Kreis Pinneberg : Zahlreiche Stolpersteine erinnern an die Opfer

In der Pinneberger Bahnhofstraße erinnert ein Gedenkstein an Heinrich Boschen.
In der Pinneberger Bahnhofstraße erinnert ein Gedenkstein an Heinrich Boschen.

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19. Mai 2015, 13:30 Uhr

Kreis Pinneberg | Sie sollen an alle verfolgten und ermordeten Opfer des Naziregimes erinnern, darunter Juden, Sinti und Roma, politisch und religiös Verfolgte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und „Euthanasie“-Opfer. Mehr als 50 Stolpersteine gibt es mittlerweile im Kreis Pinneberg. 1997 verlegte der Künstler Gunter Demnig die ersten Exemplare. Seitdem sind weltweit tausende in 750 Gemeinden in 18 Staaten dazugekommen, stets vor den letzten freiwillig gewählten Wohnanschriften der Männer und Frauen. Sie erzählen alle die Geschichte eines Lebens in einem Unrechtsstaat, eine Geschichte von Verfolgung, Folter und kaltblütigem Mord. In der Peterstraße, vor der Hausnummer 4, in Elmshorn befindet sich der Stolperstein für Erich Krämer, einem antifaschistischen Widerstandskämpfer. Er stellte sich  mit Gleichgesinnten in der Ollnsstraße einer Gruppe SS-Männern entgegen, die dort Wahlpropaganda betreiben wollten. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung wurde er verhaftet. Nachdem er im Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen Sklavenarbeit leisten musste, starb er 1942 offiziell an einem Infekt.

Wegen starker Kopfschmerzen nach einer Nervenoperation wurde Rudolf Saß aus Barmstedt laut Krankenakte 1935 mit 22 Jahren in die Landesheil- und Pflegeanstalt Schleswig-Stadtfeld aufgenommen. Der als Musiker und Hobbyfotograf bekannte Mann wurde  im Zuge der „Euthanasie“ zwangssterilisiert. Vermutlich durch die systematische Unterversorgung starb er im Alter von 29 Jahren. Der Gedenkstein befindet sich vor seinem ehemaligen Elternhaus in der Königstraße 29.

Opfer der „Aktion Gitter“, einer Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler, wurde Heinrich Boschen aus Pinneberg. Boschen war Stadtverordneter der SPD und stellvertretender Geschäftsführer der Ortskrankenkasse Pinneberg. Er erhielt aufgrund seiner politischen Gesinnung ein Berufsverbot und wurde im August 1944 in das KZ Neuengamme verschleppt. Er starb mit etwa 60 Jahren an den Folgen der Haft. Der Stolperstein befindet sich an seinem ehemaligen Wohnort in der Bahnhofstraße 13.

Max Kellermann aus Quickborn-Heide war Polizist. Seine Wohnung wurde 1933 von der Sturmabteilung (SA) durchsucht, wogegen er erfolglos Beschwerde einreichte. Wegen angeblich regimekritischer Aussagen wurde er mehrmals verhaftet. 1944 starb er in einem Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, vermutlich aufgrund der schlechten Haftbedingungen. Seine Gedenktafel befindet sich an der Friedrichsgaber Straße 37. dic

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