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Wirtschaftslage in der Region : Zahl der Firmenpleiten im Kreis Pinneberg geht zurück

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Landesweit größter Rückgang an Insolvenzen im Kreis Pinneberg. Junge Unternehmen haben ein hohes Pleiterisiko, dabei ist die Gastronomie besonders gefährdet.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Kreis Pinneberg ist gegen den Landestrend gesunken. Das teilte die Wirtschaftsauskunft Bürgel mit. Demnach meldeten im vergangenen Jahr 8,2 Prozent weniger Unternehmen Insolvenz an als 2013. Landesweit stieg die Zahl um 0,9 Prozent.

Im Kreis Pinneberg ging die Zahl der Fälle am stärksten zurück. Es folgen der Kreis Ostholstein mit einem Minus von 6,1 Prozent und der Kreis Dithmarschen mit einem Rückgang von fünf Prozent. Von Insolvenzen am stärksten betroffen war Neumünster. Dort stieg die Zahl der Fälle um 27,6 Prozent.

Die 101 Pleitefälle verteilen sich im wesentlichen auf die Gebiete Elmshorn (24, mit Bokholt-Hanredder, Klein Nordende, Kölln-Reisiek und Raa-Besenbek), Uetersen (13, mit Moorrege, Neuendeich, Groß Nordende und Tornesch), Wedel (12), Pinneberg (11) und Quickborn (8). Fast die Hälfte der zahlungsunfähigen Unternehmen waren kleine Gewerbebetriebe und Einzelunternehmen (41) sowie Gesellschaften mit beschränkter Haftung (34). Überdurchschnittlich häufig trifft es junge Unternehmen in der Gründungsphase. 25 Pleitefirmen im Kreis Pinneberg waren nicht älter als zwei Jahre, 26 nicht älter als sechs Jahre.

Nach Einschätzung von Gudrun Kellermann sind viele Gründer nicht ausreichend vorbereitet, wenn sie in die Selbstständigkeit starten. Kellermann ist Beraterin der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH (Wep). Die Wep kümmert sich unter anderem um die Vermarktung kommunaler Gewerbeflächen und bietet Seminare für Gründer an. „Das Hauptproblem ist: Viele Gründer machen keinen richtigen Businessplan. Dann kommen oft Liquiditätsprobleme“, sagt Kellermann. Außerdem sei für viele die Kundenakquise schwer. „Manchmal ist es besser, im Nebenerwerb zu starten und sich einen Kundenstamm aufzubauen.“ Oft werde auch die Zielgruppe unsauber definiert. „In Beratungsgesprächen höre ich oft so etwas wie ,alle’“, sagt Kellermann. Außerdem seien sich viele Gründer nicht der Fallstricke bewusst, die es gibt. „Wer Räume mieten will, sollte am Anfang nicht einfach langfristige Verträge unterschreiben.“ Besonders anfällig ist laut Kellermann die Gastronomie. „Die Startkosten, etwa für die Einrichtung eines Ladenlokals, sind oft sehr hoch. Mein Eindruck ist auch, dass die Banken in der Gastronomie nur sehr zurückhaltend finanzieren.“

Die Insolvenzzahlen im Kreis Pinneberg schwanken teils stark. 2011 etwa nahmen sie im Vergleich zum Vorjahr um etwa 25 Prozent zu. Die Daten geben nach Einschätzung von Paul Raab, Elmshorner Zweigstellenleiter der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, weder Anlass zur Euphorie noch zur Sorge. „Die Fallzahlen gehen mal um zehn rauf, mal um zehn runter. Die Entwicklung im Kreis Pinneberg ist seit Jahren auf gutem Niveau stabil. Wir haben keine strukturellen Probleme“, sagt Raab. Zu den zahlungsunfähigen Jungunternehmen sagt Raab: „Nicht jede Geschäftsidee trägt. Aber grundsätzlich freue ich mich über jeden, der den Mut hat, ein Unternehmen zu gründen.“

Mit dem Rückgang der Insolvenzen um 8,2 Prozent liegt der Kreis Pinneberg im Bundesdurchschnitt. Laut der Auskunftei Bürgel sind die Zahlen in Deutschland fünf Jahre in Folge gesunken und haben den tiefsten Stand seit 1999 erreicht. Das Unternehmen sieht die Entwicklung in der stabilen Wirtschaftslage begründet. Ein stabiler Arbeitsmarkt, leicht steigende Reallöhne und sinkende Energiekosten hätten den privaten Konsum gestärkt. Trotz der Wirtschaftskrise hätten auch die Exporte aus Deutschland zugenommen. Zudem seien die Bedingungen für die Finanzierung von Unternehmen günstig.

Ein Unternehmen ist dann insolvent, wenn ein es nicht mehr in der Lage ist, den fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wenn es noch genügend Werte, die sogenannte Insolvenzmasse, gibt, kann ein Insolvenzverfahren eröffnet werden. Das Vermögen des Schuldners wird dann liquidiert und auf die Gläubiger verteilt. Ziel ist oftmals, das Unternehmen zu erhalten. Das zuständige Amtsgericht bestellt einen Insolvenzverwalter, häufig ein Rechtsanwalt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Schuldner die Verwaltung auch selbst übernehmen.
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