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Pinneberger Tageblatt

23. August 2017 | 20:12 Uhr

„Zehn Gebote für die Tierhaltung“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Vorsitzende Brigitte Meier und Sprecher Peter Dorendorf über die Entwicklung des Tierschutzvereins Pinneberg

Der Pinneberger Tierschutzverein feiert am Sonntag, 3. September, auf seinem Grundstück an der Straße Am Hafen sein 60-jähriges Bestehen. Im Interview mit unserer Zeitung blicken die Vorsitzende Brigitte Meier und Pressesprecher Peter Dorendorf auf bewegte Jahre zurück und kritisieren das fehlende Verantwortungsbewusstsein einiger Tierhalter.

Wie sieht die Arbeit des Vereins aus?
Peter Dorendorf: Wir haben einiges zu tun. Im vergangenen Jahr hatten wir 238 Einsätze, bei denen wir Tiere einfangen, behandeln oder ins Tierheim bringen mussten. Außerdem beraten wir Tierhalter. Das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Viele machen Fehler, weil sie es nicht besser wissen. Etlichen ist zum Beispiel gar nicht bewusst, dass sie ihre Hunde nicht einfach anleinen dürfen. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 20 Meter Laufleine. Auch Hindernisse sind innerhalb dieses Bereichs nicht erlaubt.

Ist es ein generelles Problem, dass Tierhalter nicht wissen, wie sie mit den Tieren umgehen sollen?
Dorendorf: Ja. Gerade kleinere Hunde werden mit der Leine häufig gezogen, gerissen oder sogar geschleudert. So etwas passiert, weil etliche Tierhalter der Auffassung sind, dass sie keine Unterweisung brauchen und alles im Griff haben. Ein weiteres Beispiel ist die Pferdehaltung. Wer sich zum Beispiel ein Pferd kauft, lässt dieses häufig allein auf einer Weide stehen. Das geht gar nicht. Pferde sind schließlich Herdentiere.
Brigitte Meier: Ein Problem ist, dass immer mehr Hunde aus Rumänien, Russland und den südeuropäischen Ländern zu uns kommen. Diese Tiere haben eine Vergangenheit, sind eingeschüchtert und nicht gewohnt, Kommandos zu befolgen.

Was raten Sie vor dem Kauf eines Tieres?
Dorendorf: Es gibt zehn Gebote für die Haltung eines Tieres. Die findet man auf unserer Homepage. Einige Beispiele: Ist genügend Geld für den Tierarzt und das Futter da? Hat man ausreichend Zeit, sich um das Tier zu kümmern? Kann man sich bei Hunden den Besuch einer guten Hundeschule leisten? Ist die Unterbringung auch während der Urlaubszeit gesichert? Wer die Gebote befolgt, darf auch Tiere halten. Viele sind sich ihrer Verantwortung leider nicht bewusst und behandeln Tiere wie Spielzeuge.

Der Tierschutzverein feiert 2017 sein 60-jähriges Bestehen. Was waren die Höhepunkte in dieser Zeit?
Dorendorf: Eröffnung der Tiertafel, die Freude über unser eigenes Grundstück – es ist gerade in den vergangenen Jahren viel passiert. Es gab aber auch schlechte Zeiten. So drohte 2007 aufgrund der Misswirtschaft des damaligen Vorstandes das Aus für den Tierschutzverein. Das konnte zum Glück abgewendet werden.

Was ist für die Jubiläumsfeier am 3. September geplant?
Meier: Wir laden von 10 bis 17 Uhr zu einem „Tag des Tierschutzes“ auf unser Gelände ein. Vorführungen, Info-Stände von verschiedenen Vereinen, Tombola (der ganze Tag ist Tombola-Tag: Jedes Los ist auch ein Gewinn), Kaffee, Kuchen, Fleischgerichte – den Besuchern wird einiges geboten.

Welche Bedeutung hat die Tiertafel für den Verein?
Dorendorf: Die Abteilung wurde 2012 gegründet und wird selbstständig geführt. Wir haben in einem Autohaus an der Elmshorner Straße angefangen. Das war aber keine Dauerlösung. Deshalb war es auch so wichtig, dass wir ein eigenes Grundstück bekommen. Futterspenden haben wir schon immer erhalten. Früher hatten wir das, was wir nicht sofort benötigten, immer ins Tierheim Elmshorn gebracht. Da das Verhältnis ziemlich angespannt ist und es wesentlich mehr Sinn macht, den Tieren vor Ort zu helfen, haben wir die Tiertafel ins Leben gerufen.
Meier: Etliche besitzen Tiere, obwohl sie sich nicht einmal das Futter leisten können. So tragen wir dazu bei, dass diese nicht hungern.

Hat der Tierschutzverein mit Problemen zu kämpfen?
Die beiden Vorständler: Wir brauchen dringend zusätzliche Helfer. Es wäre schön, wenn wir vor allem die jüngere Generation für uns begeistern könnten.

Was für Aufgaben fallen regelmäßig an?
Meier: Auf alle Fälle ist Spontanität gefragt. Wenn ein Tier in Not, müssen wir umgehend helfen. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr 29 ausgesetzte männliche Meerschweinchen gerettet. Wir müssen ähnlich wie die Feuerwehr immer einsatzbereit sein. Unsere Einsätze sind nicht planbar.

Was macht den Tierschutz so reizvoll?
Dorendorf: Die Möglichkeit, Tieren zu helfen und Tierhaltern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wenn die Aufklärung nicht hilft, bleibt uns zum Schutz der Tiere nichts anderes übrig, als Anzeige zu erstatten.

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