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Pinneberger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 11:44 Uhr

Kreis Pinneberg : Ziel: Teilhabe vorantreiben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Axel Vogt, Behindertenbeauftragter des Kreises Pinneberg, möchte einen Aktionsplan für Menschen mit Behinderung im Kreis Pinneberg erstellen. Im Sommer soll's losgehen.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Pinneberg | „Die UN-Behindertenrechtskonvention gibt in vielen Bereichen vor, wie Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zu behandeln sind. Und eine dieser Vorgaben ist: Sie müssen an Entscheidungen dazu beteiligt werden“, sagte Axel Vogt, der seit etwa einem Jahr ehrenamtlich die Funktion eines Behindertenbeauftragten für den Kreis Pinneberg innehat.

Derzeit plant Vogt, diesen Teil der UN-Konvention umzusetzen und innerhalb der kommenden zwei Jahre einen Aktionsplan für Menschen mit Behinderung für den Kreis Pinneberg zu erstellen. Allerdings nicht allein: Politik, Verwaltung, Organisationen sowie Bürger mit und ohne Behinderung sollen beteiligt werden. „Auch die Nicht-Betroffenen müssen mitmachen können, sonst wäre das keine richtige Inklusion“, sagte Vogt. Ziel sei es, dem Kreis Pinneberg zum Abschluss des Projekts eine To-Do-Liste zu überreichen, die er nach und nach abarbeiten könne, um Menschen mit Behinderung die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Vogt sei überzeugt davon, dass einige der erarbeiteten Änderungswünsche umgesetzt werden. „Manches, was bei der Barrierefreiheit helfen würde, wurde bislang einfach nicht bedacht und wird dann gemacht, sobald man es weiß“, sagte Vogt. Schwieriger stelle er sich den Erfolg bei Maßnahmen vor, in die große Summen investiert werden müssten. „Das müsste dann jeweils die Politik beschließen“, sagte er. Dass die Politiker alles unterstützten, halte Vogt jedoch für unwahrscheinlich. Nach den Sommerferien solle es losgehen. Bis dahin treffe Vogt Vorbereitungen, etwa die Suche nach Menschen, die Lust haben mitzumachen und nach einem professionellen Projektbegleiter. „Damit das nicht zu einem Debattierklub verkommt“, sagte Vogt.

Während einer Auftaktveranstaltung mit allen solle erst einmal Grundlegendes definiert werden:  Was ist eigentlich mit Behinderung gemeint? Was sollte bedacht werden, wenn man Barrierefreiheit erreichen möchte? „Nicht alle Hilfen erleichtern allen das Leben“, sagte Vogt. So seien tastbare Bodenleitsysteme für Blinde  an Bushaltestellen zwar hilfreich, Rollstuhlfahrern könnten sie jedoch Probleme bereiten, wenn die kleinen Räder zwischen Noppen hängen blieben. „Es wird nie jeder zufrieden sein. Da gilt es gemeinsam herauszufinden, welcher Kompromiss am besten ist“, erläuterte Vogt.

Im Zuge des Aktionsplans für Menschen mit Behinderung sollen elf Themenkomplexe besprochen werden.

1. Gesundheit/Vorsorge/Pfelge

2. politische Teilhabe

3. Notfallsituationen/Missbrauchsprävention

4. Schutz Persönlichkeitsrechte/Gerichtsbarkeit/Freiheit/Sicherheit

5. Schule und außerschulische  Angebote

6. Beruf und Übergang Schule-Beruf sowie Weiterbildung

7. Kultur

8. Sport/Natur/Naherholung

9. stationäres und ambulantes Wohnen

10. öffentlicher Raum

11. öffentlich zugängliche Gebäude

Der Kreis Pinneberg sei mit seinem Aktionsplan kein Einzelfall, berichtete Vogt: „Eigentlich sind wir sogar sehr spät dran.“  Der Nachbarkreis Segeberg hat seinen Aktionsplan als erster in Schleswig-Holstein fertiggestellt und Anfang dieses Monats beschlossen. Vogt glaube jedoch, dass die Art des Beteiligungsprozesses im Kreis Pinneberg einmalig sei. Und noch einen Unterschied gebe es: „Wir wollen in einem Zeitraum von zwei Jahren möglichst alle Themen angehen, andere Kreise widmen sich erst einem, dann dem anderen Themen. Aber das wollte ich nie, denn dann könnten sich einige übergangen fühlen.“

Menschen mit Behinderung, „sind Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“, heißt es im Text der UN-Behindertenrechtskonvention, die heute vor sieben Jahren von Deutschland ratifiziert wurde. Als langfristig gilt laut Behindertengleichstellungsgesetz ein Zeitraum, der mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate andauert.

Im Kreis Pinneberg mit seinen etwa 300.000 Einwohnern leben derzeit etwa 51.000 Menschen, die von einer Behinderung betroffen sind. Zirka 30.000 von ihnen gelten als schwerbehindert, das heißt, ihr Grad der Behinderung beträgt 50 oder mehr Prozent.

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