Zeitreise durchs Baumschulland

Zwei Jahre lang haben die Autoren Heike Meyer-Schoppa und Joachim Malecki für ihr neues Buch „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“ recherchiert.
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Zwei Jahre lang haben die Autoren Heike Meyer-Schoppa und Joachim Malecki für ihr neues Buch „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“ recherchiert.

In ihrem neuen Buch werfen Heike Meyer-Schoppa und Joachim Malecki einen neuen Blick auf die Pinneberger Geschichte

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12. September 2018, 16:00 Uhr

Es ist eine Zeitreise durch Pinneberger Familiengeschichten, Arbeiterstreiks, Zwangsarbeit, Krieg aber auch mit Tanzvergnügen und generationsübergreifenden Freundschaften. Mit „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“ hat der gleichnamige Förderverein sein erstes Buch veröffentlicht.

Auf 134 Seiten erzählen die Historikerin Heike Meyer-Schoppa und Hamburgs ehemaliger Erster Baudirektor Joachim Malecki mit vielen Fotos kurzweilig und sehr lehrreich die Geschichte der Pinneberger Baumschulen. Entstanden ist dabei nicht nur eine regionale, soziale und wirtschaftliche Geschichte des Kreises. Es ist auch eine Reise durch die Entwicklung der Technik und die Bedeutung von Arbeitskraft in den vergangenen 250 Jahren.

„Über Baumschulen ist schon ohne Ende geschrieben worden – aber immer nur für Fachleute“, sagte Malecki. Das hat sich mit dem neuen Buch nun geändert. Es richte sich an die Menschen, die im Kreis leben und sich bisher eher wenig mit der Geschichte ihrer Heimat beschäftigt haben, so Malecki. „Wir haben versucht so zu schreiben, dass man es gerne liest.“

„Wir wollten aufzeigen, warum es wert ist, sich der Geschichte Pinnebergs als Baumschulland zu erinnern“, sagt Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland, der zusammen mit seinem Stellvertreter Andreas Köhler das Buch präsentierte.

Beginnend im 18. Jahrhundert mit Caspar Voght und dessen Mustergut in Flottbek, für das er den schottischen Landschaftsgärtner James Booth anheuerte, ziehen die Autoren einen Bogen bis hin zu den ersten Baumschularbeiterstreiks 1903. Rund 800 – wenn auch meist sehr kleine – Baumschulen gab es zu dieser Zeit im Kreis. Zum Vergleich: Heute sind es noch 300. Der Bedarf an Arbeitskräften war enorm. Die Betriebe begannen also, Saisonarbeitskräfte aus Thüringen, Posen, Ostpreußen und Pommern anzuwerben. Dadurch kamen viele junge Menschen in die Region. Und das hatte Folgen. Beziehungen entstanden – wenn auch zunächst nicht gern gesehen – und noch heute haben viele Pinneberger ihre Wurzeln in der Saisonarbeit.

Doch: „Geschichte ist kein Wunschkonzert“, sagt Malecki und auch die Pinneberger Baumschul-Geschichte hat ihre dunklen Kapitel. Eines der dunkelsten ist sicherlich der Zweite Weltkrieg und die damit verbundene Zwangsarbeit. Mehr als 20 Millionen Menschen wurden während dieser Jahre gezwungen, in Wirtschaftsbetrieben des Deutschen Reiches und der besetzten Länder zu arbeiten, rund 2000 von ihnen in Pinneberger Baumschulen.

Mit Einzelschicksalen erzählen die beiden Autoren aus dieser Zeit. „Das war ein harter Recherchetag“, erinnert sich Heike Meyer-Schoppa an einen Tag im Elmshorner Stadtarchiv. Da wurden Frauen zu Abtreibungen genötigt, Arbeiter starben an Unterernährung und unbehandelten Krankheiten. Eine Frau ertränkte sich und ihren Säugling in der Liether Grube in Elmshorn, weil sie ihn nicht in der Säuglingsstation des Lagers zurücklassen wollte.

Doch es existieren auch viele Berichte, dass es insbesondere in den kleinen Familienbetrieben sehr menschlich zuging. „Hier wird auch die wichtige Rolle der Frauen in den Betrieben deutlich“, erklärt Meyer-Schoppa. Oftmals seien sie es nämlich gewesen, die das Leben der Arbeiterinnen erträglicher gemacht hätten.

Was folgt sind die Nachkriegsjahre mit ihren vielen Flüchtlingen, die Veränderungen in der Ausbildung bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie die Entwicklung von Klimawandelbäumen und die Gefahr durch neue Schädlinge.

„Uns geht es darum, unsere Identität als Kreis zu wahren und nicht zu einer gesichtslosen Vorstadt zu verkommen“, sagt Kreispräsident Helmuth Ahrens bei der gestrigen Buchvorstellung.

Finanziert wird das Buch durch Sponsoren wie dem Kreis, aber auch Betrieben, die sich in Form von kurzen Portäts im gesamten Buch widerfinden. „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“ ist ab jetzt in allen Buchhandlungen erhältlich.

Bis Dezember sind mehrere Autoren-Lesungen geplant. Die erste findet am Donnerstag, 27. September, um 18 Uhr in der Rathausgalerie, Hauptstraße 60, in Rellingen statt.

>Heike Meyer-Schoppa, Joachim Malecki: „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“, Kommunikation & Wirtschaft, 19,80 Euro, ISBN: 978-3-88363-390-9

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