Anschlag auf jüdische Gemeinde : Zielscheibe Pinneberger Synagoge

Wolfgang Seibert ist Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Pinneberg.
Wolfgang Seibert ist Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Pinneberg.

Vandalismus am 75. Jahrestag der Pogromnacht: Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund. Eine Belohnung wurde ausgesetzt.

shz.de von
12. November 2013, 09:51 Uhr

Pinneberg | Zwischen Sonnabend und Sonntag ist eine Scheibe der Pinneberger Synagoge schwer beschädigt worden. Das teilte Wolfgang Seibert, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Ich vermute einen rechtsradikalen Hintergrund. Islamisten haben zu diesem symbolträchtigen Datum keinen Bezug“, sagte Seibert.

Gemeint ist die Pogromnacht gegen die Juden vor dem Zweiten Weltkrieg. Nazis begannen am 9. November 1938, Synagogen anzuzünden. „Die Polizei hat mir gesagt, dass sehr wahrscheinlich ein politisches Motiv dahintersteckt.“

Holger Fenske, Sprecher der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe, bestätigte, dass der Staatsschutz ermittelt. „Aktuell können wir noch nichts dazu sagen, da die Palette was genau passiert sein könnte, sehr groß ist. Die Kollegen sind unterwegs.“

An der Scheibe neben der Eingangstür der Jüdischen Gemeinde sind drei Einschlaglöcher zu sehen. Die Scheibe ist jedoch nicht kaputt gegangen. „Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn es kein Sicherheitsglas gewesen wäre, und die Täter hereingekommen wären“, sagte Vorsitzender Seibert.

Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde, das anonym bleiben will, hat derweil für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt.

Der Kreisverband der Linken nahm als erste Partei öffentlich Stellung zum Anschlag auf die Pinneberger Synagoge: "Es ist unfassbar, dass Neonazis offensichtlich gezielt den Gedenktag an die Reichspogromnacht für ihren abscheulichen Anschlag gewählt haben." Die Linke forderte in einer Pressemitteilung einen entschiedenen Kampf gegen alle Quellen und Erscheinungsformen von Antisemitismus.

„Das Geschehene ist für mich unfassbar“, sagte Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg am Montag. „Die jüdische Gemeinde ist für mich – wie die anderen Kirchen  auch – ein wichtiger Bestandteil der Stadt Pinneberg.“ Steinberg sagte, dass es wichtig sei, diese Tat so schnell wie möglich aufzuklären.

Auch Pinnebergs Bürgervorsteherin Natalina Boenigk (CDU) zeigte sich gestern entsetzt über den Anschlag. „Als Bürgervorsteherin möchte ich Herrn Seibert meine ganze Solidarität aussprechen und ich hoffe, dass ich damit für alle Pinneberger spreche.“ Auch sie hoffe, dass der Täter möglichst schnell gefasst und für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werde.

Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU) sagte: „Rassismus und Antisemitismus haben in unserer Zeit nichts zu suchen. Der Anschlag – ausgerechnet an diesem Tag – bestärkt mich darin, am jährlichen Gedenken der Opfer des Nationalsozialimsus festzuhalten. Gleichzeitg gilt es, solches Handeln auf das Schärfste zu ächten. Auch nach 75 Jahre ist die Gefahr des verabscheuungswürudigen braunen Gedankenguts nicht gebannt.“

Propst Thomas Drope vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein zeigte sich schokiert. „In unserer Gemeinde herrschte am Sonntag große Betroffenheit“, sagte er dieser Zeitung. „Dieser Anschlag lässt uns mitfühlen. Schließlich handelt es sich dabei um einen Anschlag gegen religiöses Leben.“ Nach dem Gottesdienst in der Christuskirche seien zirka 20 Personen gemeinsam zur Synagoge gegangen, um ihr Mitgefühl zu demonstrieren.

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