„Zeitweise war das ein Halbtagsjob“

Die Hasloherin Anne Worthmann (CDU) stellte sich in den fünf Jahren zahlreichen Herausforderungen.
Die Hasloherin Anne Worthmann (CDU) stellte sich in den fünf Jahren zahlreichen Herausforderungen.

Nach fünf Jahren Kommunalpolitik in Hasloh zieht Anne Worthmann Bilanz / Sie trat nicht mehr für den Vorsitz des Sozialausschusses an

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21. Juni 2018, 12:21 Uhr

Wie die Grünen-Politikerin Anja Ebens aus Bönningstedt ist auch die Hasloherin Anne Worthmann (CDU) vor fünf Jahren als „Frischling“ voll motiviert in die Kommunalpolitik eingestiegen. Sie übernahm kurzerhand den Vorsitz des Sozialausschusses. „Meine Vorgängerin sagte mir, dass ich mit einem Arbeitsaufwand von etwa vier Stunden im Monat rechnen müsse und da dachte ich mir: ,Das schaffe ich‘“, erinnert sich Worthmann.

Es kam anders: „So viele Themen standen an, die Lösungen brauchten – eine Krise jagte die nächste“, berichtet die Jung-Politikerin. Da waren der Umzug des evangelischen Kindergartens, die Ad-hoc-Einrichtung einer Übergangsgruppe weil zu viele Elementarplätze fehlten und der Träger-Wechsel der Robinson-Kindertagesstätte sowie schließlich der Umzug in die Räume am Mittelweg. Das habe viel Zeit und Nerven gekostet. „Die täglichen zwei Mal 40 Minuten im Auto auf dem Weg zur und von der Arbeit nutzte ich regelmäßig für Telefonate – sozusagen mein Auto-Büro“, sagt Worthmann und lacht.

Zu den absehbaren und eher planbaren Aufgaben kamen besondere Herausforderungen hinzu – etwa die Flüchtlingskrise. „In den Hochphasen war das wie ein Halbtagsjob und ich ging auf dem Zahnfleisch“, so Worthmann. Das Willkommensteam wurde ins Leben gerufen und mit der Unterstützung einiger anderer aktiver Bürger und Politiker wurden Unterkünfte, Kleiderkammer, Deutschunterricht und vieles mehr aus dem Boden gestampft. Nicht umsonst wurde das Team als „Bürger des Jahres“ geehrt. „Die gemeinsame, parteiübergreifende Anstrengung war das schönste Erlebnis – trotz der Anfeindungen, die ich in diesem Zusammenhang auch erleben musste“, sagt Worthmann. Sie habe nie geglaubt, dass so viele Menschen eine derartige Angst vor etwas Unbekanntem haben könnten.

Doch für Worthmann bedeuteten diese Ergebnisse auch, viel Zeit zu investieren. „Die Anrufe kamen zu jeder Tages- und Abendzeit, ganz egal, was ich gerade machte“, beschreibt sie. Ob das eine Kind gerade die Gute-Nacht-Geschichte genoss oder das andere auf dem Wickeltisch lag: Worthmann kümmerte sich. „Das ging ganz klar auf Kosten meiner Kinder“, sagt die Mutter, deren Ehemann während der Woche viel unterwegs ist.

„Unter der Woche bin ich sozusagen alleinerziehend und musste für Abendtermine immer Babysitter organisieren“, erklärt Worthmann. Stressig seien insbesondere spontane Absagen gewesen, die Worthmann so manches Mal in große Not brachten. „Als meine Tochter dann sagte ,Mama, jetzt bleib doch mal hier‘ wusste ich, dass ich so nicht weitermachen kann“, sagt Worthmann. Deshalb habe sie vor etwa eineinhalb Jahren den Entschluss gefasst, nicht mehr auf einem der vorderen Listenplätze zu kandidieren und politisch kürzer zu treten.

Ihrem Nachfolger hinterlässt sie ein gut bestelltes Feld. „Ich habe so viele Altlasten aufgeräumt, alles hinterfragt und wenn nötig umgekrempelt“, beschreibt Worthmann ihre Vorgehensweise. Kein Thema sei liegengeblieben und alles, was sie sich vorgenommen habe, sei umgesetzt worden – auch der letzte Punkt auf ihrer Agenda konnte sie auf den Weg bringen: „Der Krippen-Anbau an den ASB-Kindergarten wird kommen“, sagt sie stolz.

Bei all ihren Bemühungen habe sie Mitstreiter gehabt, die hilfreich zur Seite gestanden hätten. „Mein besonderer Dank geht an Christopher Glatzer, der ja leider nicht mehr in Quickborn arbeitet“, bedauert Worthmann. Er habe ihr in schweren Zeiten viel geholfen, sie unterstützt und sei immer mit Herzblut bei der Sache gewesen. „Auch seine Protokolle waren immer top“, lobt Worthmann. Auch die Zusammenarbeit mit Carsten Möller in Sachen Kindergarten sei stets sehr konstruktiv, lösungsorientiert, partnerschaftlich und vor allem zuverlässig gewesen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Ausschussmitgliedern werde ihr als fruchtbar und respektvoll im Umgang in Erinnerung bleiben. „Wir waren ein Team, nicht die Vertreter dreier Parteien, das gemeinsame Ziele im Blick hatte“, beschreibt sie die Atmosphäre.

Als schlimmstes Erlebnis hat sie den Einstieg in ihre Arbeit vor fünf Jahren in Erinnerung: „Das war die erste Seniorenausfahrt, die ja vor meiner Zeit längst geplant und gebucht worden war – und ich musste hinterher feststellen, dass sie deutlich zu teuer gewesen ist und kein Geld mehr für die Weihnachtsfeier übrig war“, berichtet sie.


Digitale Infos statt Papierflut

Also fiel diese entsprechend kleiner aus – und Worthmann wagte obendrein, um Kuchenspenden zu bitten. „Da kamen unglaublich wütende Anrufe von Senioren. Das hat mich emotional sehr belastet und war schlimmer, als die viele Arbeit“, so der Rückblick der Politikerin.

Die nachfolgende Person auf dem Posten des Ausschussvorsitzes wird eine lückenlose Dokumentation als USB-Stick überreicht bekommen. „Alles ist transparent und nachvollziehbar, jeder Schritt ist einsehbar“, betont Worthmann. Ihre große Hoffnung sei, dass der Nachfolger verstehe, dass Familien heute anders aufgestellt seien, der Druck immens hoch sei und damit die Verlässlichkeit der Kinderbetreuung einen immensen Stellenwert habe.

Trotz aller Entbehrungen habe ihr die Arbeit auch viel Spaß gemacht. „Ich habe viel gelernt – auch über mich. Und ich habe Hasloh neu kennengelernt“, so ihre Bilanz. Die allerdings auch einen Schönheitsfehler hat: „Bei vielen besteht die politische Arbeit zu 50 Prozent im Tun und zu 50 Prozent darin, darüber zu berichten – bei mir war das Verhältnis eher so, dass ich zu 95 Prozent gerackert habe und nur wenig darüber habe verlauten lassen“, sagt sie. Somit wüssten viele auch nicht, was tatsächlich in den vergangenen fünf Jahren geleistet worden sei. Und einen Wunsch hat sie auch noch: „Die Papierflut für die Sitzungen ist viel zu groß. Das ist nicht notwendig und belastet die Umwelt“, betont sie. Es sei Zeit, schnellstens Inhalte digital zu verteilen, und häufiger Laptops oder Tablets einzusetzen. „Das bedeutet aber auch, dass alle Politiker endlich in der Neuzeit ankommen müssen“, so ihre Forderung.

Mit sich selbst ist Worthmann im Reinen: „Ich glaube, dass ich einen guten Job gemacht habe, der mir auch in den vergangenen fünf Jahren sehr viel Spaß und Freude bereitet hat, aber es war einfach zu viel.“ Stattdessen wird sie künftig als bürgerliches Mitglied dem Schul-, Sport und Kulturausschuss angehören. „Auch im Robinson-Kuratorium mitzuarbeiten kann ich mir gut vorstellen“, sagt Worthmann. Denn ehrenamtlich aktiv werde sie auf jeden Fall bleiben.

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