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Besuch bei der Schuldenberatung : Zahl der Hilfesuchenden kreisweit auf hohem Niveau

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Investition, die Geld spart. Frühzeitige Beratung kann öffentliche Kosten sparen.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Immer mehr Menschen im Kreis Pinneberg wenden sich ratsuchend an die Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-Beratung der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, den Institutionsleiterin Mechtild Kuiter-Pletzer gestern in Elmshorn vorstellte. Im Jahr 2015 habe es 5163 Beratungsanfragen gegeben, die insgesamt acht Mitarbeiterinnen hätten 3563 Basis- und 1560 Intensivberatungen gegeben. Ein hohes Niveau, sagte Kuiter-Pletzer.

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Arbeiterwohlfahrt ist 1985 als erste spezialisierte Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein ins Leben gerufen worden. Anfang bestand sie aus einem Berater, der für den gesamten Kreis Pinneberg zuständig war und überwiegend Hausbesuche absolvierte. Inzwischen arbeiten sechs Beraterinnen und zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen an den Standorten Elmshorn, Pinneberg, Wedel und Schenefeld. Zudem werden in Uetersen, Tornesch und Quickborn wöchentlich Beratungen angeboten.

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Hilfesuchenden nur leicht gestiegen, sagte Kuiter-Pletzer. Allerdings seien die Anliegen der Schuldner immer komplexer. „Viele von ihnen leiden unter einer körperlichen oder seelischen Erkrankung“, sagte Mitarbeiterin Anne Bessert. Außerdem sei die Erwartungshaltung der Schuldner an die Beratungsstelle gestiegen. „Viele haben im Fernsehen Schuldnerberater gesehen, die sich um alles kümmern, mit den Ratsuchenden zur Bank gehen, Unterhalt beim Ex-Partner eintreiben und so weiter. Aber so etwas können wir nicht leisten“, sagte Kuiter-Pletzer.

Die Awo-Schuldnerberatung erhält für ihre Arbeit laut Kuiter-Pletzer derzeit jährlich 260.000 Euro vom Land Schleswig-Holstein, 140.000 Euro vom Kreis Pinneberg sowie 33.000 Euro vom Sparkassen- und Giroverband. Der Vertrag mit dem Kreis Pinneberg werde in diesem Jahr neu verhandelt, berichtete Kuiter-Pletzer. Sie hoffe, dass der Kreis Pinneberg die Beratungsstelle weiterhin unterstütze und die Förderung vielleicht sogar erhöhe. „Wir würden unsere Beratungsstelle gern ein wenig ausbauen, um die Kollegen vor Ort ein wenig zu entlasten“, sagte die Institutionsleiterin.

„Jeder Euro, der in die Schuldnerberatung investiert wird, spart Geld“, sagte Kuiter-Pletzer. Bis zu fünf Euro Ersparnis würde ein Euro ausmachen, mit dem die Schuldnerberatung finanziert würde. Kuiter-Pletzer erläuterte, dass Studien in den vergangenen Jahren gezeigt hätten, dass öffentliche Ausgaben oft reduziert werden könnten, wenn Menschen sich frühzeitig an eine Schuldnerberatung wendeten. So sei es etwa möglich, den Verlust des Arbeitsplatzes zu umgehen, wenn mithilfe der Beratungsstelle eine Kontopfändung vermieden und an deren Stelle eine Ratenzahlung vereinbart werde. Und auch Wohnungslosigkeit könne durch Beratung oft verhindert werden. „Wir machen den Ratsuchenden klar, dass es zunächst wichtiger ist, den Grundbedarf, also etwas die Miete, zu zahlen, ehe sie ihre Kredite bei Banken abstottern“, sagte Bessert. Vielen sei nicht bewusst, dass so Obdachlosigkeit vermieden werden könnte.

Der typische Schuldner im Kreis Pinneberg sei männlich, zwischen 45 und 55 Jahre alt, habe eine abgeschlossene Berufsausbildung und Schulden in Höhe von 10.000 bis 25.000 Euro, sagte Kuiter-Pletzer. Oft sei eine Erkrankung der Grund dafür, dass Schulden entstehen. „Wenn jemand einen Ratenkredit bei der Bank abzahlen muss und plötzlich nicht mehr arbeiten kann, geschieht es schnell, dass er überschuldet ist“, sagte Bessert. Inzwischen gehörten die Bankenkredite auch zu den häufigsten Schulden. Vor zehn Jahren waren dies laut Bessert noch Handykosten.

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