Rellinger fest. Die Beamten waren rechtzeitig am Tatort und erstickten die gerade aufflackernden Flammen. Der Einsatz der Feuerwehr war nicht nötig. Ein größerer Schaden entstand laut Mohr nicht. Die Polizei habe daraufhin weitere Spuren und Beweismaterial gesichert.

Der 26 Jahre alte Tatverdächtige sitzt seit gestern in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Itzehoe erließ ein Richter einen Haftbefehl wegen versuchter Brandstiftung.

„Der 26-Jährige steht im Verdacht, für die jüngste Serie von Brandstiftungen und Sachbeschädigungen verantwortlich zu sein“, sagte Mohr. Die intensiven Ermittlungen dauerten an. Der 26-Jährige sei, so die Polizeisprecherin, in der „Vergangenheit bereits erheblich polizeilich in Erscheinung getreten“. Mehr wollte die Polizei zur Identität des Festgenommenen nicht sagen.

Bei dem Rellinger, der von der Zivilstreife festgenommen wurde, soll es sich nach Informationen dieser Zeitung und André M. handeln – einer der sogenannten Apfelfest-Bomber. M. war am 25. September 2007 von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei festgenommen worden. Er und ein Komplize standen im Verdacht, einen Bombenschlag auf das Rellinger Apfelfest geplant zu haben. Dies hatten sie im Internet angekündigt. Eine Verurteilung wegen des geplanten Bombenanschlags gab es indes nicht – dem Gericht fehlten die Beweise. Verurteilt wurden dennoch beide wegen Sachbeschädigung in mehr als 100 Fällen sowie weiterer Delikte. Einer der damals Heranwachsenden wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Andre M. zu dreieinhalb Jahren. Vor Antritt der Haftstrafe wurde er in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Das Gericht hatte André M. eine „schwere seelische Abartigkeit“ bescheinigt.

André M. und sein Komplize hatten damals monatelang Rellingen terrorisiert. Brandstiftung, zerstochene Autoreifen, Buttersäure-Attacken und gesprengte Zigarettenautomaten gingen aufs Konto des Duos.

Die Anschläge 2007 und die jüngsten Brandstiftungen wiesen deutlich Parallelen auf. Insbesondere die Veröffentlichungen des Duos auf einer Internetseite 2007 und das „Bekennerschreiben“ von „Felix Steiner“ auf der Facebookseite dieser Zeitung wiesen Ähnlichkeiten auf. Ob es sich bei „Steiner“ auch um André M. handelt, konnte die Polzei gestern noch nicht sagen.

Die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Feuerteufels wurde in Rellingen mit großer Erleichterung aufgenommen. Allen voran Bürgermeisterin Anja Radtke. „Mir ist eine riesengroße Last von den Schultern gefallen. Wir können alle wieder aufatmen“, sagte sie im Gespräch mit dem Pinneberger Tageblatt. Mit dieser Aussage sprach sie vielen Rellingern aus der Seele. Andreas Hader aus Pinneberg arbeitet als Friseur in Rellingen. Er sagte: „Die Serie von Brandstiftungen war Thema Nummer eins bei den Kunden, weil keiner wusste, was los war. Es ist gut, dass er gefasst wurde.“ Ein älterer Herr, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte: „Ich habe schon etwas Angst gehabt. Denn wenn es brennt, kann man nichts mehr machen.“ Er habe zuletzt häufiger Polizeistreifen im Ort beobachtet. Marlene Bauer aus Rellingen war sichtlich erlöst: „Gott sei Dank. Die Leute hatten Angst und ich war erschüttert über die Drohungen, die im Internet verbreitet wurden. Ich weiß nicht, ob es einen Zusammenhang gibt. Aber die Menschen kannten die Angst wegen der Bedrohung des Apfelfests.“
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