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Pinneberger Tageblatt

25. September 2017 | 13:32 Uhr

Zittern ums Wiedersehen in Kiew

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jungen und Mädchen aus der Ukraine verlassen Pinneberg / Politische Ungewissheit gefährdet den Schüleraustausch

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 16:52 Uhr

Beim Abschied konnte Nataliia Lipina ihre Tränen nicht bremsen. Immer wieder versagte ihre Stimme, während sie in überschwänglichen Worten Bilanz zog. Zehn Tage Pinneberg lagen hinter ihr, ihrer Kollegin Olga Losenko und 17 Schülerinnen und Schülern ihrer „Spezialisierten Schule Nr. 14“ in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, eine weitere Episode im seit Jahren so erfolgreichen Schüleraustausch mit der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Pinneberg. Jetzt stand die Heimreise bevor. Bange Frage angesichts politischer Wirren in Lipinas Heimatland: Wird es auch diesmal im September wie in all den Jahren zuvor einen THS-Gegenbesuch in Kiew geben?

Bei der Abschiedsfeier, für die die Pinneberger Gasteltern ein leckeres und farbenfrohes Büfett kreiert hatten, war die Stimmung unter den Lehrern angesichts dieser Ungewissheit etwas gedrückt. Lipina, seit vielen Jahren die ukrainische Seele dieses Austauschprogramms, beschwor ihre THS-Kollegin Brigitte Schulz, an die Reise im Herbst zu glauben. Es werde alles gut sein, war ihr oft wiederholtes Mantra, mit dem sie vielleicht auch sich selbst überzeugen wollte.

Die 17 ukrainischen Kinder und ihre 18 Pinneberger Partner im Alter von zwölf bis 15 Jahren demonstrierten derweil mit Musik, wie friedlich-freundschaftliche Verständigung funktionieren kann. Mit Hilfe von kreativ gestalteten Mini-Kulissen in Papp-Kartons hatten sie als gemeinsames Projekt Filmanimationen produziert, Szenen zu Evergreens wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ oder auch „Hamburg, meine Perle“. Die hatten an diesem Nachmittag Premiere. Außerdem gab es Preise für gelöste Aufgaben. Rätsel und eine Pinneberg-Rallye waren dabei. Und alle schwärmten von den wunderschönen Ausflügen nach Berlin, nach Lübeck – und natürlich nach Hamburg.

Trotz allem, was die Eltern bereits leisten, bleiben bei diesem aufwendigen Programm noch Kosten in Höhe von 10 000 Euro übrig, errechnete Brigitte Schulz. Grund genug für ihre Feststellung: „Ohne Spenden und Fördergelder der Euler-Hermes Kreditversicherung, des pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz und der Stiftung für west-östliche Begegnungen wäre der Schüleraustausch unmöglich.“ Jetzt hoffen alle vor allem eines: Darauf, dass die Politik dem Austausch künftig keinen Strich durch die Rechnung macht.


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