Kreis Pinneberg : Zentrale Flüchtlingsheime im Kreis

Auf der Suche nach einer sicherenBleibe: Die Zahl der Menschen, die vor Bürgerkrieg und Terroristen fliehen, wird nach Einschätzung der Pinneberger Kreisverwaltung deutlich zunehmen. Dieses Bild enstand in einer Unterkunft in Nürnberg (Bayern).
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Auf der Suche nach einer sicherenBleibe: Die Zahl der Menschen, die vor Bürgerkrieg und Terroristen fliehen, wird nach Einschätzung der Pinneberger Kreisverwaltung deutlich zunehmen. Dieses Bild enstand in einer Unterkunft in Nürnberg (Bayern).

Kommunen können Menschen nicht mehr unterbringen. Der Landrat schlägt deshlab vorübergehende Gemeinschaftsunterkünfte vor

shz.de von
27. Juni 2014, 15:57 Uhr

Im Irak und in Syrien toben Bürgerkriege. Terroristen richten ganze Familien mit Kindern hin. Das Gleiche passiert in etlichen Ländern Afrikas. Und auch in der Ukraine liefern sich Regierungstruppen und Separatisten brutale Kämpfe.

Alles weit weg? Nein. Viele Menschen sind auf der Flucht und einige von ihnen suchen eine sichere Bleibe im Kreis Pinneberg. Wie Landrat Oliver Stolz mit einem Bericht in der Kreistagssitzung am Mittwoch deutlich machte, rechnet die Kreisverwaltung mit einer deutlich wachsenden Zahl von Flüchtlingen. Stolz will deswegen prüfen lassen, ob zentrale Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet werden können.

Der Kreis Pinneberg muss nach einem Verteilungsschlüssel 10,4 Prozent der Flüchtlinge, die nach Schleswig-Holstein kommen, unterbringen. 2008 seien das landesweit 449 Menschen gewesen, 2013 bereits 3500 Menschen, wie Stolz mitteilte. 2014 würde eine Zahl von bis zu 6300 erwartet. „Wir müssen mit weiteren deutlichen Steigerungsraten rechnen“, sagte Stolz.

Der Landrat mahnt: „Hierauf müssen sich die Kommunen einstellen, denn allein sie können den Flüchtlingen eine neue Wohn- und Heimstadt bieten.“ Dabei zeigten sich massive Probleme. Nachdem Ende der Neunzigerjahre mit einer restriktiven Asylpolitik der Zustrom Hilfesuchender schwächer wurde, bauten Gemeinden ihre Containerdörfer ab. Verschärfend kommt hinzu, dass unabhängig von der Zuwanderung vor allem in der Metropolregion Hamburg auf dem freien Markt seit drei bis vier Jahren kaum noch Wohnungen zu bekommen sind. „Eine Entspannung des Wohnungsmarktes im Kreis Pinneberg ist nicht zu erwarten“, sagte Stolz.

Der Landrat bekommt nach eigenem Bekunden seit einigen Wochen Signale aus den Kommunen, dass die rechtzeitige Aufnahme von Flüchtlingen nicht mehr überall machbar sei. Ein Problem, das vor allem auf den Kreis Pinneberg und Hamburg zuträfe, während die Situation im Land noch nicht so angespannt sei.

Die Kosten der Unterbringung tragen zu 30 Prozent der Kreis Pinneberg und zu 70 Prozent das Land Schleswig-Holstein. Laut Stolz entfallen somit 2014 voraussichtlich 2,1 Millionen Euro an Unterbringungskosten auf den Kreis – nach 1,4 Millionen Euro im Vorjahr und 789 000 Euro im Jahr 2008. Hinzu kommen Verwaltungskosten. 2013 waren das etwa 250 000 Euro.

Um den Kommunen bei der Wohnungssuche mehr Zeit zu geben, regt Stolz an, zentrale Gemeinschaftsunterkünfte einzurichten. Dort könnten die Menschen bis zu sechs Monate bleiben, bis sie dezentral Wohnungen zugewiesen bekommen. Von diesen Wohnheimen wird es mehrere geben müssen. Stolz legt in seinen Überlegungen Größen von 40 bis 100 Plätzen zugrunde. „Eine solche Unterkunft wäre lediglich geeignet, das Aufkommen eines Monats abzudecken“, sagte der Landrat.

Stolz sagt: „Es wäre eine Übergangslösung. Integration funktioniert nur mit einer dezentralen Unterbringung.“ Er betont: „Wir haben nicht nur die gesetzliche, sondern auch die humanitäre Pflicht zu helfen. Die Kosten sind in Relation zu anderen Ausgaben nicht besonders hoch.“

Bevor Stolz seinen Bericht vorstellte, ehrte der stellvertretende Kreispräsident Dietrich Anders zwei verdiente Kreistagspolitiker: Hans-Peter Stahl (SPD) und Burkhard Tiemann (CDU) sind seit 20 Jahren Mitglieder des Gremiums.

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